Bielefeld. Angela Merkel kann mit Kritik umgehen. Als sie am Samstag auf dem Rathausvorplatz in Bielefeld beim Thema Bildung ausgebuht wird, sagt die Bundeskanzlerin: "Die SPD-Anhänger haben heute keine eigene Veranstaltung, also müssen sie zu uns kommen." Stimmt.
Oberbürgermeister Pit Clausen lehnt locker an einem Wahlkampfplakat von Rainer Lux, aber entspannt, natürlich nicht krawallig. Kommentieren möchte er den Merkel-Auftritt lieber nicht.
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Der Auftritt am Tag vor der Landtagswahl hat bei den Reaktionen ein festes Schema: Im abgegrenzten Innenraum vor der Bühne wird gejubelt, von hier dringt immer wieder lauter Applaus nach Außen, zu den Menschen, die nicht zu den Geladenen gehören. Sie reagieren überwiegend schweigend auf die Reden, manchmal gibt es Applaus, manchmal Buh-Rufe, ab und zu beides – meistens zurückhaltende Ruhe. Mehrere tausend Menschen sind da, wollen erfahren, warum sie Rüttgers’ CDU wählen sollen, warum einen der drei CDU-Kandidaten in den Bielefelder Wahlkreisen; Barbara Sommer, Rainer Lux, Günter Kozlowski.
Für sie ist die Kanzlerin zum Abschluss des NRW-Wahlkampfes nach Bielefeld gekommen, Zeichen dafür, dass hier drei enge Wahlkreise vermutet wurden. Und so wird fleißig geworben. Für die CDU, das erledigt CDU-Chef Bernd Landgraf: "Wir sind die Partei, die jetzt noch arbeitet und Gesetze verabschiedet – und zusätzlich noch den Wahlkampf leistet." Mit Blick auf die Kanzlerin hat er erkannt: "Sie geht an die Grenzen der physischen Belastbarkeit."
Das sieht Europaabgeordneter Elmar Brok genau so: "Bis halb drei hat sie in Brüssel für unser Geld gekämpft und dafür, dass die Griechen sparen" – und nun sei sie schon um halb elf Uhr morgens wieder in Bielefeld.
Hart arbeiten, das eint in der Außendarstellung die Kandidaten: Rainer Lux hat schon gewählt, verzichtet weitgehend auf die Hochzeit seines Patenkindes in Heilbronn. Barbara Sommer ("ich bin jetzt ja eher nebenberufliche Ministerin") trifft sich sonntags mit Jürgen Rüttgers, "und nach Bielefeld komme ich am Sonntag dann später".
Staatssekretär Günter Kozlowski hat erst ein Grußwort zum Thema "25 Jahre Bürgerbus in NRW" vor der Brust, "dann marschiere ich natürlich mit beim Jöllenbecker Schützenfest". Zuruf von Rainer Lux: "Feuerwehr." Ach ja, es ist das Feuerwehrfest.
Und dann kommt Merkel. Sogar internationales Interesse löst sie in Bielefeld aus. Asa Svensson lebt hier, wählen aber darf die Schwedin nicht, sie sagt: "Ich will Merkel einmal sehen, das ist ja eine so bekannte Persönlichkeit". Ist sie, Jubel brandet auf, umringt von haufenweise Personenschützern und viel CDU-Ordnern kommt Merkel zur Bühne und lässt die Zuhörer erst einmal erahnen, wie bedeutend die Wahl ist. "NRW ist wichtig für den Wohlstand in Deutschland, NRW würde als eigenständiges Land zum G20-Treffen der weltweit stärksten Wirtschaftsnationen gehören." Das müsse so bleiben, was nur die CDU garantiere – denn: "Am Berg wechselt man die Pferde nicht, und wir sind auf dem Weg nach oben."
Das müsse auch für die Kommunen gelten, denen werde es nur besser gehen, wenn die CDU "als einzige Kommunalpartei" regiere und "Jürgen Rüttgers und ich Hand in Hand weiterarbeiten können". Dass es in der Beziehung Rüttgers-Merkel auch schon einmal Dissonanzen gab – vergessen.
Merkel polarisiert, stellt fest, dass nicht die Grünen eine Energiepolitik hätten, die in die Zukunft weise, sondern die CDU. Das erste Energieeinspeisungsgesetz sei immerhin von der CDU beschlossen worden. Und auch bei der Bildung liege die CDU weit vorne, "Rot-Grün wollte in NRW 16.000 Lehrerstellen abbauen, wir haben 8.000 eingestellt". Und weil es keine Einheitskinder gebe, sei auch die Einheitsschule die falsche Antwort. Ein Credo für das dreigliedrige Schulsystem. Einheitlich ist die Reaktion darauf nicht: Applaus und Buh-Rufe. Letztere wahrscheinlich wieder von SPD-Anhängern, die nichts zu tun haben.
"Also, jetzt reicht es! schrieb am 08.05.2010 18:23 Uhr" unterstützen. Mit unserer NW geht es berichtmäßig immer weiter bergab. Diesen Artikel find ich ehrlichgesagt unter aller Kanone und frage mich, wie der Chefredakteur sowas abnicken konnte, falls er es gesehen hat. Ich empfand das, als wenn die SPD-Wähler als "RTL-gebildete" Bürger eingestuft werden.