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30.12.2009
BIELEFELD
,,Ich bin ein Kind des Krieges"
Heute wird Maja Oetker 75 Jahre alt
VON WILFRIED MASSMANN

Maja Oetker | FOTO. WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Sie ist eine Dame von Welt, die sich in der Provinz eingerichtet hat. Und sich hier wohl fühlt. Maja Oetker strahlt Charme und Persönlichkeit aus, blickt auf ein Leben zwischen Großbürgertum und hilfreichen Ehrenämtern zurück. Die 75 Lebensjahre, die die große, stolze, prätentiös wirkende Frau vollendet, sind für sie ein Datum, nicht mehr.

Über die Hälfte ihres ereignisreichen Lebens hat Maja Oetker in Bielefeld verbracht - von langen Reisen abgesehen. Der Tod ihres Mannes, des Unternehmers Rudolf-August Oetker, vor knapp zwei Jahren, hat eine Wende gebracht. Der Verlust ist noch längst nicht überwunden, sie teilt diesen Schmerz über ihren verlorenen Partner wie viele Menschen.

Die eigenen Kinder erfreuen ihr Herz: Tochter Julia (30), attraktiver Single, der Banker Carl-Ferdinand (37), Alfred (42), promovierter Wirtschaftswissenschaftler, der die Oetker-Niederlassung in den Niederlanden leitet: Für große Freude sorgen auch die ersten zwei Enkel (6 und 3), die Kinder des Ältesten und seiner Frau Donna Elvira Grimaldi.

,,Kinder, Kultur und Kommunalpolitik", diese drei Schwerpunkte hat der frühere Regierungspräsident (RP), Andreas Wiebe, 2002 bei der Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse durch den Bundespräsidenten, angeführt. Der den Grünen zugehörende frühere RP charakterisierte die damalige Bielefelder Bürgermeisterin mit den Worten: ,,Sie haben mit hohem Einsatz und großer Nachhaltigkeit auf ganz unterschiedlichen Gebieten viel bewegt."

In der Tat: Mitbegründerin und Vorsitzende des Ortsverbandes Bielefeld des Kinderschutzbundes, Aufbau von Projekten, Not- und Besuchsdiensten, Errichtung des Kunstgewerbemuseums Huelsmann, Durchplanung des Ravensberger Parks, Gestaltung des neuen Stadttheaters oder als Kuratoriumsmitglied des Caroline-Oetker-Stifts - Aktivitäten, die sie mit viel Leidenschaft, Sachkenntnis und manchmal mit streitbarem Engagement geführt hat. Guter, stilsicherer Geschmack, Maßstäbe durch internationale Vergleiche und Verbindungen gaben und geben dieser Frau einen beachtlichen Vorsprung vor manch biederer Freizeit-Dekorateuse.

Ihre Arbeit für die Bürgergemeinschaft war eine neue Schule für Maja Oetker und zugleich Podium für eine politische Einsteigerin Ende der 80er. Das waren keine vergeblichen Jahre, demokratische Basisarbeit leistete die BfB-Mitbegründerin und organisierte politische Mehrheiten.Etwa für die Verhinderung der kostspieligen Deponie Laar. Oder die Abschaffung der Baumschutzsatzung, die das Ratsmitglied Oetker als ,,Zumutung für die Bürger" geißelte. Sie hat vielen alt eingesessenen Bielefeldern deutlich gemacht, dass es nicht nur um schnödes Besserwissen und Jammern gehen kann, sondern um persönliches Zupacken gehen muss.

Dann das Ehrenamt der Zweiten Bürgermeisterin, von Gisela Schwerdt (†) 1992 übernommen. Diese Zeit hat die Ehrenamtsträgerin mit der Stadt Bielefeld und den Problemen endgültig vertraut gemacht. Und die Schönheiten dieser Stadt, durch die sich mittendurch der Teutoburger Wald zieht, bewusst erleben lassen. Bielefeld, betont sie, sei lebens- und liebenswert. Bestärkt worden ist sie in ihrer Haltung stets von ihrem Mann.

Ob die BfB Zukunft hat, meint die ehemalige Spitzenkandidatin, sei gerade für Wählergemeinschaften immer offen. Zufrieden blickt sie zurück - denn auch mancher Unsinn konnte gelegentlich verhindert werden. Jetzt setzt sie auf jüngere Leute, die sich mit neuem Schwung und neuen Ideen für Bielefeld einsetzen. Die Neugierde bleibt.

Maja Oetker, die gläubige Katholikin, ist eine durch Herkunft, Erziehung und Selbstdisziplin bestimmte Frau. Vielseitige Interessen und immerwährende Aktivitäten in vielen Bereichen bestimmen weiterhin ihr Leben, das sie schwerpunktmäßig auch künftig in Bielefeld verbringen will. Sie kann dominant sein und das auch spüren lassen. Sie ist eine Dame, die, wo immer sie auftritt, voll präsent ist.

Die Jahre stimmen milder. Das Florett ist kein Mittel der Wahl mehr, der Degen auch nicht. Dann lieber etwas Taktik und mehr weibliche Klugheit. Modische Oberflächlichkeit ist nicht ihr Ding. Tugenden, wie Anstand Sitte, Manieren und Stil, Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit bedeuten ihr viel, sie vermisst sie oft, baut aber weiter auf ihre Gültigkeit. Und hofft, dass sie in Familie und Schule wieder Grundlage der Erziehung werden, weil sie für den Lebensweg jedes Menschen gültig bleiben.

Die Jubilarin hat in ihrem Leben viel gesehen, viel erlebt. Die jung gebliebene 75-Jährige weiß, dass es ihr gut geht. ,,Ich bin auch ein Kriegskind", merkt sie an und kritisiert gängiges ,,Jammern auf hohem Niveau".

Von ihrem Mann hat sie den Vorsitz der zwei Stiftungen übernommen: eine für soziale Aufgaben, die andere für Kunst, Kultur, Denkmalpflege und Wissenschaft. Anstehende Aufgaben koordiniert sie eng mit ihrem Stiefsohn August. ,,Da haben wir eine gute Zusammenarbeit."

In ihrer Familie ist es selbstverständlich, dass man immer arbeitet, sich immer engagiert. ,,Für uns ist Arbeit etwas Schönes, das Zufriedenheit bringt, aber auch, weil man sich der Verantwortung nicht entziehen kann." Im übrigen: Arbeit ist die beste Freizeitgestaltung", weiß die ausgebildete Pädagogin.Maja Oetker wurde am 30. Dezember 1934 als Marianne von Malaisé in Nürnberg geboren. Ihre Mutter war Therese von Münchmeyer, der Vater, Baron Ferdinand von Malaisé, der auch als Diplom-Ingenieur für Krauss-Maffei arbeitete.

Die Jubilarin studierte nach dem Abitur Englisch und Französisch für den höheren Schuldienst und lernte Anfang der 60er Jahre in New York ihren späteren Mann, den Bielefelder Unternehmer Rudolf-August Oetker (1916 - 2007) kennen. Seit 1963 mit ihm verheiratet, ist seitdem die Senne ihr Hauptwohnsitz. Die Mutter von drei erwachsenen Kindern - zwei Söhne und eine Tochter - gibt als Beruf Hausfrau an.

1969 übernahm Maja Oetker für gut 30 Jahre den Vorsitz des Bielefelder Kinderschutzbundes. 1988 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der Bürgergemeinschaft für Bielefeld (BfB), zog 1989 in den Stadtrat ein und repräsentierte die Stadt von 1992 bis 1994 zweieinhalb Jahre lang als Bürgermeisterin. 2004, mit knapp 70 Jahren, ist sie aus der Kommunalpolitik ausgeschieden.
(ass)


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