Bielefeld. Schnittig sieht er aus mit seiner eleganten Form, großen Fenstern und seiner Taille: Der neue Stadtbahnwagen "Vamos" geht im März in die Fertigung, ein Jahr später sollen die ersten Exemplare in Bielefeld fahren. 16 Stück wird der Leipziger Hersteller "HeiterBlick" für 47 Millionen Euro liefern.
Sie sollen den Fahrgästen mehr Komfort bieten: Fünf Türen auf jeder Seite (statt drei beim M 8 D und vier beim M 8 C), mehr Bewegungsfreiheit sowie an jeder Tür einen "Sondernutzungsplatz" für Kinderwagen oder Rollstühle. "Das ist ein richtiger Schritt nach vorn, das lästige Suchen nach der richtigen Tür wird für Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität dann vorbei sein", sagt Kai-Uwe Steinbrecher, technischer Leiter des Stadtwerke-Verkehrsbetriebs MoBiel. Die neuen dreiteiligen Waggons werden 230 Steh- und Sitzplätze haben (M 8C: 140, M 8 D: 150) und dafür jeweils 35 Meter lang sein im Gegensatz zu den Vorgängern mit 27 Metern. Die auf der Uni-Linie 4 eingesetzten Langzüge sind 68 Meter lang.
Aber auch für MoBiel sind die Vamos-Wagen ein Fortschritt: "Wir können viel mehr Menschen transportieren, was uns angesichts der steigenden Fahrgastzahlen Luft verschafft. Und weil nicht noch mehr Züge durch den Tunnel fahren können, bringen Fahrzeuge mit größeren Kapazitäten Entlastung", sagt Steinbrecher. Sie sollen zudem noch leiser sein.
Vamos soll zunächst auf der Linie 2 zwischen Milse und Sieker sowie auf der Uni-Linie 4 fahren. Während die Uni-Strecke von vornherein auf die breiteren Fahrzeuge (2,65 statt 2,30 Meter) eingerichtet ist, sind auf der Linie 2 einige bauliche Veränderungen notwendig: Einige Haltestellen müssen verlängert, einige Gleise etwas verschoben werden (NW v. 30. Januar). Beim Umbau der Detmolder Straße wird das ebenso berücksichtigt wie ein größerer Gleisabstand. "Da die Hochbahnsteige sich nicht versetzen lassen, sind die Wagen tailliert. Unten sind sie 2,30 Meter breit, im Fahrgastraum 2,65 Meter ähnlich wie beim ICE", erläutert Steinbrecher. Eine Verlängerung der Bahnsteige an Ziegel-, Finken-, Schiller- und Stadtheider Straße sei derzeit nicht möglich. Deshalb will MoBiel außerhalb der Spitzenzeiten auf Linie 2 nur jeweils einen Wagen verkehren lassen. "Zu Spitzenzeiten morgens und mittags könnten wir die alten Fahrzeuge einsetzen oder beim Vamos an den vier Haltestellen Türen sperren, was automatisch funktionieren würde." Seit Mitte der 90er Jahre habe MoBiel schrittweise die Infrastruktur auf die breiteren Fahrzeuge umgestellt.
Und weil an den Haltestellen Mozartstraße und August-Bebelstraße technisch keine Hochbahnsteige möglich sind, verfügen die Vamos-Wagen über drei Trittstufen-Einstiege auf jeder Seite.
Ralf Schönenberg, Leiter des Bereichs Fahrzeuge bei MoBiel, betont, dass die neuen Vamos-Fahrzeuge lediglich Ersatzbeschaffungen sind: "Wir werden ab nächstes Jahr sukzessive 24 der M-8-C-Wagen ausmustern, die seit 1982/83 laufen." Wartung und Service seien unter anderem wegen nicht mehr lieferbarer Teile inzwischen zu teuer, die Lebensdauer mit 30 Jahren und zwei Millionen gefahrenen Kilometern erfüllt.
Statt derzeit 80 werden es demnächst nur noch 72 Fahrzeuge sein. "Die Verlängerung der Linie 2 bis Milse Ost wird mit dem Bestand noch zu bewältigen sein", sagt Steinbrecher. Bei weiterer Ausdehnung des Stadtbahnnetzes müsse man neu nachdenken.
Unterdessen ist der zweite von vier beim Zusammenstoß am 1. Februar beschädigten Stadtbahnwagen zur Reparatur beim Bombardier in Achen eingetroffen. "Wir hoffen, die leichtbeschädigten Wagen bald wieder einsetzen zu können", sagt Steinbrecher. MoBiel versuche alles, dass die Kunden den derzeitigen Fahrzeugengpass nicht zu spüren bekommen.