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12.03.2010
BIELEFELD
Aufregung im Bielefelder Schilderwald
Neue Verordnung macht alte Verkehrszeichen ungültig – doch der Austausch dauert
VON THOMAS SCHÖNEICH

Alt und neu | FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Die Dampflok wird zur E-Lok. Das Fahrrad verliert sein Licht und die Pedale. Und der Richtungspfeil darf keine runden Ecken mehr haben. Es herrscht Aufregung im Schilderwald. Der Grund: Etwa 100 Verkehrszeichen haben ihre Gültigkeit verloren und müssen von der Stadt Bielefeld ausgetauscht werden.

Es ist ein Vermächtnis der alten Bundesregierung. Am 1. September 2009 trat eine Verordnung in Kraft, die die Straßenverkehrsordnung (StVO) änderte und einige Verkehrsschilder abschaffte. Nahezu unbemerkt wurde aber auch der Paragraph gestrichen, der vor 1992 gestalteten Verkehrsschildern weiterhin Gültigkeit verschaffte, obwohl sie nicht weiter aufgestellt werden durften: so zum Beispiel der Fußgänger mit Hut und die Pfeile mit den runden Ecken. Die Folgen der neuen Verordnung sind gravierend.

"Juristisch gesehen ist es so, dass die Schilder damit ihre Gültigkeit verloren haben", sagte ein Sprecher des Landesverkehrsministeriums auf Anfrage. "Die alten Verkehrsschilder hätten über Nacht ausgetauscht werden müssen." Denn eine Übergangsfrist von zehn Jahren – wie sonst bei Verordnungen dieser Art üblich – wird in der erneuerten StVO nicht erwähnt.

Kein Gesamtverzeichnis aller Schilder

Für die Stadt hingegen ist ein Austauschen "über Nacht" unmöglich. "Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir etwa 80 bis 85 Prozent der alten Verkehrsschilder ausgetauscht haben", sagt Ralf Kleimann, Teamleiter der Straßenverkehrsbehörde. Und sobald weitere alte Zeichen auffielen, würden auch diese ausgetauscht. Das Problem, vor dem Behörde steht: Es gibt kein Gesamtverzeichnis aller in Bielefeld aufgestellten Verkehrsschilder. "Wir können nicht auf Knopfdruck abrufen, wo welches Schild steht."

Doch was ist zum Beispiel mit Parkverbotsschildern, die jetzt ungültig sind? Hätte ein solches Verbot vor Gericht Bestand? Im Zweifelsfalle müsse man unter Umständen anerkennen, dass ein Fahrer, der dort parkt, eine Ordnungswidrigkeit begeht, die man nicht ahnden könne, gibt Kleimann zu. "Das müssen wir dann natürlich schnellstmöglich ändern."

Und neben der juristischen Unwägbarkeit bleibt die Kostenfrage. "Die Frage ist auch immer, ob es sich wirtschaftlich lohnt, ein Schild auszutauschen", sagt Kleimann. Ein neues Schild kostet – ohne Installations- oder sonstige Materialkosten – zwischen 6,35 und 33 Euro. Der jährliche Etat nur für Straßenschilder – die Montage wird nicht aus diesem Topf bezahlt – beträgt in Bielefeld etwa 30.000 Euro.

Etwa 325.000 Verkehrszeichen gebe es in Bielefeld, schätzte Ralf Kleimanns Vorgängerin, Christiane Krumbholz, noch im September.

Sollte ihr Nachfolger Recht behalten und 15 Prozent noch aus dem alten, jetzt ungültigen Bestand stammen, müssten noch fast 50.000 Schilder ausgetauscht werden. Und das könnte teuer werden.

Kommentare
Es ist ja nicht so, daß die Schilder erst zum 1.9.2009 geändert wurden. Dieser Vorgang hat schon im Jahr 1992 stattgefunden. Lediglich die damals verfasste Festlegung, daß die alten Schilder gültig bleiben, wurde jetzt mit der StVO Novelle gestrichen und damit die Existenzgrundlage aller alten Verkehrszeichen. Beim BMVBS ist man davon ausgegangen, daß die alten Schilder, die teilweise noch aus den 60er und 70er Jahren stammen, ohnehin ausgetauscht wurden, da die wirtschaftliche Lebensdauer von Verkehrszeichen in der Regel nur 10 Jahre beträgt. Seit der Einführung der neuen Zeichen im Jahr 1992 sind also mehr als 17 Jahre vergangen und es dürften - zumindest aus verkehrstechnischer Sicht - gar keine alten Schilder mehr anzutreffen sein, hätte man den Austausch bereits im Rahmen der normalen Wartung vollzogen. Hinzu kommt, daß eine StVO-Novelle nie allein in Berlin bzw. Bonn, sondern auch durch die Bundesländer mit auf den Weg gebracht wird. Der Entwurf zur neuen StVO war bereits Anfang 2009 im Netz erhältlich (für Jedermann einsehbar), es wäre also mit ein wenig Interesse für die Sache möglich gewesen, die Streichung des relevanten Absatzes im § 53 StVO zu erkennen bzw. zu verhindern. Das Problem: Man kümmert sich nicht um die Verwaltung des Schilderwaldes und weiß nicht, wo welche Schilder stehen (fehlendes Verkehrszeichenkataster). Man führt nicht regelmäßig die vorgeschriebenen Verkehrsschauen durch, um nebenbei auch veraltete und überflüssige Schilder zu erfassen bzw. zu entfernen. Ferner interessiert man sich nicht für Gesetzesänderungen oder bringt sich in die Gestaltung dieser nicht aktiv ein. Ist es dann soweit, ist man überrascht und schimpft auf Berlin. Seltsamerweise ist man im Bereich der kommunalen Verkehrsüberwachung in der Regel immer auf dem aktuellen Stand und weiß anhand von Verordnungen und Gerichtsurteilen den Verkehrsteilnehmer zur Kasse zu bitten. Bleibt nur zu hoffen, daß bei der Durchforstung des Schilderwaldes nach alten, ungültigen Schildern die eine oder andere Überbeschilderung zum Vorschein kommt, und man aufgrund leerer Kassen überflüssige Schilder komplett entfernt, anstatt sie durch neue zu ersetzen. Dann wäre zumindest in dieser Hinsicht das Ziel der Novelle erreicht – weniger Verkehrszeichen, bessere Beschilderung.

Och, wisst Ihr was? Ich hab mich gefreut! Endlich kein Parkschein-Ziehen mehr. Wo die alten Schilder doch jetzt ungültig sind. Aber Ihr habt schon recht: Das wiegt wohl meine gezahlten/ zu zahlenden Steuern nicht wieder auf...

welches funktionstüchtige fahrrad auf dieser erde hat keine pedale???? und wenn ich ohne licht mit dem rad fahre werde ich meistens von der polizei angehalten weil mein fahhrad nicht der StVO entspricht. warum zum geier bastelt man nun solche schilder und erklärt die alten für ungültig??? haben die zuviel langeweile oder zuviel geld was sinnlos auf den kopf gehauen werden muß?

Diesen Blödsinn sollte die alte Bundesregierung durch Abgabe ihrer Diäten finanzieren.Dem kleinen Mann wird ja auch ans Geld gegangen.

Jetzt wird glatt rumgejammert, obwohl die "übliche Übergangfrist" statt 10 Jahren sogar 17 Jahre lang war, und jetzt reicht das immer noch nicht?



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