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21.01.2010
BIELEFELD
Erste harte Einschnitte
Nothaushalt zwingt zu Sparkurs: Clausen plant höhere Grundsteuer und Entgelte
VON JOACHIM UTHMANN

Der dickste Brocken

Bielefeld. Die Not ist groß. Angesichts der desolaten Haushaltslage muss die Stadt zum Rotstift greifen und die Bürger stärker belasten. Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) legte dazu gestern eine Liste mit Sofortmaßnahmen vor, die gut sieben Millionen Euro pro Jahr in die Kasse bringen sollen. Größter Brocken dabei ist die Erhöhung der Grundsteuer B von 440 auf 490 Punkte. Sie trifft Hausbesitzer und Mieter.

Grundsteuer: Rund 5,5 Millionen Euro mehr will Clausen dadurch erzielen. Der neue Hebesatz entspräche dem Mittel der Großstädte. Der OB hält die Anhebung "auch, wenn sie alle trifft, für vertretbar". Im Schnitt müssten für ein Einfamilienhaus 28 Euro, für ein mittleres Gewerbegrundstück 4.900 Euro mehr bezahlt werden (s. Grafik).
Gebühren und Entgelte: Nach Ansicht von Clausen müssen Steuern, Gebühren und Entgelte schnellstens auf den Prüfstand. Für 20 Punkte will der OB in den nächsten Wochen konkrete Erhöhungen vorschlagen: bei Parkgebühren, Vergnügungssteuer, Kulturveranstaltungen, Theater, Volkshochschule, Musikschule, Museen, Zulassungen und Sportentgelten. Teils sollen sie rückwirkend ab 1. Januar, teils ab 1. April gelten. 2010 kalkuliert Clausen daraus weitere 1,5 Millionen Euro.

Einsparung im Rathaus: Der OB will mit gutem Beispiel vorangehen. Zwar schlägt er noch keine Stellenstreichungen vor ("wirkt nicht sofort"), aber zwei Einschnitte bei den Bediensteten sollen über eine Million Euro bringen: Zum einen wird die Altersteilzeit erst ab 60, nicht mehr ab 55 Jahren möglich sein. Zum zweiten sollen freiwillige Zuwendungen für Beamte "auf Null reduziert" werden, "auch wenn es kontraproduktiv ist, Leistungsanreize zu streichen".

Nur erste Schritte: Das jährliche Defizit im Stadtetat liegt bei 150 Millionen Euro. Clausen ist klar, dass die sieben Millionen nur ein Anfang sein können. Um 30 bis 40 Millionen Euro pro Jahr müsse der Haushalt verbessert werden, um bis 2014 den Ausgleich zu schaffen, der Bielefeld wieder die eigenständige Haushaltsführung erlaubt. "Das Ziel müssen wir uns setzen." Für die nötigen tieferen Einschnitte will Clausen sich erst mit den Ratsparteien abstimmen. Eine Erhöhung der Gewerbesteuer oder des Kita-Beitrags lehnt er ab. Erstere schade der Konjunktur, auf die es jetzt ankomme, zweitere widerspreche seiner politischen Agenda. Klar sei aber, dass mittelfristig Aufgaben und Leistungen der Stadt überdacht werden müssen: "Aber nicht mit der Abrissbirne." Hoffnung setzt er auch auf die Zusammenarbeit mit Nachbarstädten.

Neue Belastungen: Schon jetzt hält der OB die Chance für die Genehmigungsfähigkeit des Haushaltskonzepts bis 2014 für "nicht günstig: Wenn nix passiert, ist sie sogar schlecht." Erschwerend komme das Wachtumsbeschleunigungsgesetz hinzu, das Bielefeld mit 23 Millionen Euro mehr belaste. Clausen will sich mit Amtskollegen gegen den Druck von Bund und Land wehren. Eine Verfassungsbeschwerde gegen das Kinderförderungsgesetz läuft bereits und wird von Bielefeld mitgetragen.

    


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Kommentare
alles wid teuerer hauptsache die Politiker haben ihr dickes geld in der tasche... der keline bürger, der kann schln fleißi zahlen zahlen zahlen... und wie soll man da noch über die runden kommen???? Wie soll man sich da noch was leisten können wenn das so weiter geht? Kein geld da, ne gibt nur ein Blitzer auf der A2, ein Blitzer auf dem Ossi, kaputte straßen die unzumutar sind zu befahren etc pp... bin sprachlos... wo soll das alles noch hinführen???

Sachtma Leute, gehts noch? Onkel Hebbert regt sich über hohe Parkgebühren und mangelnder Bildungsmöglichkeit auf. Bernd Stromberg meint unter anderem, wir haben zu viele Baustellen in der Stadt. S.W. fragt zumindestens, wo das ganze Geld bleibt und Michael findet das alles immerhin schade :-) Dukatenscheisser sucht die Schuldigen und zeigt in die richtige Richtung (danke)! Dietmar zählt zwar alles ganz tolle und wirklich wichtige Sachen auf, scheint dabei aber auszublenden, dass es zukünftig um genau diese öffentlichen Nutzungsangelegenheit geht und darüber hinaus um noch mehr, was für uns Bürger immer teurer werden wird (z.B.: Grundsteuer B), während Wilfried in seinem schriftlichen Stoßseufzer uns arme Stadtbewohner ganz doll bedauert. Was nutzt uns dieses ganze Angebotsgedöns, wenn es für immer mehr Bewohner nicht mehr bezahlbar wird? Mit seiner geplanten Einsparorgie im Rathaus lässt der OB die Spirale nach unten doch nur schneller drehen, weil die von ihm kalkulierte 1 Million Euro auf der anderen Seite dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird. Im Resultat werden die Sparbemühungen nichts, aber auch gar nichts bringen. Was er bei seinen Mitarbeitern einspart, wird ein viertel Jahr später den zusätzlichen Arbeitslosen zukommen müssen. Wenn er wirklich mit gutem Beispiel voran gehen will, dann soll er anfangen, Klartext zu reden und die Dinge, die schief laufen, schonungslos und offen beim Namen nennen, und zwar nicht den Bielefeldern Bürgern gegenüber, sondern den Kaspernasen im Landtag NRW und besonders dem Dilettantenverein in Berlin. Und wir Bürger? Wir sind doch nix besser! Da wird mal hier oder dort ganz knallhart seine Meinung kundgetan: Ich finde das schade ..... (sorry Bernd, aber damit hast du mir eine richtig scharfe Vorlage gegeben). Andere regen sich nur egoistisch auf (Baustellen, Schneeschippen usw...) Wir alle suhlen uns hier in duckmäuserischer Ängstlichkeit, schauen nicht mal mehr neidisch auf diejenigen, denen es in der heutigen Zeit besser geht, weil wir genug damit zu tun haben, diejenigen zu treten, denen es schlechter geht, um bloss den immer kleiner werdenden Abstand nach unten zu halten. Wir haben ein zutiefst menschliches Merkmal komplett aus den Augen verloren: Solidarität! Ja,so etwas gab es mal. "Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm das will" Aber das setzt voraus, dass wir alle unseren Arsch mal vom Sofa kriegen, die Autos stehen lassen und uns vorm Rathausplatz treffen. Und das in vielen Städten. Was meint ihr wohl, wie schnell die Politiker die innige Umarmungen mit den Bankern und der Großindustrie sein lässt und wieder Politik FÜR das Volk macht und nicht gegen uns. Es grüßt ein zutiefst zorniger witheboard

Das dürfte unmöglich sein, jedes Jahr dreißig Millionen einzusparen, wenn die hier beschriebenen Maßnahmen gerade mal sieben Millionen einbringen: dann verkauft die Stadt dieses Jahr das Theater, nächstes Jahr die Sparrenburg und übernächstes Jahr die Stadtwerke? Armer Herr Clausen - und wir armen Stadtbewohner ...

Ach, wie süß! Da findet es jemand (Michael) schade, dass dem Bürger Mehrbelastungen aufs Auge gedrückt werden. Ich empfinde das als logische Konsequenz, die aus den politischen Handlungen der letzten ca. 25 Jahre entstehen musste. Nennen wir das Kind doch mal ganz klar beim Namen: Umverteilung! Wie deutlich muss uns allen eigentlich noch klar gemacht werden, dass es allerhöchste Zeit ist, den politischen Amoklauf zu stoppen. Alle Gewalt geht vom Volke aus.

Einige KommentatorInnen vergleichen hier leider Äpfel mit Birnen: Man darf BI natürlich nur mit ähnlichen Städten vergleichen, also ähnlich großen bzw. ähnlichem Oberzentrumen-Charakter. Übrigens (@ Bernd Stromberg): Bielefeld bietet seinen BürgerInnen extrem viel, wie ich finde: Zum Beispiel ein hervorragendes Theater und einen im Vergleich zu anderen Städten hervorragenden Öffentlichen Nahverkehr, der nicht zu Unrecht in den letzten Jahren mehrfach in Folge den ersten Platz im bundesweiten Kundenmonitor Nahverkehr belegte. Dazu noch eine tolle Universität und eine heterogene Kinolandschaft auch abseits des Mainstreams. Letztere beiden Aspekte werden natürlich nicht aus dem Stadtsäckel finanziert, stehen aber mit für die Lebensqualität, die Bielefeld als Großstadt bietet. Und Großstadt zu sein heißt auch ganz andere Kosten zu haben als irgendwelche Provinznester.



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