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30.01.2010
BIELEFELD
Leidenschaft unter Verdacht
Auch in Bielefeld geraten Fußballfans und Polizei immer öfter aneinander
VON LENNART KRAUSE

Verhärtete Fronten | FOTO: JENS REICHENBACH

Bielefeld. Festnahmen beim Spiel gegen 1860 München, Randale und Ausschreitungen gegen Koblenz und Union Berlin – auf den ersten Blick nimmt die Gewalt rund um die Schüco-Arena zu. Dagegen wehren sich allerdings die betroffenen Fans. Sie fühlen sich von Polizei und Medien ungerecht behandelt. Auch die Wissenschaft setzte sich kritisch mit dem Problem auseinander – und zeigt Verständnis für Anhänger und Polizei.

"Fußball-Fans sind keine Verbrecher", sangen die Koblenzer Fans beim letzten Heimspiel der Arminia. Immer häufiger schallt der Slogan bei Bundesligaspielen von den Rängen. Initiiert ist er meist von den sogenannten "Ultras". "Es sind die engagiertesten Fans, die viel Arbeit und Zeit für ihre Leidenschaft investieren", sagt Ole Wolff vom Bielefelder Fanprojekt. Tatsächlich sind sie es, die im Stadion den Ton angeben. Sie erarbeiten Choreografien, kreieren Fahnen und Gesänge. In der Fachsprache werden sie auch als organisierte Fans bezeichnet. In Bielefeld gibt es rund 200 Ultras. Die meisten sind zwischen 17 und 25 Jahren alt, kommen aus der Mittelschicht und machen Abitur oder studieren.

"In der öffentlichen Betrachtung werden sie häufig mit Gewalt in Zusammenhang gebracht, das ist falsch", sagt Gunther Pilz. Der Professor aus Hannover berät den Deutschen Fußball-Bund in Fanfragen. Auch Andreas Kornfeld von der Polizei Bielefeld sieht bei den Ultras keine generelle Gefahr. "Ich finde das Engagement für den Verein toll", sagt Kornfeld. Die Polizei stehe den Ultras neutral gegenüber. "Nur leider sind sie oft bei Ausschreitungen dabei."

Solidarisierung gegen die Polizei

Fanforscher Pilz und Fanprojektler Wolff glauben , dass Gewaltdelikte unabhängig vom Fußball zu betrachten sind. "Nur wenige Fans sind gewaltbereit – die meisten missbrauchen den Fußball nur", glaubt Pilz. In der Anonymität der Masse können die Unruhestifter untertauchen. "Es gibt bei den Ultras eine große Solidarisierung gegen die Polizei", sagt Wolff. Pilz spricht sogar vom "Feinbild Polizei". Viele glauben, die Beamten würden willkürlich handeln. Sie fühlen sich unter Generalverdacht, außerdem werden viele Stadionverbote als unfair empfunden. Andreas Kornfeld widerspricht. "Wir sind immer in Kontakt mit den Vereinen, versuchen alles um ein Spiel ruhig ablaufen zu lassen". Hauptaufgabe sei trotzdem, die Sicherheit für alle zu gewährleisten. "Unser Vorgehen können wir nicht von einigen Fans diktieren lassen."

In Bielefeld erhitzten sich die Gemüter vor allem beim Spiel gegen 1860 München. Vor dem Anpfiff wurden 68 Personen auf der Stapenhorststraße festgenommen. "Einige Idioten haben die Polizei provoziert, dann flog eine Flasche auf die Straße, sofort wurden wir eingekesselt", sagt ein Betroffener. Die Polizei bewertete die Situation anders, sprach von mehreren Flaschen und Feuerwerkskörpern. Alle Eingekesselten wurden mit Kabelbindern abgeführt. "Ich habe nichts gemacht, aber einem Fan glaubt keiner", sagt der Betroffene weiter. Pilz kontert: "Es sind nicht immer nur die Anderen die Fehler machen, die Ultras müssen sich von den Krawallmachern distanzieren." In Bielefeld möchte die Polizei mit den Ultras sprechen – bisher erfolglos. "Ein Gespräch wäre wichtig, aber bei vielen ist das Vertrauen in die Polizei erschüttert", sagt Wolff.


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Kommentare
Soll der Herrn Kornfeld sich mal den Ermittlungsverfahren in den eigenen Reihen - denken wir an die Münsteraner Hundertschaft gegen Wolfsburg letztes Jahr oder Union Berlin dieses Jahr - zuwenden und nicht nur, wie sein SKB-Kollege, in der Presse rumturnen.

Ich weiß auch nicht, warum dieses Thema in der NW jetzt gefühlt jede Woche steht, grade wo doch beim Koblenzspiel gar keine Arminen an den Auseinandersetzungen beteiligt waren.

@Fußballfan von Arminia: Die Polizei setzt also bei Fußballspielen "meistens" Polizeischüler ein!? Selten so gelacht, da spricht also wirklich ein richtiger Experte!

Die Polizei setzt gegen Fußballfans meistens junge Kräfte von Polizeischulen ein, die lassen dann ihren Alltagsfrust an uns Fans aus und meinen uns als Übungsobjekte für ihren späteren Dienst benutzen zu können. Woanders z.B. in stark bewohnten Ausländervierteln kuschen dieselben Polizisten. Die Polizei dein Freund und Helfer das war einmal.
Emotionen gehören schon immer zum Fußball und ein weggeworfener Pappbecher mit Bier ist noch lange kein Grund sinnlos auf uns Fans einzuprügeln. Die Polizei macht sich so keine Freunde und wenn die Fans dann älter werden ist das Verhälnis zur Polizei zeitlebens gestört. So weit scheinen viele Polizisten aber nicht zu denken oder es ist ihnen egal und deshalb ist es vielen Fans auch egal was die Polizisten sagen.
Zum Feindbild gehören immer zwei und da den Fußballfans die alleinige Schuld zu geben ist genauso verlogen und schwachsinnig wie umgekehrt. Der Polizei fehlt es viel zu oft an Fingerspitzengefühl, sie kann emotionale Stimmung nicht von Randale unterscheiden und oftmals ist es auch so das gerade die Polizei provoziert, wohl wissend das sie am längerem Hebel sitzt und durch Gesetze geschützt wird.
Wer sich als Polizist zu sowas hinreißen läßt ist ein Chaot und auf Randale aus nur eben mit dem Unterschied das er es in Uniform macht und meint das Gesetzt hinter sich zu haben, nicht aber das Verständnis der Fußballfans und Zuschauer.
In jeder anderen Stadt sind die heimischen Polizisten auch immer heimliche Fans des örtlichen Fußballvereins, nur in Bielefeld ist das anders, da werden die Arminenfans immer öfter unter Generalverdacht gestellt und jede emotionale Regung der Fans löst sofort bei den Polizisten Alarmstufe rot aus. Sowas ist nicht zu akzeptieren und wird es auch nicht von den Arminenfans da kann sich die Polizei ganz sicher sein.

@Bernd Stromberg: In Zeiten, in denen Zeugen im Fußballumfeld direkt mit in die Datei Gewalttäter Sport aufgenommen und mit einem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch bedacht werden, ist das in der Tat ein wenig viel verlangt.

@Ihr armen Fans: Ich finde es im höchsten Maße bedauerlich, dass ich als Steuerzahler für die Sicherheit Eurer ständigen Wochenendveranstaltungen mit aufkommen muß und gleichzeitig wieder einmal Polizeibeamte zur Zielscheibe werden, die ihren Job machen. Natürlich sind die "bösen Fans", die viel kaputt machen, Unbeteiligte beschimpfen oder randalieren immer nur kleine Gruppen. Fakt ist aber auch, dass keiner der "guten Fans" den Mumm oder den Willen hat, solche Straftaten mit anzuzeigen, als Zeugen zur Verfügung zu stehen oder die Straftaten zu unterbinden. Das wäre ja zuviel verlangt, nicht wahr?



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