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19.05.2010
BIELEFELD
Stadt darf nicht für den Verein bürgen, vielleicht aber fürs Stadion
Nothilfe für Arminia: Detmold legt die Latte hoch
VON JOACHIM UTHMANN UND LOTHAR SCHMALEN

Die Zentrale des in höchste Not geratenen DSC Arminia | FOTO: OLIVER KRATO

Bielefeld. Der Spielraum der Stadt, Arminia in der Not zu helfen, wird enger. Ein neuer Brief der Regierungspräsidentin stellt klar, dass die Stadt nicht für den Profisportverein oder seine Gesellschaften bürgen darf. Marianne Thomann-Stahl (FDP) schließt aber ein anderes "rechtlich zulässiges" Konzept nicht aus. Für den designierten DSC-Präsidenten Wolfgang Brinkmann (SPD) bleibt damit eine Bürgschaft für eine Stadiongesellschaft oder eine Beteiligung daran machbar.

Brinkmann hatte gestern wie der Verein noch keine Kenntnis von dem eine Woche alten Brief an Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD). Er betonte, dass die Stadt natürlich selbst entscheiden müsse, in welcher Form sie Arminia helfe. Eine Bürgschaft für eine Stadiongesellschaft sei "durchaus rechtlich zulässig."

Die Kämmerei prüft derzeit Lösungsansätze. Bis Ende der Woche erwartet Joachim Berens vom Amt für Finanzen auch das unabhängige Gutachten der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC). Der Stadtrat soll am 28. Mai entscheiden. Die Fraktionen wollen erst Anfang nächster Woche abschließend beraten. Die Grünen planen zusätzlich eine Mitgliederversammlung. Der Tenor bei den Politikern spricht derzeit eher gegen eine Unterstützung von Arminia. Am deutlichsten formuliert das CDU-Fraktionschef Rainer Lux, der ein erforderliches "überzeugendes Konzept" des DSC, den Spielbetrieb dauerhaft aus eigener Kraft weiterführen zu können, vermisst. Die Stadt, die derzeit die Bürger um Millionen "schröpfen" müsse, sei nicht die richtige Adresse für die Rettung. Lux sieht die Wirtschaft in der Pflicht: "Ich kann nur appellieren, dass sie mehr tut."

Sehr zurückhaltend bis ablehnend sind auch die Ampelkoalitionäre Grüne und FDP sowie die Bürgernähe. Harald Buschmann (FDP): "Nach derzeitigem Wissensstand können wir kein Geld geben." Ähnlich schätzt Marianne Weiß (Grüne) das Meinungsbild in ihrer Partei ein: "Der einzige, der sich pro äußert, ist Michael Vesper." Der Bielefelder Grüne ist Generaldirektor des Olympischen Sportbundes. Eher unaufgeregt sieht SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier das Thema: "Ich beteilige mich nicht an Spekulationen. Die Fraktion wird Dienstag beraten und seriös entscheiden."

Genau das fällt aber den Verantwortlichen der Stadt schwer. Zwar liegt ihnen das Berger-Gutachten des DSC vor, doch dessen Vorgaben beinhalten viele Unwägbarkeiten. Das angestrebte Refinanzierungskonzept sieht deutlich höhere Zahlungen der Wirtschaft vor, erhofft Millionen aus Spielertransfers und empfiehlt eine neue Millionen-Anleihe ab 2011. Wichtiger Punkt ist ein längerfristiges Abtragen der Schulden fürs Stadion. Denn die drücken so, dass der Fehlbetrag ohne Eingriff jährlich bis über fünf Millionen Euro steigt und das Eigenkapital 2010/2011 aufgezehrt wäre, was die Insolvenz bedeuten würde.

Träte die ein, müsste die öffentliche Hand in mehrfacher Hinsicht bluten. Denn zum einen würden zwei Landesbürgschaften in Höhe von elf Millionen Euro für den Bau der Osttribüne fällig, über die Kredite der Sparkasse (11,4 Millionen) und der Volksbank (1,8 Millionen) zu 80 Prozent gedeckt sind. Wie hoch der Schaden der Stadt wäre, ist unklar. Fest steht, dass sie eigene Forderungen in Höhe von 1,4 Millionen Euro aus dem Stadionverkauf an den Verein hat sowie 0,6 Millionen Euro aus gestundeter Grundsteuer. Insider schätzen die Gesamthöhe eines möglichen Schadens aber eher auf rund vier Millionen Euro – nicht eingerechnet spätere Kosten für ein leerstehendes Stadion.

Ein Szenario, das zur Rettung derzeit durchgespielt wird, ist eine Reduzierung des Beitrags der Stadt, wenn die Wirtschaft stärker einspringt. In einer Stadion-Gesellschaft würden nach dem Berger-Modell neben der DSC-Kommanditgesellschaft auf Aktien, die den Profibereich betreibt, Unternehmen und die Stadt vertreten sein.


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Kommentare
Ich frage mich, wie naiv einige hier sein können? Glaubt ihr denn wirklich alles was irgendwo in der Zeitung steht?
Die Politik wird in den letzten Tagen mit Sicherheit einen großen Berg Unterlagen von Arminia bekommen haben und bewertet haben.
Wenn drei Parteien (CDU, Grüne und FDP) daraufhin "Nein" sagen - werden sie wohl gute Gründe dafür haben. Denn niemand wird einfach so einen Verein "abschließen" wollen, wenn es eine realistische Chance für eine Rettung gibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Unterlagen die da im Rathaus liegen so unbefriedigend sind, dass kein Politiker (der ja für unsere Steuergelder verantwortlich ist) dafür die Hand heben wird. Und das wundert mich nicht, kennt man doch die Art wie Arminia arbeitet bereits seit vielen Jahren. Von daher wird jeder Cent für Arminia ein unseriöses Engagement sein.
Die Herren Brinkmann und Schwick, die den ganzen Mist mitverantwortet haben, sollten man schnell sehen, dass sie anderswo Geld auftreiben, aber nicht vom Steuerzahler. Den handelnden Politikern der CDU , der FDP und den Grünen wünsche ich viel Standhaftigkeit und vielleicht besinnt sich ja auch noch die SPD und lässt ihren Brinkmann mal im Regen stehen!

Auch in der Fußballbundesliga sollten endlich marktwirtschaftliche Bedingungen herrschen. Wer schlecht wirtschaftet, der muss auch die Konsequenzen tragen. So lange wie ich die Arminia begleite, dreht sich das Karussell aber nur im Kreis. Größenwahn und Schuldenaufbau, dem Image schadende Egozentriker und Weichspüler in der Führungsetage - hat es in den letzten 35 Jahren eigentlich schon über einen längeren Zeitraum andere Personen an der Spitze von Arminia gegeben? Da passt die neue Führungsriege doch prima.
Würde ein Wirtschaftsunternehmen mit annähernd soviel Mitarbeitern und einer vergleichbar negativen Außendarstellung auch nur einen Euro aus einer öffentlichen Kasse bzw. eine Bürgschaft bekommen – und das nicht zum ersten Mal? Nie im Leben! Was passiert in der freien Marktwirtschaft – der eine verschwindet und ein anderer übernimmt das Feld. Natürlich muss man abwägen, was für die öffentlichen Haushalte günstiger ist – Millionen abschreiben oder Millionen reinbuttern. Aber dieses sollte ganz ohne Emotionen für und gegen Arminia geschehen und vor allem ohne an Wählerstimmen zu denken.
Ich bin der Auffassung, dass das Image einer Stadt nicht allein von einem Fußballverein abhängt. Wichtiger sind Investitionen in Projekte, die der breiten Bevölkerung zugute kommen, zukunftsorientiert sind, eine gesundheitsfördernde Freizeitgestaltung ermöglichen und letztlich Auswirkungen auf unsere Lebensqualität haben. Damit steigert man die Attraktivität einer Stadt dauerhaft. Arminia Bielefeld hingegen hat in den letzten Jahren immer nur ein Strohfeuer entfacht. Grundlegende strukturelle Veränderungen sind leider bis heute nicht zu erkennen. Aber vielleicht braucht es hierzu erst ein jähes Ende. Und wer weiß – vielleicht entsteht dann etwas Neues, auf das die ganze Region stolz sein kann und um das man uns beneidet. Das kann von mir aus auch gerne wieder Fußball sein!

Bist du dir sicher das die Sponsoren das wissen? Der Wert des Sponsorings ist bis heute nicht wirklich beziffert. Das heißt es geht viel um Prestige und Image. Ob man da mit Arminia nach den Geschehnissen der letzten Zeit weiterkommt, wird sich sicher mancher Sponsor fragen, zu verschenken hat heute ja keiner mehr was.

Wen interessiert Goethe? Der heutige Goethe ist Ernst Middendorp o. Ä. Das ist der Wahrheit...hehe.. Nee im Ernst: Ihr meint allle Fussballer sind doof und die Theatergänger sind was besseres, nein leider nicht. Geh einmal durch die Bodelschwinghsche Stiftungen und versuch einigen mal zu erklären das es die Arminia nicht mehr gibt. Weisst du wie viele Kinder unter 10 Jahren im Durchschnitt ins Stadion gehen? Warst du schon mal auf einem Stadionfest? Wie viele KinderJugendliche aus sozial schwächeren Gegenden werden durch Fussball von einer kriminellen Laufbahn abgehalten? Wie viele Arbeitsplätze hängen am DSC? Schon mal den Zuschauerdurchschnitt der Arminia gesehen? Es gibt noch viele Gründe... Ausserdem wird das Teather nicht geschlossen. Und bei deiner Schreibweise hat das Bildungssystem bei dir wohl auch versagt. (Musste sein, wenn man so etwas von sich gibt, dann kann man zumindest die Grammatik beachten! ARMINIA MUSS ÜBERLEBEN! Ich würde auch dreistellig dafür zahlen wenn die Zukunft dann gesichert ist.

zum thema stadttheater im vergleich der kosten zu armina. wie wäre es wenn man bei den kommentaren die arminia und ihre fans betreffen, nicht von einer fankultur spricht sondern von einem fankult ich glaube das würde die diskussion doch erheblich entschärfen.
die schüco arena oder alm ist keine kulturstätte, sie ist aufgtrund ihres bekanntheitsgrades einfach kult.
was die beteiligung der stadt angeht, klart ist, eine bürgschsaft darf es nicht geben und bei einer beteiligung an einer stadionbetriebsgesellschaft müsste seiten dert stadt bare geld fließen. auch dem sind grenzen gesetzt, wie amn aus den zeilen der nw entnehmen .kann. also bleibt nur nch die wirtschaft. ob die allerdings noch bereit ist, bei dem ganzen chaos und vertuschen und bei dem selbsternannten "neuen und völlig unbelasteten" führungspersonal aufsichtsratsmitglied, seit anno tobak, brinkmann unbd schatzmeister mamerow, sich stätrker zu engagieren, steht in den sternen.
allein diese beiden herren sind für einen neuanfang nicht geeignet bzw. nicht vertrauenserweckend. als chatzmeister (finanzminister) hätte ein herr mamerow das dilemma schon früh erkenn können, das aufsichtgsratmitglied brinkmann hat sich dadurch schon disqualifiziert, in dme er sich ja so geäussert hast, er hätte bei den aufsichtsratssitzungen besser zusehen und zuhören müssen. gratulation zu diesem neuen und unbelasteten führungspersonal.



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