Bielefeld. Der Bielefelder Obersee als Badesee ist denkbar – schon in zwei Jahren. Das sagt Biologe und Obersee-Kenner Dr. Hartmut Späh (die NW berichtete). Grund: Die belasteten Bäche fließen nun um den See herum, zudem sollen eingesetzte Muscheln und Krebse das Wasser intensiv reinigen. Der Bestand an Wasservögeln müsste aber reduziert werden. Die Reaktionen auf die Vision: alles – vom rigiden Nein bis zum optimistischen Ja.
Massiv widerspricht Georg Fortmeier (SPD) dem Biologen: "Das ist völliger Quatsch, da kann man nicht drin baden, wahrscheinlich nicht einmal in 20 Jahren." Fortmeier ist Vorsitzender des Umweltausschusses. Solange in Werther über die Kläranlage der Schwarzbach belastet werde, dieser in den Johannisbach fließe und dieser teilweise in den Obersee einströme, sei der Badesee Utopie – "übrigens auch wegen der Landwirtschaft." Fortmeier: "Sandstrand, okay, mit dem Boot mal rauspaddeln, auch okay – aber mehr geht nicht."
Soll der Bielefelder Obersee Badesee werden?
Das mit dem einströmenden Schmuddelwasser unterschreibt ein Experte der Stadt so nicht, die Menge sei offen, hänge von Hochwässern ab. "Mal abwarten, es kann auch sehr wenig sein."
Fortmeiers Stellvertreter Hartmut Meichsner (CDU) ist offener: "Bielefeld braucht sowas, gerne am Obersee, noch lieber am Untersee." Abwartend zeigt sich auch Ralf Nettelstroth (CDU, ebenfalls Mitglied im Umweltausschuss). Er hält die Idee nicht für utopisch, will aber abwarten, "wie sich die Wasserqualität entwickelt". Erst, wenn sie in der Nähe der Normen wäre, "müssten wir das ernsthaft diskutieren". Für ihn spielt dabei auch der seit Jahrzehnten mal mehr mal weniger realistische Untersee eine Rolle: "Eigentlich sollte ja der Obersee der naturnahe See sein und der Untersee der Freizeitsee." Einen Obersee mit möglichem Sandstrand am Südufer – an den Spielplätzen, im Bereich des Mittelsteges oder beim Viadukt – lehnt er aber nicht rundherum ab. "Das wäre ein neues Konzept."
Abwarten im Rathaus
In der Stadtverwaltung reagieren Angesprochene zurückhaltend, einerseits wird dem Biologen Späh eine hohe Kompetenz zugestanden, andererseits eher abwartend reagiert. "Lassen wir erst einmal ein, zwei Jahre vergehen", so eine Aussage, möglich aber sei die Badesee-Vision.
Der angehende Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD), will erstmal die Wasserqualität abwarten, ist aber aufgeschlossen für die Idee (NW morgen: Clausen im Interview zum Obersee).
Nur ein Versuch macht klug, findet Marianne Weiß, Ex-Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen. Sie sieht gute Chancen, "dass die Brühe von früher bald badetauglich ist". Viel spräche für die Vision: Neben der Sehnsucht der Bielefelder nach einem Naturbadegewässer auch, "dass es für Schwimmer einmal keine Öffnungszeiten gibt". Sie sieht aber die Problembereiche "Parkplätze und Anwohner": "Mit etwas gutem Willen müsste das aber zu lösen sein." Leider sei die Stadtbahnhaltestelle etwas weit weg.
Erstmal Bötchen fahren
Seekrug-Chef Christian Schulz sieht zwei Seiten der Medaille: "So, wie man sich das vorstellt, wäre das eine ganz tolle Geschichte für Bielefeld – es muss aber allen klar sein, dass da dann auch nachts gebadet wird." Er persönlich werde erst einmal einen Vorstoß "in Richtung Bötchen fahren machen".
Aufgeschlossen ist Monika Kammeier (CDU), Vorsitzende des Vereins "Pro Untersee": "Hier baden zu können, wäre für die Menschen zu begrüßen." Daran, dass die Wasserqualität passen wird, hat sie wenig Zweifel: "Die EU hat ja für die Fließgewässer klare Vorgaben gemacht, die werden jetzt umgesetzt, dazu die Umbauarbeiten am Obersee und die Muscheln und Krebse – das wird sauber werden." Naturgemäß bevorzugt sie einen Untersee als Badesee, ist aber auch einer Bademöglichkeit am Obersee nicht abgeneigt. Als Probleme sieht sie: "Fehlende Parkplätze und Sanitäranlagen sowie die Verkehrssicherungspflicht". Dennoch: "Der Nordosten ist wasserfreie Zone in Bielefeld, das Baden in naturnahen Gewässern ist sehr beliebt – das spricht beides für die Idee."