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03.12.2009
BIELEFELD
Besetzer sollen Bielefelder Audimax bis Montag räumen
Vorlesung ausgefallen

Erneut | FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld (lnw). Die Leitung der Universität Bielefeld hat die Besetzer aufgefordert, das Audimax bis spätestens Montag zu räumen. Die rund 30 Besetzer wollen darüber am Sonntagabend entscheiden. Der größte Hörsaal war am Vortag zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen besetzt worden. Mitte November war nach drei Tagen die Polizei angerückt.

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Das Rektorat setze weiterhin auf den begonnenen Dialog mit den Studierenden, hieß es. Hierbei sollen insbesondere die Aspekte im Vordergrund stehen, die im Einflussbereich der Universität stehen, wie etwa Studienstruktur und Studienbedingungen. Die Besetzer beurteilten die Arbeit in den Gesprächsgruppen als konstruktiv. Eine Vorlesung der Betriebswirtschaftslehre fiel am Freitag aus, eine Absolventenfeier der Lehramtsstudenten wurde in die Mensa verlegt.

Allerdings sei ein ausgeweitetes Mitspracherecht der Studierenden nicht absehbar, sagte eine Sprecherin. "Wir fühlen uns nicht ernst genommen." In Paderborn kampieren seit drei Wochen rund 15 bis 20 Studenten auf der Empore des Audimax-Foyers. Bisher sei aber alles friedlich verlaufen, sagte ein Universitätssprecher. Es sei noch keine einzige Lehrveranstaltung ausgefallen.

Studenten in Deutschland demonstrieren seit Wochen für Änderungen an den Bachelor- und Masterstudiengängen sowie gegen Studiengebühren.

In den vergangenen Tagen waren besetzte Hörsaale an den Universitäten Bonn, Bochum und Dortmund von der Polizei geräumt worden.



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Kommentare
Das Problem mit der Bestreikung von Veranstaltungen und der Besetzung von Hörsälen ist, dass die Studenten nur sich und ihresgleichen Schaden. Wenn man eines aus den damaligen Protesten gegen Rüttgers HRG und den damals eingeführten Studiengebühren lernen kann, dann das. Aber Lernen aus der Vergangenheit, wo kämen wir da hin? Wir machen den gleichen Fehler immer gern nochmal, das ist gelebte deutsche Geschichte. Die Politik kann über den Protest, wie damals auch lachen, denn Druck ist so leider nicht aufzubauen. Würden die Studenten statt Hörsälen einflussreiche Firmen besetzen, dann sähe das wohl anders aus, dann entstünde wirtschaftlicher Druck und Personen mit Einfluss würden ein eigenes Interesse daran bekommen, dieses Problem zu lösen. Freilich hat man es dann mit mehr Polizei zu tun, mit Anzeigen und Schadensersatzforderungen und dem Unmut von Arbeitern, deren Lohn und Brot auf dem Spiel steht. Sachen, die die Studentenbewegung 68er nicht geschreckt hat, die aber heute undenkbar wären. Da drohen Konsequenzen, das ist nichts mehr für Maulhelden. Insofern sehe ich wenig Chance dass der Protest mehr Wirkung zeigen wirkt, als der damalige Protest gegen das HRG - das Ding war ungleich größer und verpuffte wirkungslos.. Mein Beileid, aber so wird das nichts. p.s.: Feige Steinewerfer, die auf Protestmärschen Krawall suchen, sollten bei dem Thema bitte den Rand halten, die haben noch nie irgendwem geholfen. Ich schreibe das, weil bei dem Thema 68er, Besetzung und Polizei immer gern an Gewalt gedacht wird. Protest funktioniert IMO nur friedlich.

Alter Schwede... erwarten Erzeuger solcher Textbollwerke eigentlich irgendeine Form von Anerkennung für ihren Zeiteinsatz?

wer am lautesten ICH schreien kann hat gewonnen..

Herrje, was ist denn hier los? Hat der RCDS Bielefeld seine Weihnachtsfeier ins Netz verlegt? Ergözt man sich die Elite bei Sprizz und Jagertee daran, dem studierenden Prekariat seine von Gott gewollten Grenzen aufzuzeigen? Erbärmlich. Aber nicht weiter überraschend. Ihr könnt stolz auf euch sein, Papa ist es auch.

Alle Augen richten sich beim Thema Bildungsnotstand auf die Politik. Aber sind es tatsächlich die Politiker, welche ihn in den letzten Jahrzehnten herbeigeführt haben? Ich denke der Grund liegt in der gesamtgesellschaftlichen Denkweise. Wir haben bei all der Leistung, die wir in den letzten Jahren erbracht haben, nur auf dieses Prinzip, das Leistungsprinzip gesetzt. Nach dem Motto: Nur die Besten kommen weiter. In den 70er und frühen 80er Jahren gab es erfolgversprechende Reformbewegungen, es gab eine Hochphase der Vereinsgründungen und neuen Gesllschafts – und Geschäftsideen, damals hießen sie nur nicht "start ups". Sie waren nicht unbedingt dem absoluten Gewinn und Wachstum verschrieben, sondern es stand die Idee im Vordergrund. In den 90ern, in denen man keine Party ohne Aktientalk überstehen konnte, war nur noch vom Geld und Wachstum die Rede. Dieser Geist übertrug sich auf die Bildung. Es ging nur um gute Ergebnisse, Noten und Titel. Je mehr Bildschirme eine Bildungseinrichtung hatte, desto moderner erschien sie. Computer eroberten sogar einige Kindergärten. Werkräume, Theaterwerkstätten, Musikausstattungen wurden für neue Computerräume geopfert. Die schulische und studentische Welt entwickelte sich im wahrsten Sinne des Wortes zur Power Point Präsentation. Universitäre Wissenschaft wurde der boomenden Wirtschaft geopfert. Die Reformgedanken der 70er,80er Jahre als alternativer Quatsch abgetan. Die Politik setzte nur das um, was gesellschaftlicher Konsens war. Das Lebensziel=viel Geld und Jeder gegen Jeden. Eine neue, dynamische Generation von jungen Managern/Innen in den mittleren Etagen der Firmen versuchte nur keine Fehler zu machen, nicht aufzufallen und keine neuen Ideen zu produzieren. Die Kinder dieser Generation mussten sich ihren jungen Eltern anpassen. Sie mussten dem Design des Autos, des Handys, der Wohnung, des Urlaubs, der Schichten Zugehörigkeit entsprechen. Dieser Zeitgeist machte vor Schulen und Unis nicht halt. Die Gesellschaft teilte sich in immer mehr Schichten auf und Eltern fingen an darauf zu achten mit wem ihre Kinder spielten. Mit den 90gern begann auch der "Kinderfahrdienst", Geigenunterricht, Judo, Fußball, Ballett u.s.w.. Jeder gegen Jeden bedeutete sich abzusichern, ob durch Versicherungen oder durch gesellschaftliche Abgrenzung. Die Wirtschaft gab das Credo raus "Bist du nicht für mich, so bist du gegen mich", wer leichte Kritik am System äußerte war halt links. Die deutsche Gesellschaft hat sich ihr Bildungssystem selbst erschaffen, genau so gut kann sie es auch wieder ändern. Die Wirtschaft muss lernen das sie den Menschen dient, nicht umgekehrt. Bildung benötigt hauptsächlich Freiraum, Phantasie und Kreativität, das sind die ersten Dinge, die wir ihr wieder zurückgeben sollten, der Rest kommt von ganz alleine.



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