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18.04.2009
"Ach, Sie kommen wegen Elfi"
Bielefelder Oldtimer-Besitzer machen ihre Autos fit für den Frühling
VON MATTHIAS TONHÄUSER

Auf zur großen Ausfahrt | FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Ralf Elges (40) hat mit seinem Fiat 500 aus dem Jahr 1971 schon einiges erlebt: "Mir ist auf der A2 mal der Gaszug gerissen. Ich habe eine Mullbinde am Motor befestigt und sie durch die Belüftungslöcher der Heckklappe nach vorne zum Fenster geführt. Dann konnte ich mit der Hand Gas geben." Elges ist nicht der einzige, der mit seinem Oldtimer jetzt wieder losfährt. Auch andere starten durch – und haben Geschichten zu erzählen.

"Als wir das Auto damals gekauft haben, war es noch gar kein Oldtimer", sagt Fritz-Hermann Sander. Der 61-Jährige riet seinem Sohn Dirk (40) vor 20 Jahren, einen MG Midget (Baujahr 1969) aus England zu importieren. "Junge, das wär der richtige für dich." Dirk Sander schlug zu, heute fahren Vater und Sohn mit dem britischen Roadster.

"Es klappert und riecht noch nach Auto", beschreibt Dirk Sander die Faszination, mit dem Oldtimer unterwegs zu sein. Er ließe sich sportlich fahren, habe eine harte Federung und eine direkte Lenkung. "Die Menschen gucken auch und stellen Fragen. Man freut sich einfach, einen solchen Wagen noch zu bewegen." Auch die Frauen der Sanders teilen die Begeisterung: "Im Herbst wollen sie das Auto immer verkaufen im Sommer stets damit herumfahren", sagt Fritz-Hermann Sander.

In Bielefeld gibt es 1.242 Autos und 700 Motorräder, die älter als dreißig Jahre und noch in Betrieb sind. Dieses Alter ist das wichtigste Kriterium für einen Oldtimer. Die genaue Zahl der alten Fahrzeuge lässt sich aber nicht ermitteln: Manches alte Schätzchen schlummert sicherlich noch in einer Garage im Dornröschenschlaf. Gesetzlich gelten zudem eigentlich nur solche Autos als Oldtimer, die auf Originalität geprüft wurden und ein historisches Kennzeichen tragen. Ihre Zahl ist unbekannt.

Winterschlaf adé | FOTO: OLIVER KRATO

Der ADAC-Oldtimer-Ratgeber 2009/2010 gibt an, dass 2008 bundesweit rund 487.000 Autos und Motorräder angemeldet waren, die älter als 30 Jahre waren. Dies waren mehr als doppelt so viele wie noch zehn Jahre zuvor. Alt ist dabei nicht unbedingt gleich wertvoll: Eine europaweite Studie des Weltverbandes der Oldtimerclubs (FIVA) ergab, dass 78 Prozent der historischen Fahrzeuge einen Wert von weniger als 15.000 Euro hatten.

Ulrich Rogga (47) war schon als 13-Jähriger bei Rallye-Veranstaltungen als Streckenposten dabei. Er fuhr mit einem NSU 1200, zwei VW Polo und einem Golf GTI später selber über 50 Rennen, heute hat sich der Kraftfahrzeugmeister dem historischen Rallyesport verschrieben. Er besitzt einen Fiat X 1/9 (Baujahr 1978) und hat seinem Freund Jürgen Noll dabei geholfen, dessen Volvo Amazone 162 S (1965) zu restaurieren.

"Die Faszination für die Oldtimer kommt von meinem Beruf her", sagt Rogga. Die Autos seien heute so hoch technisiert, dass sie sich relativ weit von ihrem Ursprung entfernt hätten. "Bei den Oldtimern ist es noch so, wie ich das mal gelernt habe." Man könne auch noch viel selber machen, es gebe immer wieder einen Anreiz, etwas Neues zu tun: "Im Winter habe ich etliche Wochenenden in meiner Fahrzeughalle am Heizofen verbracht."

Als der Reporter bei den Elges klingelt, sind diese noch nicht da. "Ach, Sie kommen wegen Elfi", meint die Nachbarin. Elfi, das ist der Fiat 500 der Familie, erklärt Annette Elges (42): "Er sieht aus wie ein Elefantenfuß mit vier Rädern." Sie habe schon immer für Autos interessiert ("Ich habe eher mit Autos gespielt als mit Puppen"), 1997 habe es sich ergeben, dass sie den Fiat kaufen konnten. "Bei der ersten Fahrt ist gleich eine Radkappe abgefallen", sagt ihr Mann Ralf.

Der Oldtimer fasziniert die Elges aber bis heute: "Die Geschichte des Autos, die Einfachheit des Designs, das ist ein Stück Kulturgut." Annette Elges berichtet, dass sie bei Elfi Anfang April jetzt von den Stand- zu den Sommerreifen gewechselt seien und das Auto gewaschen hätten. Bei einer Probefahrt durch Gadderbaum zeigt sich Elfi jedenfalls von ihrer besten Seite. Der Zwei-Takt-Motor mit 14 PS knattert, der Wind weht durch die Haare der Fahrer und Ralf Elges wird ganz eins mit seinem Gefährt: "Wenn der Spiegel klappert, muss man in den Zweiten schalten."
     


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