Grüne werben für Innenstadtbus, beleuchtete Laufstrecke am Obersee und Sozialticket
Bielefeld. Marianne Weiß ist auf ihrer Tour bereits 500 Kilometer mit dem Elektrofahrrad unterwegs. Die Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen wirbt dafür, dass Fahrrad, Bus und Stadtbahn für die Bürger zum "alltäglichen" Verkehrsmittel werden. Mit der Kampagne "Zeit für Veränderung, Zeit für Grün", die Partei- und Fraktionsspitze gestern vorstellten, will die Partei bei der Kommunalwahl punkten.
15,5 Prozent erzielten die Grünen bei der Wahl 2004, bei der Europawahl waren es im Juni sogar 18,9 Prozent, nur noch sieben Punkte weniger als die SPD. Deshalb sieht Weiß es auch als verfrüht an, bei der OB-Wahl nur von einem Zweikampf zwischen Bernd Landgraf (CDU) und Pit Clausen (SPD) zu sprechen.
"Wir haben uns sehr viel vorgenommen", stimmt Weiß ihre Partei auf die letzten vier Wochen vor der Wahl ein. Mit 20 größeren Veranstaltungen und Aktionen wollen die Grünen auf ihre Themen aufmerksam machen. Die Schwerpunkte setzt das Programm auf Klimaschutz, Lebensqualität, Stadtentwicklung, Wirtschaft und Beschäftigung, soziale Gerechtigkeit, Bildung und Bürgerbeteiligung.
Erneut gescheitert ist der Versuch, sich mit den anderen Parteien auf einen papierarmen Wahlkampf zu einigen, bedauerte Weiß. Auch der Kompromissvorschlag, auf Großplakate und Hauswurfsendungen zu verzichten, habe nicht gefruchtet. Deshalb werden auch die Grünen ab Samstag 730 Plakate aufhängen, zehn Großwände aufstellen, Flyer und 7.000 Zeitungen verteilen. "Aber deutlich weniger als beim letzten Mal", betonte Wahlkampfmanager Matthias Bolte. Die Zeitungen werden aber nicht in Briefkästen gesteckt. Weiß: "Wir wollen keine Zwangsbeglückung." Eine wichtige Rolle wird dafür der Internet-Auftritt spielen, bei dem die Spitzenkandidaten eigene Seiten haben und pflegen.
Zum Auftakt am Samstag, 1. August, unterstreichen die Grünen am Obersee mit einem Zwölf-Stationen-Parcours ihre Forderung nach Unternaturschutzstellung der Johannisbachaue. Eine Woche später wollen sie mit 50 Fackeln eine Laufstrecke um den Obersee beleuchten. Eine solche Strecke würden Jogger und Walker, vor allem Frauen in Bielefeld vermissen, sehen Klaus Rees und Inge Schulze als Anlass für die Wahl-Idee.
Weitere neue Vorschläge sind eine Kleinbus-Ringlinie durch die Innenstadt nach Vorbild Aachens, die Altstadt, Bahnhof und Kesselbrink miteinander verbindet, eine innerstädtische Energieplussiedlung, eine Pflanzaktion von 800 Bäumen zum 800-jährigen Stadtjubiläum 2014 und eine Stadtteilschule Jöllenbeck für Sekundarstufe I. Auch Sozialticket, Bürgerhaushalt und der Erhalt des Freibads Gadderbaum stehen im Programm.
Die Ratsfraktonsvorsitzende Inge Schulze betonte, dass es für die Grünen "nicht nur um Gesichter, sondern vor allem um Inhalte im Wahlkampf geht: Mit konkreten Projekten, die keine Wolkenkuckucksheime sind."
Akzente setzen wollen die 30 aktiven jungen Grünen: Mit einer Regenwassertonnen-Aktion "Uns steht das Wasser bis zum Hals", kleinen "krümmelfreien" AKW-Keksen ("Atomausstieg durch Aufessen") und der Aktion "Carrot Mob" (angelehnt an "Flash Mob"), bei der viele Leute gleichzeitig zum Einkaufen in einen Bioladen gehen. Weiß: "Statt Boykott wollen wir lieber Kundenbewegung positiv verstärken."
Als Höhepunkt ist eine Veranstaltung mit dem Bundesparteivorsitzenden Cem Özdemir am 26. August auf dem Jahnplatz geplant, vier Tage vor der Wahl.