Starenkasten auf dem Ostwestfalendamm soll Lärm reduzieren / Amt für Verkehr prüft Tempo 60 oder 80 auf ganzer Strecke
Bielefeld. Die Anwohner des Haller Weges erhoffen sich ab Donnerstag den Beginn einer wunderbaren Nachtruhe. Die Autofahrer auf dem Ostwestfalendamm (OWD), die Richtung Tunnel unterwegs sind, müssen sich künftig allerdings auf ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit gefasst machen. Umweltdezernentin Anja Ritschel stellte gestern Bielefelds neuesten Blitzer vor. Ab Donnerstag soll er den OWD verkehrsberuhigen.
Erst ein neuer Blitzer und bald ein neues Tempolimit? Der Lärm auf dem Bielefelder Ostwestfalendamm soll reduziert werden. Welche Geschwindigkeitsbegrenzung ist dafür akzeptabel?
Seit 1996 – dem Einführungsjahr für die Tempo-80-Beschränkung in der Nacht (22 bis 6 Uhr) – fordern die lärmgeplagten Anlieger der Stadtautobahn regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen. Doch bisher fanden weder die Stadt noch die Polizei eine geeignete, sichere Stelle für mobile Messungen. Mit dem Beschluss der Bezirksvertretung Gadderbaum im März 2009 kam das Projekt – aus Sicht der Anwohner – "endlich" wieder ins Rollen. Am Donnerstag wird das Eichamt Dortmund die neue "stationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage" am Haller Weg abnehmen. Danach kann es sofort losblitzen.
Bielefelds Umweltdezernentin Anja Ritschel betonte gestern im Rathaus, dass der OWD eine der größten Lärmquellen der Stadt sei (60.000 bis 78.000 Fahrzeuge pro Tag). Eine erste Lösung, die Geräuschkulisse am OWD dauerhafte zu reduzieren, soll nun die moderne Blitzanlage der Firma Robot Visual Systems sein – etwa 200 Meter vor der Fußgängerbrücke am Haller Weg, in Fahrtrichtung Tunnel.
Der neue Blitzer ist laut Christiane Krumbholz von der Straßenverkehrsbehörde identisch mit der inzwischen berühmt gewordenen Anlage an der Autobahn 2 ("gleiches Modell, gleiche Messtechnik"), nur dass er neben drei Frontkameras noch eine zusätzliche Heckkamera für die schnellen Motorräder habe. "Mit dieser Kamera halten wir nun auch die Kennzeichen auf der Rückseite der Fahrzeuge fest." Gerade Motorradfahrer sorgten auf dem Streckenabschnitt für enorme Belastungen, wenn sie die Maschinen aufdrehten, betonte Ritschel.
Achtung für Autofahrer ohne Zeitgefühl! Die Anlage schaltet die Messlatte um Punkt 22 Uhr automatisch auf Tempo 80 runter – bis 6 Uhr morgens. Vorher nicht genau auf die Uhr gesehen zu haben, wird als Ausrede dann keine Gültigkeit mehr haben.
Reinhard Thiel, Leiter des Amtes für Verkehr in Bielefeld, bestätigte zudem, dass aktuell weitere Tempo-Reduzierungen geprüft werden. Entsprechende Anträge der Bezirksvertretungen Gadderbaum und Brackwede liegen vor. Je nachdem wie die laufenden Berechnungen der Lärmbelastung ausfielen, so Krumbholz, stünden drei Optionen zur Diskussion:
1. Tempo 80 tags / 60 nachts.
2. 80 km/h tags und nachts.
3. Durchgehend Tempo 60.
Ritschel betonte, dass man bei dieser Entscheidung nur auf belastbare Zahlen zurückgreifen wolle. Ende 2009 hoffe man, alle notwendigen Zahlen vorliegen zu haben und die Prüfung abschließen zu können.
Hingegen sicher scheint: Auf der gegenüberliegenden Seite wird 2010 noch eine weiterer Blitzer installiert. "Vorausgesetzt, uns werden die entsprechenden Haushaltsmittel bewilligt", schränkt Krumbholz ein. Der neue Blitzer am OWD kostete 220.640 Euro. Ordnungsamtsleiter Roland Staude schätzt, dass im Gegensatz zum Autobahn-Blitzer hier 90 Prozent der Übertretungen im Verwarnbereich (5 bis 35 Euro Strafe) liegen werden. Das führt zu einer Foto-Prognose von 5.000 Stück pro Jahr und entsprechend hochgerechnet 98.000 Euro Einnahmen. Am Donnerstag werden wohl die ersten Münzen fällig.