Schildescher Eiswette: In zwei Kanadiern über den Johannisbach / Eigentlich keine Seeüberquerung
Bielefeld. Ein bisschen gemogelt war es schon. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Bei der gestrigen Schildescher Eiswette hat niemand den See überquert. Mit zwei Kanadiern haben Astrid Brausch, Vorsitzende der Werbegemeinschaft InSchildesche, und Christian Schulz (Seekrug) sowie der Schildescher Bezirksvorsteher Detlef Knabe (SPD) und sein Stellvertreter Stefan Röwekamp (CDU) die 700 Meter lange Strecke von der Stiftsmühle bis an den Rand des Sees zurückgelegt.
Offiziell galt das Gewässer gestern bei Temperaturen um null Grad als nicht zugefroren, obwohl einige Leichtsinnige die Eisfläche betraten . Den Offiziellen war dies aber nicht geheuer. Um den See trotzdem überqueren zu können, hätten sie als Sicherheit einen Taucher der Feuerwehr gebraucht. Der aber, so hieß es, war so kurzfristig nicht mehr zu bekommen.
Die richtige Antwort bei der Eiswette war also "See nicht zugefroren". Zusatz-Antwort: Es gewann in der Fabelzeit 6:51 Minuten das zweite Boot mit den beiden Politikern. Ob das letztlich am höheren Kampfgewicht lag, müssen andere entscheiden. Knabe an seiner Rückkehr: "Wir haben uns jedenfalls bemüht, den Kurs zu halten. Und das ist ja in der Politik oftmals nicht leicht." Das erste Boot mit Brausch und Schulz brauchte 7:18 Minuten.
Der Austragungsort der Wette war am Sonntag zweigeteilt. Bernd Grafahrend, Bernd Demand und Michael Brausch, Ehemann von Astrid, brachten die Kanadier kurz vor dem Start an die Stiftsmühle. Die drei kommen vom Bielefelder Kanuclub, der sein Vereinshaus im alten Kleinbahnhof an der Westerfeldstraße hat. Brausch ist der Bootshauswart des Vereins.
Über den gefrorenen Boden ließen sie die Kanadier erstmal bis zu der Stelle rutschen, wo sie sie wässern wollten. Es sah gefährlich aus, als die Männer das 4,80 Meter lange Sportgerät vom Weg über das Steilufer zu Wasser ließen. Christian Schulz sprach den filmreifen Satz: "Das muss das Boot aushalten." Hielt es auch. Nur das Einsteigen und Ablegen gestaltete sich schwierig, zumal sich anfangs ein Ast in der leuchtend orangearbene Schwimmweste von Schulz verfangen hatte.
Um 13.17 Uhr stach das erste Boot in See. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, weil die Wassersportler mit Stechpaddeln unterwegs waren. "Ein bisschen ist das wie Lederstrumpf", sagte Röwekamp und Knabe ergänzte: "Dann ist Astrid Brausch unsere kleine Pocahontas." Die Figur lebte im 17. Jahrhundert wirklich. Sie war die Tochter des Indianerhäuptlings Powhatan-Sachem. Erst die Disney-Studios machten daraus einen Comic.
Zwei Schauplätze machten auch zwei Kommentatoren notwenig. Während Heinz Flottmann routiniert vom Seeufer berichtete, gab Wolfgang Wagener von der Freien Scholle über Telefon seine Livereportage vom Start an der Stiftmühle an Flottmann weiter.
Die Chronik der Eiswette
Bei der ersten Eiswette 1999 benutzen Bezirksvorsteher Eckhardt Günzel und Werbegemeinschaftssprecher Horst Bruning das Ruderboot. 2000 zog ein ferngesteuertes Modellboot den Kahn mit Bruning und Günzels Nachfolgerin Ursula Bernecker. 2001 paddelten sie im Kanadier. 2002 fuhr Bernecker mit dem Traktor auf dem Landweg, Bruning schwamm durchs eisige Nass. 2003 ließ er sich auf einem Traktorreifen am Seil ziehen. 2004 folgte die Eisscholle aus Styropor. 2005 segelten Bruning und Detlef Knabe über See. 2006 war der See zugefroren. 2007 waberten die Nebel von Avalon, 2008 ließen sich Knabe und Astrid Brausch am Seil über das Wasser ziehen. 2009 war der See wieder zu.