Bielefeld. Während Polizei und Staatsanwaltschaft weiterhin die Vorwürfe gegen einen Hochschulprofessor (54) prüfen, der wegen mehrfacher sexueller Nötigung von seiner 27-jährigen Doktorandin angezeigt worden ist, tobt an seiner Fakultät offensichtlich ein Kleinkrieg. Jetzt erhielten Vorwürfe neue Nahrung, nachdem die 27-Jährige nach ihrer Strafanzeige gezielt aus dem Lehrbetrieb gedrängt werden sollte.
Wie berichtet, hatten Studenten mit einer Unterschriftenliste gegen den nachträglichen Beschluss der Fachversammlung protestiert, dass die 27-Jährige als Dozentin ein Seminar mit rund 220 Zuhörern, das sie bereits zwei Semester lang gehalten hatte, nicht mehr in Frage komme. Von "Mobbing" und "Kaltstellen" war die Rede.
Tatsächlich hatte die Fachversammlung just nach Bekanntwerden der Strafanzeige beschlossen, dass die 27-Jährige als Wissenschaftlerin ohne Doktortitel künftig keine Seminare mit Vorlesungscharakter mehr halten dürfe. Grundlage für diese Entscheidung seien damals 30 Beschwerden gewesen, die bei der Studierendenvertretung (Fachschaft) eingegangen sein sollen - allerdings mündlich. Das hatte der zuständige Dekan Kai Kauffmann bereits auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt.
Vorwurf: Zu leise gesprochen
Die Gründe für die Beschwerden seien vielfältig gewesen: So habe man die 27-Jährige in dem vollen Hörsaal oft nicht verstanden, weil sie zu leise gesprochen habe. Außerdem soll sie sich während der Referate der Studenten mit Tutorinnen unterhalten haben und auf Nachfragen keine kompetente Antworten gefunden haben.
Nach Bekanntwerden dieser Vorwürfe erreichten die Redaktion Hinweise aus dem Kreis der Teilnehmer, wonach die Beschwerden nun konstruiert wirken: Denn die 27-Jährige habe - wie bei Hörsaal-Seminaren üblich - ihre Stimme per Mikrophon verstärkt. Referate seien dort nie gehalten worden und offen gebliebene Fragen hätten jederzeit per Email an die 27-Jährige gerichtet und somit auch beantwortet werden können.
Außerdem inkonsequent: Eine andere Lehrbeauftragte ohne Doktortitel werde trotz der neuen Verordnung im kommenden Semester ein Einführungsseminar halten. Mehr als 100 Seminarteilnehmer sind dort bereits registriert.