Bielefeld. Die 62-jährige Marianne Müller (Name auf Wunsch geändert) ist wütend. Ein Rennradfahrer hatte die Heeperin nicht nur auf der Straße behindert, nach dem zweiten Hupen brüllte der Mann los, stellte sich vor ihr Auto und zückte einen Ausweis: "Ich bin Polizist, ich darf fahren, wo ich will."
Der Vorfall ereignete sich bereits am Mittwoch, 9. Dezember, kurz nach 15 Uhr als Marianne Müller hinter einem Rennrad von der August-Bebel-Straße kommend über die Herforder Straße fuhr. Während die August-Bebel-Straße einen großen Radweg auf der Fahrbahn ausweist, wird dieser dann wegen der Doppelkurve in Richtung Stadtwerke-Kreisel auf den Fußweg der Schildescher Straße geführt. Die meisten Radfahrer nutzen ihn, doch dieser blieb stur auf der Fahrbahn.
"Weil ich nicht vorbeikonnte, habe ich gehupt und Handzeichen gegeben, er solle den Radweg nutzen. Vergeblich.", erzählt Müller. "Er fuhr demonstrativ Zick-Zack-Linien und gestikulierte wild." Als die Frau ein zweites Mal hupte, soll der Rennradfahrer ausgerastet sein: "Er hat sein Fahrrad vor meinen Wagen geknallt und brüllte, dass nur so der Speichel flog." Er sei Polizist und dürfe fahren, wo er wolle. Er soll einen Ausweis hochgehalten haben - weiß-grünlich mit dem Schriftzug "Polizei NRW", seine Hand verdeckte den Namenszug. "Eine Unmöglichkeit", so Müller.
Laut Polizeisprecherin Christine Schmitt haben Radfahrer keineswegs die Wahl, ob sie den Radweg nehmen können oder nicht: "Wird der Radweg neben der Straße mit einem blauen Schild gekennzeichnet, muss der Radfahrer diesen benutzen." Eine Wahl habe man nur bei Radwegen, die zu schmal sind. Diese würden deswegen nicht mit den runden Verkehrsschildern in Blau gekennzeichnet.
Für Marianne Müller ist der Verkehrsverstoß gar nicht so entscheidend. Ihr gehe es viel mehr um das rücksichtslose Verhalten des Mannes: "Das war eine Anmaßung hoch drei. Was macht der erst, wenn er im Dienst richtig Stress hat?" Bei der Polizei habe man ihr bestätigt, dass so ein Verhalten den Straftatbestand der Nötigung erfülle. Auf eine Anzeige verzichtete sie trotzdem. Die Ermittlung des Radlers - ob Polizist oder Schwindler - werde so aber schwierig, sagte Schmitt. Freunde der 62-jährigen Heeperin wussten zu berichten, dass ein radelnder Polizist aus Enger für Wutausbrüche dieser Art berüchtigt sei.















