Sigrid B. kam auf die Intensivstation – und starb
Bielefeld. Sigrid B. wurde nur 58 Jahre alt. Sie starb am vergangenen Freitag auf der Intensivstation des Klinikums Mitte in Bielefeld. Am 1. Juli war sie aus dem Karl-Pawlowski-Haus vom Rettungsdienst eingeliefert worden. Sie war ausgetrocknet, ihre Haut dünn wie Papier und die Atemwege stark verschleimt. Außerdem hatte sie Geschwüre, Druckstellen und schwere Entzündungen. Sie lag 80 Tage auf der Intensivstation und wurde beatmet. Professor Peter Lauven, Chefarzt der Klinik für Intensivmedizin, erhebt schwere Vorwürfe: "Das waren die Folgen von schweren Pflegemängeln."
Das sieht das Evangelische Johanneswerk, Träger des Karl-Pawlowski-Hauses, anders. In einer Stellungnahme erklärte Vorstandsmitglied Bodo de Vries gestern, die Frau sei im Anschluss an einen Aufenthalt im Evangelischen Krankenhaus zu einem Kurzpflegeaufenthalt vom 29. Mai bis zum 25. Juni ins Karl-Pawlowski-Haus verlegt worden. Frau B. habe sich als "sehr kompliziert" erwiesen. Die Angehörigen wollten trotzdem einen dauerhaften Vertrag.
Wörtlich: "Sie verweigerte die Nahrung, die Aufnahme von Flüssigkeit und lehnte die Einnahme fast aller vom Arzt verordneten Medikamente ab." Pflegemaßnahmen, wie die Veränderung der Liegeposition, habe sie abgewehrt. Der behandelnde Hausarzt wurde vom Pflegepersonal mehrfach und sehr regelmäßig gerufen. Die Frau habe auch die verordneten Infusionen abgelehnt. Auf Initiative des Karl-Pawlowski-Hauses sei die Frau am 1. Juli als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert worden. Lauven: "Man hätte das nicht so lange laufen lassen dürfen. Das ist der Skandal."
"Sie wollte nicht sterben"
Am 13. Juli beschweren sich Sohn Mike und Ehemann Joseph B. beim Sozialamt über die Zustände in dem Heim. Günther Ohlendorf, beim Sozialamt zuständig für Senioren und Menschen mit Behinderungen: "Wir haben am 14. Juli sofort in dem Heim nachgeschaut. Aber da war die Frau schon weg." Die Pflegedokumentation sei in Ordnung gewesen."
Sigrid B. litt seit Jahren an Rheuma und konnte wegen der Schmerzen nicht mehr laufen. Die starke Raucherin arbeitet zum Schluss bei Beschäftigungsprojekten. Nach Auffassung von Chefarzt Lauven hatte sie zum Schluss keinen Lebenswillen mehr. Dazu Sohn Mike: "Sie war in einem starken Schockzustand. Sie hat mich nicht erkannt. Aber sie wollte nicht sterben. Das ist Schwachsinn." Der Tod der Mutter habe ihn und seinen Vater "sehr getroffen".
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