Bielefeld. Rhythmisches Klatschen, schrille Pfiffe und finster dreinblickende Bodyguards – so einen Auftritt hat Michael Wendler am liebsten. Der Schlagerstar hat sich durch Schnee und Sturm gekämpft und stürmt nun auf die Bühne des Stadtpalais. "Der Wendler ist da", ruft er dem Publikum zu. Die Menge johlt.
Wenn der Wendler auf der Bühne steht, hält es keinen auf seinem Platz. Das Publikum drängt sich auf der Treppe und auf der Tanzfläche. In bestem Discofox-Takt gibt der selbst ernannte Pop-Schlagerstar seine Hits zum Besten. Der Refrain seiner ersten Nummer "Nina, ich bin wieder im Fieber" soll Kennzeichen seines Auftritts werden: Der Stimmung im Saal scheint zu kochen, spätestens, nachdem die ersten Takte vom Ohrwurm-Klassiker "Sie liebt den DJ" ertönen.
Bereits nach dem zweiten Lied hält es der für seine Verhältnisse ungewöhnlich hochgeschlossene Wendler nicht mehr aus und fragt das Publikum "Soll ich mich nackig machen?" Schon ist das Jackett ausgezogen und das Hemd bis knapp über den Bauchnabel aufgeknöpft. So lieben ihn seine Fans. Und er sich selbst.
Daniela Beckmann aus Bielefeld ist mit ihren Freundinnen gekommen. Sie hat den Wendler im Fernsehen gesehen und will den Sänger jetzt einmal live erleben. Um das Treiben auf der Bühne besser sehen zu können, benutzen die Damen Barhocker und einen Treppenabsatz als Podeste. "Der ist gut", lautet ihr Urteil, "weil er einfach er selbst ist."
Der 37-Jährige polarisiert. Mit seinem Hang zur Selbstdarstellung gerade zu Beginn seiner Karriere machte sich der Dinslakener wenig Freunde. Als er, musikalisch noch ein Niemand und hoch verschuldet, zu seinen ersten Auftritten mit Limousine und Bodyguards anrückte, hatte er schnell den Ruf als arroganter Selbstdarsteller weg.
Doch der gelernte Speditionskaufmann blieb hartnäckig. Mittlerweile ist er bei der großen Plattenfirma Sony BMG unter Vertrag, seine Lieder wurden mit Gold ausgezeichnet und der Wendler füllt ganze Stadien. Im Sommer tritt er auf Mallorca wöchentlich vor 5.000 Menschen auf.
Er lässt sich sichtlich gerne feiern.
"Er kann sein Publikum gut motivieren", sagt Michael Kula aus Schloß Holte. Der 26-Jährige ist mit Freunden ins Stadtpalais gekommen, weil man "zu der Musik gut feiern kann". Der Meinung sind wohl auch die übrigen Besucher. Ob "180 Grad", "I don’t know" oder "Prinzessin", das Publikum kann jede Zeile von Wendlers Liedern mitsingen, schwingt die Arme und zückt die Fotoapparate. Von zwei hübschen Damen umtanzt, steht der Sänger auf der Bühne und lässt sich sichtlich gerne feiern.
"Sind denn auch potente Männer hier?", will der Wendler augenzwinkernd wissen und erhält als Antwort lautes Gejohle. Auch mit seinen "Zicke-Zacke"-Rufen kann er das Publikum begeistern. Im verschneiten Bielefeld herrscht beste Ballermann-Stimmung.
Dann stellt der Wendler zwei neue Lieder vor. Das Publikum soll entscheiden, ob "Piloten wie wir" oder "Freitag Nacht" als nächste Single aus dem im Mai erscheinenden Album "Jackpot" ausgekoppelt werden soll. Beide Songs kommen bei den Stadtpalais-Besuchern gut an. "Das war ein Unentschieden und bringt mich auch nicht weiter", sagt der Star später im NW-Interview. Welche Nummer das Rennen macht, bleibt also vorerst ungewiss.
Nach einer Stunde Show verabschiedet sich der Wendler von der Bühne. Als Zugabe spielt er noch einmal das Lied, dessen Neuauflage ihn vor drei Jahren schlagartig berühmt machte: "Sie liebt den DJ". Ob die Menschen auch den Wendler lieben, bleibt Geschmackssache. Aber über eines sind sich an diesem Abend wohl alle einig: Die Show war einmalig.