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08.02.2010
BIELEFELD
Die Rotkohl-Laboranten
Weltrekord: 825 Schüler gleichzeitig an ein und demselben Experiment in der Uni
VON THOMAS GÜNTTER

Mit Taucherbrille | FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Die Uni jubelt. Mit einem Weltrekord hat die Bielefelder Hochschule den zehnten Geburtstag des Teutolabs gefeiert. Am Samstag arbeiteten 825 Schüler an ein und demselben Chemie-Experiment in der großen Halle. Eigentlich waren 1.000 Teilnehmer angepeilt, aber auch die geringere Zahl gilt nach Angaben der Universität weltweit als einmalig. Für die Bestätigung wurden jetzt die Teilnehmerlisten und die Fotodokumentation bei Guinness-World-Records eingereicht.

Katrin (10) von der Grundschule Milse war genau richtig angezogen. Wer in Chemie experimentieren will, muss eine Brille tragen. Eine richtige Forscherbrille hat sie noch nicht, also musste die eigene Taucherbrille herhalten. Die Schüler im Alter von 8 bis 12 Jahren kamen aus Bielefeld, der ganzen Region und sogar aus Geldern am Niederrhein

Natürlich hatten die Erwachsenen wieder schlaue Ratschläge parat: "Passt auf, dass euch der Rotkohl nicht explodiert." Unfug. "Rotkohl kann doch gar nicht explodieren. Das weiß doch jedes Kind", sagt Lea (10) aus Babenhausen. Aber Rotkohl stimmt schon. Denn die jungen Nachwuchsforscher mussten Rotkohlsaft mit verschiedenen Substanzen mischen, um das Farbspektrum des Gemüses kennenzulernen.

Auf jedem der 86 Tische in der 9.000 Quadratmeter großen zentralen Halle der Universität stand ein Reagenzglashalter mit den Gläsern, und davor in kleinen Plastikflaschen lauerten die Substanzen, die den Rotkohlsaft in eine andersfarbige Flüssigkeit verwandeln sollten.

Rebekka von der Grundschule Babenhausen erledigte die Aufgabe mit Geduld, Sorgfalt und Hingabe. Sie füllte Essig in den Saft. Er wurde kräftig rot. Dann wählte sie Mineralwasser. Es passierte nichts. Anders bei der sodahaltigen Lösung. Jetzt wurde die Flüssigkeit grün. Zum Schluss kam die salzhaltige Lösung dran. Ergebnis: blau-grün.

Dabei lernten die Kinder von ihren Betreuern noch eine geografische Besonderheit, die sich sogar sprachlich niederschlägt.

Kohlesser nördlich der Mainlinie leben meist auf säurehaltigen Böden. Säure sorgt für die rote Farbe, ergo heißt das Gemüse Rotkraut. Anders in Bayern. Hier sind die Böden eher kalkhaltig und damit alkalisch. Das Gewächs wird dunkel, der Bayer spricht vom Blaukraut.

Die Mensa der Universität hatte aus Hunderten von Kohlköpfen mehr als 200 Liter Rotkrautsaft für die Experimente zur Verfügung gestellt. Dass allerdings auf Bielefelder Märkten und in Privathaushalten das beliebte Wintergemüse ausgegangen sein soll, ist wohl eher als Gerücht einzustufen.

Zusammen mit der Chemieprofessorin Katharina Kohse-Höinghaus stimmten die Kinder in der Halle das Geburtstagsständchen an: "Happy birthday, dear Teutolab". Die Professorin hatte genau am 4. Februar 2000 das erste Teutolab – für das Fach Chemie – eröffnet. Inzwischen gibt es Teutolabs für Physik, Mathematik und Robotik. Ganz neu wird hinzukommen ein Teutolab für Biotechnologie.

Zum Schluss zeigten Studenten in großen Reagenzgläsern das Farbspektrum. Neu war jetzt die Farbe Gelb: Das geht mit Wasserstoffperoxid und Natronlauge. Diese Chemikalien sind aber nichts für Kinder.

Und als die Veranstaltung gerade zu Ende war, kam die Feuerwehr. Das hatte aber nichts mit einem explodierten Rotkohl zu tun, sondern mit einem hypersensiblen Rauchmelder. Fehlalarm.


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