Bielefeld. Sonntagnachmittag in der Bahnhofstraße. Es ist ruhig, ein wenig Nieselregen, sonst nix. Doch auf einmal panisches Geschrei vor H&M, urplötzlich laufen hunderte Menschen los, berühren sich, stoßen sich. Alle wollen nur weg. Wirklich alle? Nein. Kameraleute und Tontechniker bewegen sich der wilden Masse wagemutig entgegen.
Es war der wahrscheinlich vergnüglichste, aber auch gefährlichste Teil der Dreharbeiten zum Bielefeld-Imagefilm. Dr. Thomas Walden, Fabio Magnifico und die Crew vom medienpädagogischen Labor der Uni hatten die Bielefelder aufgerufen, sich für zwei Massenszenen ihres Abenteuerfilms über die Bielefeld-Verschwörung vor dem Rathaus zu versammeln. Trotz dunkler Wolken kamen etwa 500 Menschen. "Ich bin begeistert", sagt Walden. "Wir waren nach dem Regen morgens total pessimistisch. Bei 50 Leuten hätten wir tricksen müssen."
Doch als gegen 14 Uhr Stolander-Wirt Karl Richter das Mikro in die Hand nimmt, um als Oberbürgermeister die Helden der Abenteuer-Story zu ehren (die spätere Schlussszene), da wirkt alles echt: Der Platz vor dem Rathaus ist rappelvoll, sogar die Straße am Niederwall muss gesperrt werden und der Jubel der Statisten ist euphorisch.
Immer wieder, aus den verschiedensten Blickwinkeln, wird diese Szene gedreht. Der schauspielerisch unerfahrene Wirt am Mikrofon wird von Take zu Take sicherer, lauter, überzeugender: "Bielefeld ist Opfer einer großen Verschwörung geworden", ruft er, als würde er das seit Jahren machen. "Diese jungen Leute neben mir haben Bielefeld nicht nur vor einer großen Gefahr befreit. Sie haben auch gezeigt, dass Bielefeld mehr ist, als ein Ort, an dem wir zufällig wohnen." Die Statisten jubeln, auch beim sechsten Mal.
Anschließend der Wechsel in die Bahnhofstraße: Geduldig warten die Hobby-Schauspieler auf die nächsten Anweisungen des Filmteams. Dann endlich das Zeichen für die Panik. Über dem H&M-Gebäude droht eine Weltuntergangsgefahr. Die Statisten brüllen, laufen, schubsen. Eine junge Frau verletzt sich sogar am Ellenbogen. Authentischer geht es kaum.