Bielefeld. Arminias aktuelle Geldnot ist kein plötzlich auftretendes Phänomen. Ursache und Wirkung steigern sich in knapp einem Jahrzehnt kontinuierlich. Am Ende kostet die neue Osttribüne deutlich mehr als doppelt so viel wie in den Anfangs-Planungen. Hier die Chronologie einer unglaublichen Kostensteigerung, gesammelt aus dem Archiv der Neuen Westfälischen:
April 2001: Die Pläne für den Neubau der Osttribüne sind fertig. DSC-Vorstandsmitglied Werner Vogt schätzt die Kosten auf 15 Millionen Mark – wegen des Glasdachs. Noch wird mit Sitz- und Stehplätzen geplant.
Mai 2002: Die neue Osttribüne soll frühestens in einem Jahr gebaut werden, eventuell mit Logen. Sollte in das transparente Dach eine Photovoltaik-Anlage integriert werden, würden die Kosten von 7,5 Millionen auf etwa 10 Millionen Euro steigen.
Januar 2003: Arminia sucht einen Namensgeber für die Alm, der einen Teil der Baukosten von 8 Millionen Euro für die Osttribüne übernehmen soll.
März 2003: Ein Student aus Hannover untersucht die Machbarkeit des Ausbaus in einer Diplomarbeit. Der Betriebswirt empfiehlt unter anderem die Ausgabe von Aktien (Genussscheinen) zur Finanzierung.
Dezember 2004: Der Neubau wird bis 2006 verschoben. Kosten: noch 8 Millionen Euro.
Dezember 2005: Großer Auftritt von Roland Kentsch, Ulrich Möntmann und Frank Stopfel. Finanzgeschäftsführer, Immobilienmakler und Architekt stellen das neue Haupttribünen-Gebäude vor – mit 14 Logen. Kentsch beziffert die Kosten auf 10 Millionen Euro. Die Finanzierung ist noch ungeklärt.
Februar 2006: Ex-Sportminister Michael Vesper warnt Arminia vor "finanziellen Abenteuern". Kentsch sieht jedoch wegen der "sportlichen Erfolge eine gute Basis für die Finanzierung".
März 2006: Die "Lösung aller Probleme" wird vorgestellt. Tribünen-Gebäude mit Glasfassade, zwei Rängen, Business-Terrasse, Läden, Logen, Büros. Makler Möntmann soll gut 2.500 Quadratmeter Bürofläche – "Sky Office" oder "VIP Office" genannt – verkaufen. "Wir erhoffen uns dadurch 5 Millionen Euro", sagt Kentsch. 6 Millionen fehlen noch von den Gesamtkosten von 11 Millionen Euro. Möntmann: "Ich habe schon drei mündliche Kaufzusagen."
Januar 2007: Die Bau-Pläne werden überarbeitet. Architekt Stopfel hat nochmal nachgerechnet: Es bleibt bei 11 Millionen Euro. Kentsch freut sich über die "Abmilderung des Wettbewerbsnachteils" gegenüber andern Clubs; Möntmann sagt zur Vermarktung der Sky Offices: "Ich bin sehr zuversichtlich."
Juni 2007: Finanzgeschäftsführer Kentsch verkündet: Aus den "ursprünglich" 11 Millionen Euro Kosten werden 13 Millionen Euro.
September 2007: Die Osttribüne wird "etwas teurer als bisher angenommen": 15 Millionen Euro. Das teilt Kentsch mit. Zugleich lässt er wissen, dass an den Stehplätzen der Gäste nachgebessert werden muss. Und das sich der Finanzierungsplan ändert: Die Sky Offices und VIP Offices sollen nun doch nicht verkauft werden, sondern nur vermietet. Grund: Arminias finanzielle Lage hätte sich gebessert, man könne den Neubau aus eigener Kraft schultern.
August 2008: Stadionfest. Besucher bestaunen die Haupttribüne mit gepolsterten "Business-Seats" und "Premium-Logen". Ein Fan sagt: "Das ist das Lebenswerk des Vorstands."
November 2008: Mit "Fan-Anleihen" leiht sich Arminia 3 Millionen Euro von den Anhängern. Es gibt 6,5 Prozent Zinsen. 2011 soll alles zurückgezahlt werden. "Das ist sicherer als Lehman Brothers", sagt ein Präsidiums-Mitglied.
Februar 2010: Arminias Aufsichtratsmitglied Klaus Langenscheidt, zugleich beauftragter Bauunternehmer für das Stadion, moniert, dass der "knapp 19 Millionen Euro" teure Umbau überdimensioniert sei.