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03.02.2010
BIELEFELD
Aufregung um Arminia-Deal
Reaktionen auf den Fußball-Kredit des Städtischen Klinikums
VON THOMAS GÜNTTER

Eigentor oder Siegtreffer? | FOTOMONTAGE: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Das Thema schlägt hohe Wellen. Schon kurz nachdem gestern der Artikel über das finanzielle Engagement der Städtischen Kliniken Bielefeld bei Arminia in der Zeitung stand, gingen E-Mails, Anrufe und Kommentare auf nw-news.de ein. Überwiegender Tenor: "Skandal!" – "Dafür habe ich kein Verständnis!" – "Ich bin platt und verärgert!" Die Kommentare der Politiker reichten von: "Absolutes Unding" bis "Ziemlich irritiert" von "Interessantes Mittel, das Image der Kliniken zu erhöhen" bis "Dazu kann ich noch nichts sagen."

Ratsherr Detlef Werner (CDU) ist der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Städtischen Kliniken. Das Gremium sei mit dem Deal nicht befasst gewesen. Grund: Der neue Aufsichtsrat konstituiert sich erst am 26. März, weil dann erst die Arbeitnehmervertreter feststünden. Hätte der Aufsichtsrat eingeschaltet werden müssen? Werner: "Das wird geprüft." Unterdessen hat Johannes Kramer, Geschäftsführer des Klinikums Bielefeld, bestätigt, dass Werner in den Deal eingeweiht war. Holm Sternbacher (SPD), stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender: "Ich hätte erwartet, dass das Gremium gehört wird. Ich habe es erst aus der Zeitung erfahren."

Georg Rüter, Geschäftsführer des Franziskus-Hospitals erklärte, er sei verwundert, dass die Klinik in Mitte der Arminia einen Kredit gebe. Seit zehn Jahren sind die Arminenspieler im Klösterchen versorgt worden.

Im Internet schrieb gestern ein gewisser "luisfigo" (der richtige Luis Figo war portugiesischer Nationalspieler): "Partnerschaft mit dem Klinikum? Nicht dass die AOK Westfalen-Lippe aufgrund des Sponsoring vom KlinikumBielefeld nun auch einen Zusatzbeitrag erheben muss. Bei den Verletzten von Arminia könnte aus dieser Partnerschaft endlich eine echte Win-Win-Situation für beide Seiten entstehen." Und ein "balltreter" ergänzt: "Wie kommt es, dass es immer heißt Pflegekräfte und Ärzte seien unterbezahlt und dann hat das Klinikum Bielefeld einfach mal so das Geld übrig, um Arminia zu unterstützen?"

Unser Leser Joachim Kupfer (74) aus Stieghorst stellt fest: "Ich war platt und verärgert. Für eine Verwaltung, die nachts vor lauter Sorgen nicht in den Schlaf kommt, sind ist schon ein Euro zu viel." Das Klinikum unterstützt Arminia mit einem Kredit in Höhe von 250.000 Euro, quasi als eine Art Kranken(haus)geld für die Kicker.

Inge Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat: "Ich war verärgert und ziemlich irritiert." Johannes Kramer hätte den Aufsichtsrat informieren müssen. Das Verhalten des Geschäftsführers sei inakzeptabel und unerklärlich.

CDU-Ratsherr Ralf Nettelstroth: "Ich kann dazu noch nichts sagen." Georg Fortmeier, Fraktionsvorsitzender der SPD: "Besser als das Sponsoring des Klinikums hätte ich das Sponring der Bielefelder Unternehmer gefunden. Davon habe ich noch nichts gehört." Barbara Schmid (Linke): "Das ist ein absolutes Unding." Die Kliniken hätten immer schon Schwierigkeiten, ihre Mitarbeiter zu bezahlen und jaulten bei jeder Tariferhöhung auf.

Harald Buschmann (FDP): "Wir sind schon für eine Unterstützung von Arminia." Auf der anderen Seite kämen die Kliniken nicht ohne Zuschüsse aus. Johannes Delius, Vorsitzender der BfB: "Das ist ein interessantes Mittel, um das Image der Kliniken zu erhöhen." Das Krankenhaus sei ein Wirtschaftsbetrieb, der um seine Reputation werben müsse.

Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) hat den Eindruck, dass Kramer und Arminia "etwas Gutes eingetütet haben". Die Klinik wolle sich als Sportkrankenhaus etablieren. Das Konzept mit dem Verein sei ein ungewöhnlicher Weg, bei dem aber Chancen und Risiken in einem angemessenen Verhältnis stünden. Er begrüße den Deal.

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Ich denke, der Geschäftsführer hatte es gut gemeint..

Da schlägt doch gleich der Blitz ein; sehe ich doch gerade den neuesten Artikel in der NW, wonach bei Arminia ein Millionenloch klafft. Na, da haben die Vereinsoberen aber noch einmal schön bei dem Herrn Kramer "abgesahnt". Da wünsche ich nur alles Gute bis zur Rückzahlung. Macht einen richtig guten Schlaf - Herr Kramer und Herr Clausen. Was muss denn noch geschehen, dass ein solcher Geschäftsführer in die Wüste geschickt wird? Ich rufe alle unsere Stadt-Politiker auf, schleunigst etwas zu unternehmen, dass so etwas von Herrn Kramer nicht mehr verantwortlich ausgeführt werden kann. Es ist letztlich auch das Geld der Bürger, wenn die Stadt, für welche Summe auch immer, gerade stehen muss. Bei einer Pleite ist das Geld futsch!!!

Wir vergeben keinen Kredit, dafür behandeln die Banken auch keine Verletzten!
Pflegekräfte wehrt euch, fordert eure Stellen, einen Überstundenabbau und die Materialien, die auch benötigt werden.
Herr Kramer versucht seit Jahren, dass Weihnachtsgeld zu kürzen, mit der Begründung, es sei kein Geld da. Das scheint ja jetzt wiederlegt.

Das ist ja ein Stück aus dem Tollhaus, was sich dieser Geschäftsführer da geleistet hat und der neue Oberbürgermeister als Arminia-Fan hat nichts schneller zu tun, als in das selbe Horn zu blasen. Was ist eigentlich, wenn Arminia mal Pleite machen sollte. Zahlen diese beiden Herren dann den Rest aus der eigenen Tasche in die Kasse des Klinikums ein oder müssen dann die Belegschaft direkt vom Gehalt und die Patienten wegen veralteter Gerätschaften und höherer Zuzahlungen indirekt den Betrag ausgleichen. Ich denke mir, das spätestens bei einer Pleite von Arminia der Staatsanwalt die Ermittlungen wegen Untreue aufnehmen müsste.
Warum wechselt dieser Geschäftsführer nicht gleich zu einer Bank. Er scheint viel von Kreditvergaben zu verstehen. Wenn der OB ihm schon nicht auf die Finger schaut und haut, so müsste es zumindest der Rat der Stadt Bielefeld jetzt umgehend angehen. So ein Mann gehört einfach nicht an die Spitze eines solchen Hauses.

Bitte geben Sie hier Ihren Kommentar ein...*Das ist der Stoff aus dem die Finanzkrise gebaut wurde.Leute die kein Geld haben, verleihen an Leute die kein Geld haben, und das Ganze wird dem Gewährsträger Steuerzahler als win in win Erfolgsmodell verkauft.Verkauft das Klinikum an ein Fachunternehmen, das kann dann mit seinem Gewinnn sponsern.Die Stadt wird Schulden und Personal los,Eine echte win Situation.



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