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12.01.2010
BIELEFELD
Die Gefahr droht von oben
Eiszapfen an den Regenrinnen / Passanten sollen hoch schauen / Hauseigentümer sind verantwortlich
VON THOMAS GÜNTTER

Eisbombe unter dem Schildescher Viadukt | FOTOS: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Der Winter hat durchaus seine schönen Seiten. Derzeit hängen an vielen Häusern im Stadtgebiet die Eiszapfen. Manche sind über einen Meter lang und armdick. Das sieht schön und bizarr aus, ist aber hoch gefährlich. Denn wenn so ein Gebilde aus großer Höhe auf dem Kopf eines Passanten landet, sind schwere Verletzungen die Folge. Mindestens.

Die Stadt warnt vor herabfallenden Eiszapfen und Schneelawinen von Dächern und Gebäuden. Fußgänger sollten in der Nähe von Gebäuden immer auch nach oben schauen und Eiszapfen sowie drohenden Schneelawinen aus dem Weg gehen.

Die jeweiligen Hausbesitzer haben die sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Im Klartext: Sie sind dafür verantwortlich, dass Fußgänger ihre Gebäude gefahrlos passieren können. Darauf macht Marco Schmidt von der Polizei aufmerksam.
Die Anrufe gestern kamen über die normale Notrufnummer "110". "Eigentlich ist die Polizei für Eiszapfen nicht zuständig. Außer, es ist Gefahr im Verzug", sagt Einsatzleiter Klaus Kuhmann. Meistens jedoch wurde der Alarm an die Feuerwehr weitergeleitet. Die Hausbesitzer mussten dann einen Handwerker, zum Beispiel einen Dachdecker mit den Arbeiten beauftragen.

Die Berufsfeuerwehr war gestern mit zwei Drehleitern von 9 bis 17 Uhr im Einsatz. Insgesamt mussten 15 Einsätze abgearbeitet werden. Neunmal fuhr der Einsatzleiter vorbei und sprach mit den Hausbesitzern. Sechs Mal rückten die Drehleitern aus. Allerdings nur zu öffentlichen Gebäuden.

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Zum Beispiel am Neuen Rathaus, dem Theater, dem Stadtarchiv und anderen Verwaltungsstellen im ehemaligen Ankergebäude, der Musik- und Kunstschule unterhalb der Sparrenburg, dem Naturkunde-Museum am Adenauerplatz oder dem Jugendzentrum Brackwede in der Gaswerkstraße.

Am Neuen Rathaus bediente Oberbrandmeister Ralf Brüseke die Drehleiter, Brandmeister Lars Rottmann beseitigte die Zapfen und warf sie kontrolliert zu Boden. Die Hausmeister Udo Berndt und Andreas Janzen sperrten die Fläche mit Flatterband ab. Die Außenhülle aus Glas und Aluminium begünstigt die Zapfenbildung.

Ömer Sardogan ist der Besitzer des Hauses an der Beckhausstraße 118. Er musste gestern in den dritten Stock klettern und aus dem Fenster mit einem Besen die Zapfen abschlagen.

Davor warnt Carsten Boberg vom Immobilienservicebetrieb der Stadt eindringlich. Es solches Manöver sei viel zu gefährlich und würde die Leute an "Leib und Leben gefährden". Außerdem hält er nichts davon wenn Dächer vom Schnee geräumt werden. Da würden dann nur die Schneelasten ungleichmäßig verteilt. Erst dann würde das Risiko, dass das Dach einbricht, massiv ansteigen.

Warum haben eigentlich manche Dächer so riesige Eiszapfen, baugleiche Gebäude nebenan aber sind zapfenfrei. "Das hängt mit der Dämmung zusammen", sagt Architekt Volker Crayen. Der Schnee auf ungedämmten Dächern schmelze, weil die Wärme durch das Dach dringe und den Schnee schmelzen lasse. Das Tauwasser fließt nach unten, friert wieder und bildet einen Eiszapfen. Dieser Vorgang wiederholt sich auf der gesamten Dachlänge und bildet so den gefährlichen Eisvorhang.

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