Bielefeld. Seine Fußballleidenschaft könnte den Bielefelder Ronnie P. den Job kosten. Mit einem ausgedienten, in Eigenleistung auf Vordermann gebrachten Feuerwehrauto, das sechs Jahre mehr auf dem Buckel hat als der 31-jährige Kfz-Mechaniker, sind P. und sein Kumpel Manuel E. (30) am 28. Februar in Richtung Südafrika aufgebrochen. Sie wollen das deutsche Team bei der Fußball-Weltmeisterschaft unterstützen.
Derweil brauen sich in der Heimat dunkle Wolken über dem Schlachtenbummler P. zusammen. Sein Arbeitgeber, ein metallverarbeitender Betrieb in Borgholzhausen, weigerte sich nämlich, ihm vom 28. Februar bis zum 31. Juli Sonderurlaub zu gewähren. Man könne den Arbeitnehmer nicht fünf Monate entbehren, lautete die Begründung. Statt dessen erhielt P. die Kündigung. Dagegen erhob er Klage vor dem Arbeitsgericht. Gestern fand der Gütetermin statt.
Er habe erst durch die Medien von den Plänen P.s erfahren, der zur Zeit der Veröffentlichung krank gewesen sei, berichte Alexander Schröter, Geschäftsführer der beklagten Firma. Der Arzt, der P. krankgeschrieben habe, sei ein Freund seiner Familie, fügte Rechtsanwältin Dr. Gudrun Langenberg, die das Unternehmen vertritt, hinzu. Der Fußballfan hatte bereits im November und Dezember zeitweise und fast den ganzen Januar gefehlt.
Auch wenn es gestern nicht ausgesprochen wurde: Der Arbeitgeber scheint zu glauben, dass P. die Krankschreibungen dazu benutzte, sein Vehikel, ein Magirus Deutz, für den 16.000-Kilometer-Trip durch Afrika fit zu machen. Der einzige Kompromiss, zu dem die Firma bereit gewesen wäre: P. hätte 260 aufgelaufene Überstunden abfeiern können. Damit wäre er aber nur bis Mitte April gekommen.
Arbeitsgerichtsdirektor Werner Heege, brachte das Verhalten des Klägers auf folgende Kurzformel: "Herr P. sagt ’ich hau in den Sack’ - ich möchte den Arbeitgeber sehen, der das toleriert". Weil eine Einigung nicht erzielt werden konnte, beraumte Heege für den 22. Juni einen Kammertermin an. Man darf gespannt sein, ob Ronnie P. zu diesem Termin erscheinen wird, denn die WM dauert bis zum 11. Juli. Nach seinen Informationen habe sein Mandant inzwischen die Türkei erreicht berichtete P.s Anwalt Hendrik Güse.

















