Bielefeld-Jöllenbeck. Nach dem Brandanschlag auf das geplante Katzen- und Kleintierhaus der Tierpension an der Spenger Straße (NW vom Samstag), ist nun die Zukunft des AIDS-Hilfe-Projekts ungewiss. "Wir müssen eine Reihe schwerwiegender Probleme lösen", sagte Peter Struck, Vorsitzender der AIDS-Hilfe, am Sonntag. Sowohl die Weiterfinanzierung als auch die Sicherheitssituation des Qualifizierungsprojektes für Langzeitarbeitslose mit und ohne HIV müsse neu überdacht werden.
Die wirtschaftlich notwendige Erweiterung der Tierpension liege durch den Anschlag vorerst auf Eis. Schließen wolle Struck das im Januar eröffnete "Hundehotel für alle Felle" aber keinesfalls.
Dennoch gehe jetzt die Sicherheit von Mitarbeitern wie Tieren vor, so Struck. "Wir wissen ja nicht, wie weit diese Menschen noch gehen? Bewegungsmelder und Kameras sind eventuell nützlich, aber helfen die auch, das subjektive Sicherheitsgefühl unserer Mitarbeiter zu verbessern?" Wie berichtet war das Feuer an der Spenger Straße 109 bereits der dritte Brandanschlag auf Gebäude der Tierpension.
Die Kripo Bielefeld wird im Laufe des heutigen Tages mit einem Suchhund in der Brandruine nach Spuren von Brandbeschleuniger suchen. Dass die Polizei vorher schon von Brandstiftung ausgegangen war, liegt allerdings an der deutlichen Spurenlage. Die Täter müssen sich durch ein kleines Fenster an der Rückseite Zugang zu dem Gebäude verschafft haben. Das Feuer soll direkt unter dem Dachstuhl ausgebrochen sein.
Auch Mitarbeiter des städtisches Immobilien-Service-Betriebes (beide Tierpensionsgebäude gehören der Stadt) werden sich heute den Schaden an der Spenger Straße genauer ansehen. Nach Ansicht der Feuerwehrleute in der Brandnacht müsse das Gebäude komplett abgerissen werden. Das Haus sei akut einsturzgefährdet, hieß es.
Für die Mitarbeiter der Tierpension war dieser erneute Brandanschlag ein Schock: "Es gab vorher weder Drohungen noch Beschwerden. Und plötzlich brennt es zweimal innerhalb einer Woche", sagte Struck. Bereits am 2. Juli hatte Leiterin Henny Wendt im ersten Geschoss des geplanten Katzen- und Kleintierhauses verkohlte Stoff- und Papierreste entdeckt. Das Feuer sei aber wegen eines geöffneten Wasserhahns und eines verstopften Waschbeckens von selbst wieder ausgegangen.
"Dabei hatten wir gedacht, dass jetzt endlich Ruhe ist", sagt Peter Struck immer wieder. Erst im Mai hatte das Mindener Verwaltungsgericht auch die letzten beiden Klagen der Anwohner gegen die Baugenehmigung der Tierpension abgewiesen.
Streitpunkt war der zu erwartende Hundelärm gewesen, der in seiner Intensität nicht mit technischem Krach zu vergleichen sei, aber als Bewertungsgrundlage für die Gerichte gelte. Das Kläger-Ehepaar ging deshalb in Berufung. Das Zulassungsverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster läuft noch.
Dabei hatte es für die Pensionsmitarbeiter zuletzt den Anschein gemacht, als hätten sich die meisten ihrer Gegner in Jöllenbeck, die 2007 noch mit großer Anzahl gegen die Pläne der Aids-Hilfe gewettert hatten, mit der Situation abgefunden. "Es ist mir unbegreiflich, was hier für ein Hass entstanden ist", sagt Peter Struck kopfschüttelnd.