Brackwede. Szenen wie man sie sonst nur von den Maikrawallen in Berlin oder Hamburg kennt, haben sich gestern Nachmittag in Brackwede abgespielt. Nach einer zunächst weitgehend friedlich verlaufenen Demonstration gegen eine Wahlkundgebung der rechtspopulistischen Initiative "Pro NRW" kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Ursprünglich hatte die umstrittene Initiative geplant, ihre Kundgebung auf dem Jahnplatz abzuhalten. Wohl weil dieser durch Gegendemonstranten eines breiten Aktionsbündnisses gegen rechts besetzt war, disponierten die Rechtspopulisten um. Jetzt sollte die Kundgebung auf dem Brackweder Treppenplatz stattfinden. Doch diese Pläne sickerten schnell durch.
Ab etwa 14 Uhr formierte sich auch in Brackwede der Widerstand. Im Zehnminutentakt brachte die Stadtbahn weitere Gruppen von Demonstranten vom Jahnplatz nach Brackwede. Schließlich stand ein etwa 300 Personen starkes Bündnis von bekannten Kommunalpolitikern, Schülern und Studenten mit und ohne Migrationshinterhgrund, Antifa-Aktivisten und Autonomen bereit, um den "Pro NRW"-Wahlkämpfern einen heißen Empfang zu bereiten.
Es hagelte Eier
Die rückten, begleitet von einem Großaufgebot der Polizei, gegen 15 Uhr mit einem Reisebus, einem Kleinlaster und einem Pkw an. Auf dem Bus stand der Wahlslogan "Kreuzzug für das Abendland". Mit zunächst noch sanfter Gewalt bahnte die Polizei dem Konvoi den Weg auf den Kirchplatz.
Während die Wahlkämpfer in aller Ruhe ihre Lautsprecheranlage aufbauten, kauften jugendliche Demonstranten in den benachbarten Supermärkten dutzendweise Eier. Gegen 15.30 Uhr begann die Wahlkundgebung. Die Parolen der Rechtspopulisten waren allerdings so gut wie nicht zu verstehen. "Nazis raus!", "Haut ab!", "Halt die Fresse!", skandierten die durch Polizeiketten auf Distanz gehaltenen Demonstranten. Dazu gab es ein gellendes Konzert aus zahllosen Trillerpfeifen. Auf einmal hagelte es Eier. Getroffen wurden nicht nur die "Pro NRW"-Leute, sondern auch Polizisten und Unbeteiligte. Es kam zu ersten Festnahmen. Einer der Wahlkämpfer reckte eine Bibel in die Luft. Nach einer guten halben Stunde endete die "Kundgebung" mit dem Absingen des Deutschlandliedes.
Auch in Minden und Bad Salzuflen hatten die Wahlkämpfer von "Pro NRW" kaum eine Chance, sich Gehör zu verschaffen. Ein Großaufgebot der Polizei verhinderte dort Zusammenstöße.
In Gütersloh blockierten Gegendemonstranten den Wahlkampfbus der Rechtspopulisten. Als Demonstranten den Wagen bedrängten, verlor der Fahrer offenbar die Nerven und gab Gas. Nur durch einen Sprung konnten sich mehrere Jugendliche retten. Die Polizei ermittelt wegen versuchter Körperverletzung (sim).
Jetzt rückten mit Blaulicht und Martinshorn weitere Einsatzhundertschaften aus Münster und Dortmund an. Erst als starke Polizeikräfte die Gegendemonstranten abgedrängt hatten, konnten der Fahrzeugtross der Wahl-Initiative die Weiterfahrt nach Gütersloh antreten. Jetzt richtete sich der Zorn einer radikalen Minderheit der Demonstranten gegen die Polizei. Flaschen flogen, eine zerschellte auf dem Helm eines Polizisten.
Die friedlichen Demonstranten fanden das gar nicht gut: "Lass den Sch.. !", herrschte die Geschäftsführerin der Grünen, Marianne Weiß, den Chaoten an. Die Beamten setzten massiv Pfefferspray ein. Insgesamt 13 Demonstranten wurden fest- oder in Gewahrsam genommen. In der Treppenstraße kam es zu Auseinandersetzungen. Der Stadtbahnverkehr war etwa 40 Minuten unterbrochen.