Bielefeld. Erstmals wird jetzt an der Universität Bielefeld eine Professorenstelle aus Studienbeiträgen finanziert. Gesucht wird ein Hochschullehrer für Betriebswirtschaftslehre an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (Wiwi). Universität, Wiwi-Studenten und Wissenschaftsministerium in Düsseldorf bewerten das positiv. Kritik kommt aus den politischen Studenten-Gremien und -Gruppen.
Laut Anzeige ist die halbe Stelle auf fünf Jahre befristet und für "Forschung und Lehre". Während Professor Fred Becker, Dekan der Wiwi-Fakultät, mit eindeutigen Vorteilen für die Studenten rechnet, gibt es Kritik vom Asta (Allgemeiner Studierenden-Ausschuss). "Die Ausschreibung ist nicht in Ordnung. Es ist gesetzlich festgeschrieben, dass Studiengebühren nur für die Verbesserung der Lehre eingesetzt werden dürfen, nicht für Forschung", sagt Lisa Brockerhoff, Asta-Referentin.
Dekan Becker verweist hingegen darauf, dass die Stelle ausdrücklicher Wunsch der Studenten an der Wiwi-Fakultät sei. "Wir haben vor über einem Jahr mit der Diskussion darüber begonnen." Bedenken seien bald ausgeräumt gewesen. Die zuständige Kommission aus acht Mitgliedern – davon vier Studenten – stimmte geschlossen dafür, "weil keine Lücke geschlossen, sondern eine zusätzliche Stelle geschaffen wird zur Verbesserung der Lehre", betont Becker. Eine Lehrleistung von sechs Semesterwochenstunden ist verpflichtend, ebenso eine "regelmäßige Anwesenheit".
Jusos erwarten "keine hochkarätigen Bewerbungen"
Der Asta ist nicht überzeugt. Er lehnt Studiengebühren – an der Uni Bielefeld sind es 350 Euro – generell ab. Zudem müsse geklärt werden, wer für Rentenansprüche und andere Zusatzkosten aufkomme. Auch die Juso-Hochschulgruppe (SPD-nah) hat sich klar dagegen positioniert. Sie zweifelt an einem positiven Effekt. Die Stelle sei "äußerst unattraktiv". "Es ist zu erwarten, dass es keine hochkarätigen Bewerbungen gibt."
Während die selbst bezahlte Professur auf politischer Ebene bei den Studenten abgelehnt wird, trifft sie auf pragmatischer Ebene, in der Fakultät, auf Zustimmung. "Unter anderem werden größere Veranstaltungen mit bis zu 250 Studenten demnächst geteilt", erklärt Becker. So sollen die etwa 1.800 Wiwi-Studenten die Verbesserungen direkt erfahren.
André Zimmermann vom Wissenschaftsministerium ermuntert die Unis zu solchen Ausschreibungen. Er skizziert den rechtlichen Rahmen: "Es ist gesetzlich festgelegt, dass Professoren-Stellen aus Studienbeiträgen wie Drittmittel (Geld von außerhalb, die Red.) behandelt werden." Das heißt: Die Stelle kommt definitiv obendrauf. Sie ist unabhängig vom gesetzlich festgelegten Betreuungsschlüssel an den Hochschulen. Landesweit gibt es laut Ministerium bisher etwa 20 solcher Professuren. "Die Resonanz ist positiv", berichtet Zimmermann.
Damit rechnet auch die Bielefelder Universitätsleitung. "Das Niveau von Lehre und Betreuung wird steigen", sagt Uni-Sprecher Ingo Lohuis. Die Verwendung der Studiengebühren für wissenschaftliches Personal über den Betreuungsschlüssel hinaus sei stets das Ziel gewesen. Bisher sind an der Uni Bielefeld laut Lohuis knapp 70 Prozent der Studienbeiträge in diese Richtung geflossen – für zusätzliche Tutoren, Hilfskräfte, Dozenten und Wissenschaftliche Mitarbeiter.
Kannst Du mir da nochmal auf die Sprünge helfen, da ist wohl einiges an mir vorbeigegangen...