Bielefeld. Eine Vollversammlung der Studenten, in der Forderungen zur Verbesserung der Studiensituation formuliert werden sollten, endete Mittwochmittag in einer Besetzung des Audimaxes. Die Veranstaltung sollte um 14.15 Uhr enden. Die Diskussion hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits so erhitzt, dass die Studenten beschlossen, den größten Vorlesungssaal der Universität zu besetzen. Seitdem weigern sich rund 200 Besetzer, den Vorlesungsraum zu verlassen.
Die Versammlung war einberufen worden, um gegen Missstände im Hochschulsystem zu protestieren und sich mit anderen Universitäten zu solidarisieren. Seit zwei Wochen protestieren Studenten in Österreich gegen die dortigen Gebühren.Außerdem wenden sich die Studenten gegen die schlechte Umsetzung des Bachelor/Master-Systems. In den letzten zwei Tagen wurden auch in Greifswald, Duisburg, Essen, Mönchengladbach, Dresden, Mainz, Landau, Berlin und Coburg Universitätsräume besetzt.
Auf die Aktion der Bielefelder Studenten reagierte die Uni, indem sie Strom, Heizung und Internet abstellen ließ. Auch die Aufforderung von Rektor Gerhard Sagerer, die Besetzung zu beenden, veränderte die Haltung der Studierenden nicht. Mit Schlafsäcken, Decken und Schnellkochtöpfen richteten diese sich auf eine lange Nacht ein. "Wer für sein Recht auf Bildung nicht kämpft, dem wird es verwehrt", sagt ein 25-Jähriger Mathematikstudent.
Das Rektorat erklärte, man nehme die Anliegen der Studenten sehr ernst, werde diese jedoch mit den gewählten Vertretern des allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) diskutieren. Diese distanzieren sich von der Protestaktion: "Wir zeigen uns solidarisch mit den Besetzern, halten dies aber für den falschen Weg", sagt Christian Müller, Kulturreferent des Astas.
Die protestierenden Studenten wollen ein Zeichen setzen, und erreichen, dass sie mit ihren Bedürfnissen und Forderungen ernst genommen werden. Dazu gehören die Abschaffung der Studiengebühren, beziehungsweise ihre bessere Verteilung, kostenlose Materialien und Arbeitsplätze und mehr Mitspracherecht: "Wer außer uns ist kompetent, zu sagen, was geändert werden muss", sagt eine 21-jährige Studentin. "Ein Arzt fragt ja auch den Patienten, wo er Schmerzen hat."