Bielefeld. Mehr als einhundert Fußball-Rowdys haben am Samstagmorgen die Polizei in Bielefeld in Atem gehalten und für eine zeitweise Sperrung der Gleise am Bielefelder Hauptbahnhof gesorgt. Dabei wurden laut Polizei Signalfeuer und Kanonenschläge gezündet, Flaschen, Dosen und Stühle in Richtung von Polizisten geworfen und Scheiben demoliert.
Nach der Randale im Bahnhof wurden nach Polizeiangaben etwa 150 so genannte Fußballfans in Gewahrsam genommen. Sie gehören zur "Nordallianz" - einer Gruppe von Anhängern der Klubs Hannover 96 und Hamburger SV, die bereits die Nacht in Bielefeld durchgefeiert hatte, da sie die Zeit zwischen der Ankunft ihres Zuges in Bielefeld um 1.40 Uhr und der Weiterfahrt um 5.59 Uhr überbrücken musste. Die Gruppe war auf der Durchreise zum Bundesliga-Spiel des HSV in Mainz.
Auffällig wurden einige von ihnen zunächst am frühen Morgen als es zu Sachbeschädigungen an einem Schnellrestaurant, einer Bäckereifiliale und einer Service-Theke der Bahn kam. Nach Polizeiangaben wurden sogar Feuerwerkskörper gezündet. Ein Verdächtiger wurde daraufhin festgenommen.
Polizei-Verstärkung aus Minden, Münster und Hamm
Als die Bundespolizei vor Ort einschritt, wurden die Beamten von den teils alkoholisierten Randalierern massiv attackiert. Die Polizei nahm die Rowdys schließlich in Gewahrsam, als sie auch im Zug in Richtung Mainz weiter randalierten. Verstärkungskräfte aus Hamm, Münster und Minden unterstützten die Bielefelder Beamten. Mit Bussen der Bielefelder Verkehrsbetriebe wurden die Gewalttäter schließlich zum Bielefelder Polizeipräsidium gebracht. Bereits am Freitag hatten Mitglieder der Gruppe einen Kiosk am Bahnhof von Celle geplündert.
"Wir dürfen nicht dulden, dass vermeintliche Fußballfans Polizisten mit Flaschen bewerfen, Kanonenschläge im Bahnhof zünden oder Kioske plündern. Unsere Strategie ist es, randalierende und gewalttätige Fußballrowdys erst gar nicht bis zum Stadion kommen zu lassen. Dank der Unterstützung der Landespolizei und der Justiz ist dies in diesem Fall hervorragend gelungen", sagte Matthias Seeger, Präsident im Bundespolizepräsidium Potsdam, am Samstagnachmittag.
Die Gleise am Bielefelder Hauptbahnhof waren rund 30 Minuten gesperrt, Züge verspäteten sich bis zu 70 MInuten, einige fielen komplett aus. Ab etwa 8.30 Uhr normalisierte sich der Bahnverkehr wieder.
Von allen Fans wurden die Personalien festgestellt und ein Ermittlungsverfahren durch die Bundespolizei eingeleitet. Die Rückfahrt der Fans nach Hamburg war noch für Samstag geplant.
Ausschreitungen auch in Bochum, Berlin und Gelsenkirchen
Bielefeld war am Wochenende nicht der einzige Schauplatz von Krawallen so genannter Fußballfans. Im Umfeld von Bundesliga-Spielen und sogar bei einem A-Junioren-Spiel flogen die Fäuste.
Am Rande der trostlosen Nullnummer zwischen dem VfL Bochum und dem 1. FC Köln kam es am Freitagabend zu Ausschreitungen von Kölner Fans. Sie randalierten in der Innenstadt und am Stadion. Es gab insgesamt 19 Festnahmen und neun Verletzte, darunter zwei Ordner und ein Polizeibeamter.
Beim Spiel zwischen dem abgeschlagenen Schlusslicht Hertha BSC und Eintracht Frankfurt (1:3) prügelten sich Anhänger beider Clubs. Es gab 66 Festnahmen. Rund 50 so genannte Problem-Fans aus Frankfurt griffen vor dem Anpfiff Hertha-Anhänger an. Nach Polizeiangaben warfen sie vor dem Olympiastadion mit Flaschen und traktierten ihre Gegner mit Schlägen und Tritten. Weitere Eintracht-Anhänger lieferten sich am Eingang zum Gästeblock eine Schlägerei mit den Ordnern. Bei diesem Vorfall wurden zwei Frankfurter in Gewahrsam genommen.
In Gelsenkirchen wurde am Sonntag das Derby in der A-Junioren- Bundesliga zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund nach 25 Minuten wegen Zuschauer-Ausschreitungen abgebrochen. Als etwa 50 Fans des BVB den Sportplatz betraten, wurden sie von rund 100 gewaltbereiten Schalke-Anhängern tätlich angegriffen. Die Polizei trennte die rivalisierenden Gruppen. Etwa 20 Schalker Fans wurden in Gewahrsam genommen. (dpa)