Bielefeld. "Eine Schule brennt": Für den Leiter der Feuerwehr ist diese Alarmmeldung Adrenalinstoß und logistische Herausforderung in einem. Konzentriert und zeitsparend muss er jetzt Fahrzeuge und Einsatzkräfte von mindestens fünf Feuerwachen gleichzeitig in Bewegung setzen. Es geht um Effektivität – und um Menschenleben. Wer sich den Jugendtraum als Feuerwehrmann nicht erfüllt hat, kann das jetzt nachholen, im Internet auf feuerwache.net.
Das Internetspiel ist ein echtes Erfolgsprodukt: 53.000 virtuelle Feuerwehrchefs aus ganz Deutschland spielen inzwischen die Simulation des Bielefelders Sebastian Heinisch. Erst vor einem Jahr hatte sich der 24-Jährige daran gesetzt, seinen Beruf (Software-Entwickler) und seine Passion (Oberfeuerwehrmann bei der Löschabteilung Senne) zu einem privaten Vergnügen fürs Internet zu vermengen. Doch im privatem Rahmen blieb Heinischs Projekt eigentlich nie: "Schon nach zwei Wochen musste ich einen zweiten Server aufstellen. Etwa 200 Spieler sorgten dafür, dass mein Server in die Knie zu gehen drohte." Und das obwohl das sogenannte Browsergame feuerwache.net ausschließlich per Mundpropaganda bekannter wurde.
Wenn sich heutzutage bei einem Feuerwehr-Lehrgang herausstellt, dass neben den Teilnehmern der Sebastian Heinisch sitzt – zuletzt passiert in Frankfurt –, dann gibt es nur noch ein Thema. "Ich habe erwartet, dass mein Spiel gespielt wird. Aber mit so einem Erfolg habe ich nicht gerechnet", sagt Heinisch, der inzwischen sogar kleine Maskottchen (siehe auf dem Laptop, Foto oben) und sein eigenes Fahrzeug mit dem Schriftzug seines Games versehen hat.
Doch den Erfolg mache nicht nur das Spiel allein aus: "Es gibt auf der Seite auch Foren, in denen sich die Spieler austauschen. Da ist richtig viel los", erklärt Heinisch. Und zwar nicht nur bei den Diskussionen um das Spiel und seine Regeln, sondern auch zu ganz allgemeinen Themen. "Die meckern über neue Dienstvorschriften bei der Feuerwehr und kommentieren die Ergebnisse der Fußball-Bundesliga." Eine Millionen Klicks pro Tag generieren die Nutzer der Seite, acht Hochleistungsrechner als Server gewähren, dass es an der spannendsten Stelle plötzlich nicht hakt.
www.feuerwache.net
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Natürlich seien viele Spieler auch im wahren Leben Feuerwehrleute. Sogar auf Amtsleiterebene in Bielefeld soll es Fans des Manager-Spiels geben. "Es sind aber auch viele Jugendliche, die mit dem Spiel ihre Begeisterung für die Feuerwehr entdecken", sagt Heinisch. "Einige von denen sind inzwischen sogar in die Jugendfeuerwehr eingetreten", sagt er stolz. Nicht nur deshalb hat der Chef der virtuellen Feuerwache viel Lob und Anregungen aus den eigenen Reihen bekommen.
Ständig erweitere und verbessere er die Funktionen, nehme Anregungen von anderen Spielern auf. "Die Nutzer können das Spiel durch eigene Ideen mitgestalten." Als nächstes könnten neue optische Elemente das textlastige Spiel aufpeppen.
Obwohl das Spiel für jedermann kostenlos ist, generiert es für den Senner durch Werbung auf der Homepage einen netten Nebenverdienst. Immerhin 20 Stunden pro Woche investiert er in Pflege und Aufbau des Spiels. "Aber davon leben kann ich noch nicht", sagt er und zwinkert. "Sonst hätte ich meinen Job längst aufgegeben."
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