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21.05.2010
BIELEFELD
Studenten bezahlen Professor
Uni Bielefeld schaltet Stellenanzeige / Geld aus Studienbeiträgen
VON ANSGAR MÖNTER

Ärgernis überfüllte Vorlesungen | FOTO: SANDRA SANCHEZ

Bielefeld. Erstmals wird jetzt an der Universität Bielefeld eine Professorenstelle aus Studienbeiträgen finanziert. Gesucht wird ein Hochschullehrer für Betriebswirtschaftslehre an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (Wiwi). Universität, Wiwi-Studenten und Wissenschaftsministerium in Düsseldorf bewerten das positiv. Kritik kommt aus den politischen Studenten-Gremien und -Gruppen.

Laut Anzeige ist die halbe Stelle auf fünf Jahre befristet und für "Forschung und Lehre". Während Professor Fred Becker, Dekan der Wiwi-Fakultät, mit eindeutigen Vorteilen für die Studenten rechnet, gibt es Kritik vom Asta (Allgemeiner Studierenden-Ausschuss). "Die Ausschreibung ist nicht in Ordnung. Es ist gesetzlich festgeschrieben, dass Studiengebühren nur für die Verbesserung der Lehre eingesetzt werden dürfen, nicht für Forschung", sagt Lisa Brockerhoff, Asta-Referentin.

Dekan Becker verweist hingegen darauf, dass die Stelle ausdrücklicher Wunsch der Studenten an der Wiwi-Fakultät sei. "Wir haben vor über einem Jahr mit der Diskussion darüber begonnen." Bedenken seien bald ausgeräumt gewesen. Die zuständige Kommission aus acht Mitgliedern – davon vier Studenten – stimmte geschlossen dafür, "weil keine Lücke geschlossen, sondern eine zusätzliche Stelle geschaffen wird zur Verbesserung der Lehre", betont Becker. Eine Lehrleistung von sechs Semesterwochenstunden ist verpflichtend, ebenso eine "regelmäßige Anwesenheit".

Jusos erwarten "keine hochkarätigen Bewerbungen"

Der Asta ist nicht überzeugt. Er lehnt Studiengebühren – an der Uni Bielefeld sind es 350 Euro – generell ab. Zudem müsse geklärt werden, wer für Rentenansprüche und andere Zusatzkosten aufkomme. Auch die Juso-Hochschulgruppe (SPD-nah) hat sich klar dagegen positioniert. Sie zweifelt an einem positiven Effekt. Die Stelle sei "äußerst unattraktiv". "Es ist zu erwarten, dass es keine hochkarätigen Bewerbungen gibt."

Während die selbst bezahlte Professur auf politischer Ebene bei den Studenten abgelehnt wird, trifft sie auf pragmatischer Ebene, in der Fakultät, auf Zustimmung. "Unter anderem werden größere Veranstaltungen mit bis zu 250 Studenten demnächst geteilt", erklärt Becker. So sollen die etwa 1.800 Wiwi-Studenten die Verbesserungen direkt erfahren.

André Zimmermann vom Wissenschaftsministerium ermuntert die Unis zu solchen Ausschreibungen. Er skizziert den rechtlichen Rahmen: "Es ist gesetzlich festgelegt, dass Professoren-Stellen aus Studienbeiträgen wie Drittmittel (Geld von außerhalb, die Red.) behandelt werden." Das heißt: Die Stelle kommt definitiv obendrauf. Sie ist unabhängig vom gesetzlich festgelegten Betreuungsschlüssel an den Hochschulen. Landesweit gibt es laut Ministerium bisher etwa 20 solcher Professuren. "Die Resonanz ist positiv", berichtet Zimmermann.

Damit rechnet auch die Bielefelder Universitätsleitung. "Das Niveau von Lehre und Betreuung wird steigen", sagt Uni-Sprecher Ingo Lohuis. Die Verwendung der Studiengebühren für wissenschaftliches Personal über den Betreuungsschlüssel hinaus sei stets das Ziel gewesen. Bisher sind an der Uni Bielefeld laut Lohuis knapp 70 Prozent der Studienbeiträge in diese Richtung geflossen – für zusätzliche Tutoren, Hilfskräfte, Dozenten und Wissenschaftliche Mitarbeiter.


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Kommentare
@Maik: "gebühren zu nehmen ist sicherlich nicht der beste weg, aber was damit allein an der fakultät sinnvolles finanziert wurde in den vergangenen dreieinhalb jahren, zeigt nunmal auch die andere seite der medaille... "

Kannst Du mir da nochmal auf die Sprünge helfen, da ist wohl einiges an mir vorbeigegangen...

@OM: Man sollte das vielleicht kombinieren. Arminia könnte zum Beispiel demnächst für Dauerkartenbesitzer kostenlose Kurse zu betriebswirtschaftlichen Themen anbieten. Wären wahrscheinlich sowieso umsonst.

bevor mir der kragen platzt einmal ein paar zeilen zu dem thema:

@JB: wer den hals aufreißen kann, der kann sich auch selbst einmischen und seinen allerwertesten in die gremien setzen. die arbeit macht sich nicht von alleine. zu bequem für ehrenamtliche arbeit, aber immer schön motzen - da haue ich gern mit dem lattenzaun zurück!

hier verhält es sich wie mit vielen pressemitteilungen: es steht nur die halbe wahrheit auf papier. differenzierter betrachtet hat diese stelle durchaus vorteile für die studierenden. allerdings ist die kommission und beteiligte studentische mitglieder sowie die fachschaft in diesem rahmen nicht dazu verpflichtet, alles im detail darzulegen. und wenn dazu auch noch rote und grüne blättchen kommen, die einen mit kanonen beschießen, dann sind wir dazu auch nicht bereit. etwas mehr nachdenken und nachfragen, dann kann man sich gern auf eine geordnete diskussion einlassen. aber wie es in den wald hineinschallt...

achso, nur um das klarzustellen: auch ich sehe das system studiengebühren differenziert. gebühren zu nehmen ist sicherlich nicht der beste weg, aber was damit allein an der fakultät sinnvolles finanziert wurde in den vergangenen dreieinhalb jahren, zeigt nunmal auch die andere seite der medaille...

das war's von meiner und unserer seite. wenn noch jemand diskussionsbedarf hat und auf anständigem niveau kommunizieren kann, sei er oder sie herzlich eingeladen, die fachschaft und die fakultät zu kontaktieren.

schönes wochenende!

Ach ja, halbe Stellen für die Wirtschaft führen zu was? Einem sich selbst reproduzierendem System das nicht eigenständige und unabhänige Forschung betreibt. Zumindest ist ein Interessenskonflikt definitiv nicht aus zu schließen. Aber bei den Nebentätigkeiten die unser Dekan betreibt geht es ja auch ohne festanstellung in der Wirtschaft. Leider kann man bei ihm nicht ruhigen Gewissens eine neutralität annehmen.

Cool, beim "dies academicus" Mittwoch hat Becker noch getönt, dass ja die finanzierungen duch Studierngebühren total unsicher sind und deshalb erstmal alles auf Eis liegt was mit den Geldern finanziert wird. Aber für die BertelsmännerInnen ist Geld da, damit diese auch noch ProfessorInn spielen dürfen? Da hat Becker der olle Meisterstratege die unerfahrenen Kids meiner Fachschaft aber mal fein genatzt, das einstimmig durch zu winken. Kaum ist z.B. ein Mann wie Ole wech ... *kopfschüttel* Aber man kann's ihnen ja mit einem Lattenzaun nach dem nächsten um die Ohren geben, sie fragen einfach nicht *seuftz*



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