1.000 Studenten demonstrieren / Starke Polizeikräfte im Einsatz / Zwei Festnahmen
Bielefeld. 1.000 Schüler und Studenten protestierten gestern Nachmittag in der Innenstadt gegen Fehler im Bildungssystem und Studiengebühren. Die Demonstration anlässlich des bundesweiten Bildungsstreikes endete friedlich. Doch an der Universität eskalierte der Protest anschließend: Mehr als 200 Studenten protestierten im Anschluss an diese Demo in der Halle der Bielefelder Universität vor dem Audimax, in dem zeitgleich der Festakt zum 40-Jährigen Bestehen der Hochschule gefeiert und abends abgebrochen wurde.
Die Demonstration, vom "Bündnis Bildungsstreik" im Rahmen des bundesweiten Aktionstages angemeldet, startete und endete auf dem Rathausplatz. 800 Teilnehmer waren erwartet, im Laufe des Protestmarsches wuchs die Anzahl auf 1.000 Demonstranten. Mit Plakaten und Parolen zogen die Demonstranten vom Rathaus über den Niederwall, die Kreuzstraße und den Oberntorwall um die Altstadt. Das Großaufgebot der Polizei sicherte die Demonstration, unter anderem mit sechs berittenen Polizisten.
Während der Demonstration sprachen Vertreter des Bildungsstreik-Bündnisses, des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Universität, der AG Bildung des Helmholtz-Gymnasiums und der Bezirks-Schülervertretung zu den Demonstranten. Sie forderten unter Anderem mehr Mitbestimmung der Schüler und Studenten, die Abschaffung der Studiengebühren, der Kopfnoten und des Abiturs nach zwölf Schuljahren. "Wir brauchen eine Demokratisierung des Bildungssystems, damit unsere Wünsche endlich wahrgenommen werden", sagt die 16-jährige Charlotte Straetmanns, Schülerin am Helmholtz-Gymnasium.
Zwei Sitzblockaden der Studenten – am Landgericht und am Adenauer-Platz – lösten sich schnell wieder auf. Als der Zug an der Ecke Ritter-/Goldstraße wieder Richtung Rathaus geleitet werden sollte, weigerten sich die zunehmend aufgeheizten Protestler zunächst, weiter zu gehen, fügten sich dann aber doch der Polizei. Es gab lediglich eine Festnahme wegen Verstoßes gegen das Vermummungsgesetz.
Einige der Demonstranten schlossen sich anschließend Studenten der Uni an, die auch letzte Woche zwei Tage lang das Audimax besetzt hielten. Diese versuchten gegen 18.30 Uhr den größten Hörsaal der Hochschule zu stürmen, in dem eine halbe Stunde zuvor der Festakt zur 40-Jahr-Feier und die Einführung des neuen Rektors Gerhard Sagerer begonnen hatte. Bei dem Versuch einiger Studenten, in den Saal einzudringen, wurde ein Sicherheitsmann zu Boden gerissen. Die 600 Gäste der Feier blieben im Hörsaal, dessen Türen von innen verriegelt wurden. Draußen forderten die Demonstranten, den Rektor zu sehen und legten einen "Gutschein für ein konstruktives Gespräch" vor die Tür. Die Polizei nahm einen Demonstranten nach einer Auseinandersetzung mit einem Beamten fest.
Der Sektempfang nach der Feier wurde um 20.45 Uhr abgesagt. Rektor Sagerer sprach anschließend zu den Studenten und verwies auf das Gespräch mit den Vertretern des Astas und der Hochschulleitung am Freitag um zwölf Uhr, bei dem Änderungen in der Studienordnung diskutiert werden sollen. Die Demonstranten fordern, selbst mit der Hochschulleitung reden zu dürfen. "Wir erwarten, dass man uns ernst nimmt und uns zuhört, dafür sind wir hier", sagt eine der Protestlerinnen.