Bielefeld-Sieker. Eine unbemannte Bahn hat sich gestern in der Werkstatthalle des Straßenbahndepots in Sieker in Bewegung gesetzt und dabei eine Wand am Kopf der Halle durchbrochen. Das angrenzende Büro, in dem sich gerade zwei MoBiel-Mitarbeiter befanden, wurde schwer verwüstet. Zum Glück wurde niemand von herabfallenden Gegenständen getroffen und verletzt.
Nichts Böses ahnend hatten sich die technisch-kaufmännischen Angestellten der Arbeitsvorbereitung in ihrem Planungsbüro an die Arbeit gemacht, als sich gegen 10.45 Uhr der diensthabende Mitarbeiter nebenan in der Werkstatthalle die Radsätze des knapp 35 Tonnen schweren Schienenschleifwagens vornahm. Unter dem sogenannten Drehgleis befindet sich eine Unterflur-Drehmaschine, mit der regelmäßig die Radreifen aufgearbeitet werden.
Um die orange-blaue Bahn mit der Sparrenburg an der Seite ein Stück vorzufahren, musste der MoBiel-Mitarbeiter den Strom wieder aufschalten. Völlig unerwartet setzte sich daraufhin die 26 Meter lange Bahn in Bewegung. "Obwohl der Kollege den Strom sofort wieder ausgeschaltet hat, reichte der Schwung", erklärte später MoBiel-Sprecherin Stephanie Baseler. Ohne weiteren Antrieb malmte der Geisterzug einen Schaltkasten am Kopf der Halle nieder und brach anschließend durch die Wand in das angrenzende Büro. Die Wirkung dort kam einem Erdbeben gleich. Ziegel brachen hervor, Deckenteile flogen herab, am Ende stand der Schienenschleifwagen einen Meter weit im Raum der Arbeitsvorbereitung.
"Zum Glück ist dabei keinem der Mitarbeiter etwas passiert", betonte Baseler. Zwar habe einer der Männer gerade im Raum gestanden, aber sein Kollege habe ihn rechtzeitig zur Seite gezogen. "Trotzdem standen beide anschließend unter Schock." Eine Rettungswagenbesatzung habe sich daraufhin um die beiden Mitarbeiter gekümmert, bestätigte Ralf Schönenberg, Leiter des Fahrzeugbereichs bei MoBiel. Anschließend seien sie, wie auch der Mitarbeiter aus der Werkstatthalle, nach Hause geschickt worden.
Die Ursache für den Unfall konnte gestern nicht geklärt werden. Ein technischer Fehler könne nicht ausgeschlossen werden, so Schönenberg. "Normalerweise muss der Fahrschalter auf Null stehen, damit man den Zug abstellen kann", sagte Günter Till, zu dessen Bereich ("Infrastruktur") der Schienenschleifer gehört. "Ich arbeite seit 40 Jahren bei MoBiel. So etwas hat es hier noch nicht gegeben."
Weil keine tragende Elemente der Werkstatthalle beschädigt worden seien, konnte der vorne entgleiste Zug gegen 15.30 Uhr ohne große Probleme wieder aus dem Loch in der Wand gezogen werden. Die Feuerwehr musste dabei nicht eingreifen.
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