Bielefeld (bast). Ob während der Fußballweltmeisterschaft Spiele in Bielefeld öffentlich auf einer Großbildleinwand gezeigt werden, ist mehr als fraglich. "Es gibt klare Signale aus dem Rathaus, dass dafür kein Geld zur Verfügung steht", sagt Hans-Rudolf Holtkamp, Chef der Bielefeld Marketing Gesellschaft. Die Brackweder FDP will jedoch nicht so einfach aufgeben: "Der Standort Kirchplatz wäre eine attraktive Alternative, insbesondere für die Brackweder Bevölkerung", meint Liberalen-Chef Volker Sielmann und denkt an einen privaten Veranstalter für ein Public Viewing im Juni und Juli.
Inwieweit eine solche Großveranstaltung auf dem Kirchplatz überhaupt möglich ist, prüft derzeit die Stadtverwaltung. Denn die FDP hat die offizielle Anfrage gestellt, "ob auf dem Kirchplatz eine Großleinwand im Rahmen der diesjährigen Fußball-WM aufgestellt werden könnte." In der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung am Donnerstag, 11. Februar, soll die Frage beantwortet werden.
Es geht um die Zumutbarkeit für die Anwohner – Sielmann denkt an die Übertragung von bis zu sieben Spielen der deutschen Nationalmannschaft –, es geht um die Sicherheit – die Stadtbahn fährt direkt am Kirchplatz vorbei –, um Toiletten und um die Sondernutzungsgebühren. Und es geht um die Übertragungsgebühren, die der Fußballweltverband erhebt.
Schüco Arena steht nicht zur Verfügung
Die "Verwööhn-Wirte", die ihre Brackweder Schlemmertage wegen der WM abgesagt haben, haben wegen dieser Gebühren bereits abgewunken: Das Gourmetfest an einem Wochenende mit einem Public Viewing zu verbinden, sei zu teuer.
"Der Kirchplatz hat schon vieles erlebt, er wäre als Veranstaltungsort denkbar", sagt Hans-Rudolf Holtkamp diplomatisch. Sollte die Veranstaltung jedoch ein Niveau erreichen wie 2008 in der City, wäre er sicherlich zu klein. Während der Fußball-Europameisterschaft 2008 war Public Viewing ein Erfolgsmodell. Die deutschen Vorrundenspiele und das Viertelfinale wurden vor jeweils 13.000 Leuten auf dem Jahnplatz gezeigt, das Halbfinale und das Finale verfolgten jeweils knapp 20.000 Fans in der Schüco-Arena. Zudem sahen 3.500 Besucher das Endspiel im Ravensberger Park. "Auf den Kirchplatz passen schätzungsweise nur 1.500 Leute", sagt Holtkamp.
Die Schüco-Arena steht in diesem Jahr wegen der U-20-WM der Frauen nicht zur Verfügung, der Organisationsaufwand für Übertragungen auf dem Jahnplatz sei zu hoch, so Holtkamp. Bielefeld Marketing habe 2008 einen Etat von 200.000 Euro gehabt. "Allein eine LED-Wand kostet 80.000 Euro. Alles andere hat keinen Sinn, da kann man nichts erkennen, das führt zur Frustration und Aggression bei den Zuschauern."
Sielmann weiß um die Finanzknappheit der Stadt, will die Flinte dennoch nicht ins Korn werfen. "Je nachdem, wie die Antwort der Verwaltung ausfällt, werden wir sie auf die Internetseite der FDP stellen und schauen, ob sich ein privater Sponsor findet", sagt der Liberale. "Bielefeld Marketing steht privaten Sponsoren gern beratend zur Seite", sagt Holtkamp. Allerdings nicht für Schmalspurangebote: "Für Veranstaltungen mit Übertragungen per Beamer auf Bettlaken stehen wir nicht zur Verfügung."