Bielefeld. Schnee satt – zumindest bis gestern Morgen. Die weiße Pracht trieb nicht nur begeisterte Rodler auf die Hänge des Teutos, sondern auch Skifahrer in die verschneite Landschaft. Bielefeld wurde zum Paradies für Wintersportler, wie zuletzt in den 1980er Jahren. Mit einem Unterschied: Damals konnten sich Langläufer über fünf gespurte Strecken freuen.
"Das muss 1987 gewesen sein", sagt Klaus Becker, Archivar des Bielefelder Sportamts. "Da hat mein Kollege Georg Stürz das Loipenspurgerät für die Stadt angeschafft." Lange war die orangene Metallkonstruktion jedoch nicht im Einsatz. Bereits im Folgewinter fiel der Schnee nicht mehr so üppig, anschließend verschwand das Gerät aus dem Bewusstsein der Verantwortlichen – und mit ihm die Loipen in Bielefeld.
Eine Freizeitkarte aus dem Jahre 1988 dokumentiert die durchaus ambitionierten Bemühungen der Stadt. Fünf Strecken zwischen 1,7 und 6,5 Kilometern Länge sind eingezeichnet: Eine am Fichteheim in Senne, zwei an der Bullerbeeke in Lämmershagen, eine weitere am Golfplatz in Hoberge sowie ein Rundkurs um den Schildescher Obersee. Becker: "Ich bin mir aber nicht sicher, ob die wirklich alle einmal gespurt worden sind."
Für die beiden Strecken an der Bullerbeeke ist es belegt. Nachdem in einer Gemeinschaftsaktion der Neuen Westfälischen und des städtischen Gartenamtes Rundkurse in den winterlichen Wald gezogen worden waren, tummelten sich Mitte Januar 1987 hunderte Langlauffreunde zum gemeinsamen Sporterlebnis. Abseits der Strecke wurde heißer Tee mit Rum gereicht, auf der Piste Anfängern die verschiedenen Techniken erklärt. Die Festtagsstimmung des Bielefelder Skizirkus währte jedoch nicht lange.
Zunächst lagerte die Stadt ihr Loipenspurgerät in einem Unterstand bei Bauer Henrichsmeier in Stieghorst. Nach weiteren schneearmen Wintern wurde es in eine Werkstatt der Kuhlo-Realschule gebracht, wo es noch heute steht. "Als ich vor mehr als zehn Jahren hier anfing zu arbeiten, war es schon da", sagt Hausmeister Hasan Yaylagül und lacht. "Seitdem verstaubt es jedes Jahr ein bisschen mehr", scherzt Becker. Denn Dank der wiederholten Schneefälle seit Ende Dezember und der anhaltenden Kälte herrschen zwar beste Bedingungen für eine Neuauflage der Langlaufspuren in Bielefeld, das Winterwetter kommt aber aus Sicht der Stadt zur Unzeit.
"Es ist einfach kein Geld für eine solche Aktion da", sagt Sportamtsleiter Gerhard Bockermann. "Wir können weder die Manpower noch die Maschinenpower zur Verfügung stellen." Denn um das massive Gerät zu ziehen, sei mindestens ein kleiner Traktor vonnöten, erklärt Becker während Yaylagül und sein Hausmeisterkollege Torsten Leps die Konstruktion vorführen. Die verdichtet losen Schnee und presst mit zwei Kufen tiefe Spuren hinein.
Ingmar Lundström ist auch auf Skiern unterwegs, kommt aber ohne Spuren aus. "Ich fahre im Skatestil", erklärt der 37-jährige Gütersloher, der viele Jahre in direkter Nähe der Sparrenburg-Promenade gewohnt hat und bei jeder Gelegenheit die aktuellen Schneebedingungen genießt. Dazu reicht ihm allein eine verdichtete Schneedecke. "Das besorgen die Spaziergänger für mich", sagt er und gleitet zufrieden lächelnd vorbei.
1992 begann er mit Langlauf, als das städtische Spurgerät bereits eingemottet war. Heute nutzt der passionierte Jogger seine Skier zum alternativen Wintertraining – zum Teil aber auf gleicher Strecke. "Klar, an den Straßenquerungen müsste man abschnallen", sagt er. "Ansonsten könnte man im Moment bestimmt bis zum Hermannsdenkmal mit Langlaufskiern fahren."