Bielefeld. Ab heute startet der Umweltbetrieb den Großeinsatz. Um die vielen Schlaglöcher, die der Frost zurückgelassen hat, zu füllen, werden alle verfügbaren Teams rausfahren. "Bisher haben erst Straßenbegeher die Schäden bewertet, jetzt haben wird das Stadtgebiet aufgeteilt, schicken 17 Teams direkt raus, damit sie sofort flicken", sagt Stadtreinigungsleiter Rainer Hempelmann.
Denn das Ausmaß der Schäden ist enorm und erschreckend. Kaum eine Straße in Bielefeld ist noch komplett heile. Gegen die Flut der Löcher kommt der Umweltbetrieb, der für Instandhaltung und damit Verkehrssicherheit zuständig ist, nicht an. Zumal er mehrere Wochen wegen Eis und Schnee nichtmals flicken konnte, geschweige denn reparieren. Erst seit Anfang Februar werde wieder an den Winterschäden gearbeitet, so Hempelmann.
Zunächst kümmerten sich die Trupps um Löcher, die mehr als acht Zentimeter tief waren, dann um die, die vier bis acht Zentimeter maßen. Mehr als 700 Schlaglöcher seien so bereits geflickt: "Die größten sind weg." Aber vor allem die dritte Kategorie (bis vier Zentimeter) stehe noch aus. Außerdem seien manche kleinere Straßen noch garnicht schnee- und eisfrei.
Bei der Kälte lassen sich die Löcher aber nur mit Kaltmischgut aus Splitt und Bitumen behandeln, das nur begrenzt hält. Auf manchen Straßen, auf denen die Belastung durch schwere Lastwagen groß ist, bröckelt der Flickzeug schnell wieder weg. "An einer Stelle waren wir schon 15 Mal", sagt Hempelmann. Auf einigen Marterstrecken müssen erst mal Warn- und Tem- po-30-Schilder ausreichen.
Mehr als 80 Tonnen Kaltmischgut hat der UWB schon verbraucht, ein Viertel der üblichen Jahresmenge. Weil zudem der teure Winterdienst mit allein 420.000 Euro für Salz hinzukommt, ist der Aufwand hoch. Trotzdem rechnet Hempelmann nicht mit Gebührenerhöhungen bei der Straßenreinigung. Die Finanzierung, die zu 80 Prozent aus Gebühren, zu 20 Prozent aus dem Stadtetat gedeckt wird, werde über Fünf-Jahres-Zeiträume kalkuliert und aus Rücklagen ausgeglichen. Erst 2012 könnte es Auswirkungen auf die Gebühren haben.
Schwieriger wird die eigentliche Sanierung von Straßen, die über das Flickwerk hinausgeht. Bei den 850 Kilometern städtischer Straßen schätzt Hans Martin vom Amt für Verkehr den Reparaturstau auf rund 300 Millionen Euro. Pro Jahr steckt die Stadt aber nur rund sechs Millionen Euro in Unter- und Instandhaltung des Straßennetzes. Martin: "Wir hoffen, dass der Kämmerer dafür mehr Geld bereitstellt." Angesichts der Haushaltslöcher eine sehr vage Hoffnung.