Bielefeld. Das Bielefelder Sparrenburgfest ist für viele Familien ein großes Ereignis im Jahr. Seit dem vergangenen Fest im Juli ist das für einen vierfachen Vater aus Bielefeld anders: Ein Schausteller (27) soll die elfjährige Tochter des Vaters und deren Freundin (12) in seinen Wagen gelockt und ihnen dort mehr als anzügliche Angebote gemacht haben. Zu seinem Entsetzen hat die Staatsanwaltschaft seine Anzeige wegen "sexuellen Missbrauchs" jetzt eingestellt.
Die beiden Mädchen hatten sich nach Angaben des Vaters überreden lassen, dem 27-Jährigen zu seinem Wohnwagen zu folgen. Dort angekommen forderte er sie auf, sich mittelalterliche Kleidchen anzuziehen. Als die Kinder halbnackt waren, soll er sie am Nacken massiert haben. Dabei soll er angeboten haben, noch deutlich weiter zu gehen. "Den Mädchen ist das unangenehm geworden, sie haben die Tür aufgestoßen und sind weggelaufen." Zuvor soll der Schausteller die Mädchen noch zum Übernachten in seinem Wagen im nächsten Jahr eingeladen haben. "Da wollte er dann Strip-Poker mit ihnen spielen", so der Vater.
Endgültig fassungslos war der 39-Jährige aber, als er aus der Ermittlungsakte erfuhr, dass der Beschuldigte bereits zweimal wegen vergleichbarer Vergehen angezeigt worden war. Wie in dem aktuellen Fall seien aber auch diese Verfahren eingestellt worden – aus mangelndem Tatverdacht. Oberstaatsanwalt Reinhard Baumgart erklärt: "Für eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs müssen die Handlungen von einiger Erheblichkeit und sexuell motiviert sein." Letzteres soll nicht beweisbar gewesen sein. Der Rechtsanwalt des Vaters, Sascha Driftmann, nennt diese Entscheidung grenzwertig. Für den Vater sei sie "eine Einladung an den Täter, immer so weiterzumachen".
Veranstalter sucht Gespräch mit Beschuldigtem
Annette Klinkert vom Veranstalter Bielefeld Marketing informierte nach Bekanntwerden der Vorwürfe am Dienstag sofort Mathias Kleine von der zuständigen Agentur "Kramer, Zunft und Kurtzweyl". "Wir waren uns einig, dass wir diese Sache sehr ernst nehmen müssen", so Klinkert. Zunächst solle es aber ein Gespräch mit dem Beschuldigten geben. "Sollte sich bewahrheiten, dass bereits zwei ähnliche Anzeigen gegen ihn vorlagen, hat er auf einem Familienfest wie auf der Sparrenburg nichts zu suchen. Wir wollen nicht warten, bis etwas Schlimmeres passiert", so Klinkert.