Bielefeld. "Der Rat muss schnell entscheiden, möglichst noch am 6. Mai." Die Forderung der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände in Bielefeld klingt wie eine Karikatur der Situation, in die die Misswirtschaft bei Arminia den Bielefelder Stadtrat gebracht hat, nämlich möglichst schnell darüber zu entscheiden, ob die Stadt sechs Millionen Euro zur Rettung des Zweitliga-Clubs vor der Insolvenz bereitstellen kann.
In Bielefeld lebe jedes vierte Kind in Armut, das seien fast 10.000 Kinder und Jugendliche im Alter unter 15 Jahren. Dieser skandalöse Tatbestand sei nicht mehr länger hinnehmbar, deshalb müsse der Beschluss über die sechs Millionen Euro für die Armutsbekämpfung sofort gefasst werden, erklärte gestern Erwin Adams, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände.
Wenn der künftige Arminia-Präsident, Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Brinkmann, sechs Millionen Euro von der Stadt zur Rettung seines Vereins verlange, sähen sich die Wohlfahrtsverbände im Recht, ja geradezu herausgefordert, ebenfalls diesen Beitrag zur Armutsbekämpfung zu fordern, so Adams weiter. Dabei gehe es um die Entscheidung: Chancengleichheit und Bildungsförderung für Kinder und Jugendliche oder kommunale Mittel für einen seit Jahren schlecht wirtschaftenden Verein, dessen Zukunft keineswegs gesichert sei.
Adams: "Eine systematische Armutsbekämpfung muss Vorrang haben vor einer Finanzhilfe für Arminia Bielefeld." Inzwischen haben sich auch CDU-Ratsfraktion und CDU-Kreisvorstand mit der Arminia-Thematik befasst. "Die Insolvenz wäre ein herber Schlag für die Stadt", hieß es gestern in einer Stellungnahme. Eine Beteiligung der Stadt an der Rettung Arminias setze ein langfristiges, tragfähiges Sanierungskonzept voraus.
Die Bielefelder Konsens-Initiative "Pro Bielefeld" hat gestern an die Mitglieder von Arminia appelliert, der geplanten Satzungsänderung des Vereins in der heutigen Mitgliederversammlung zuzustimmen. "Arminia braucht dringend bessere Steuerungsmöglichkeiten und vor allem Vertrauen, damit die Unterstützungsleistungen von außen fließen können", heißt es in einer gestern verbreiteten Presseerklärung. Die Satzungsänderung sieht vor, dass das Präsidium des Vereins nicht von den Mitgliedern, sondern vom Verwaltungsrat gewählt wird.