Dienstag, 22.05.2012
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28.05.2010
BIELEFELD
Arminia vor dem Aus
Hauptausschuss stimmt mit Mehrheit gegen Darlehen
VON JOACHIM UTHMANN UND ARNO LEY

Die Entscheidung ist gefallen | FOTOMONTAGE: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Der schlimmste Fall scheint einzutreten. Die Stadt wird dem DSC Arminia die Nothilfe verweigern. Der Hauptausschuss stimmte gestern mit Mehrheit gegen die Gewährung des 4,85-Millionen-Euro-Darlehens an den notleidenden Fußball-Zweitligisten. Ein sichtlich geschockter Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) musste nach dreistündiger Sitzung die schlechte Nachricht verkünden. Er geht davon aus, dass Arminia damit keine Lizenz für die 2. Liga erhält und der Verein Insolvenz anmelden muss. Heute entscheidet der Rat endgültig. Obwohl die Wirtschaft gestern mitteilte, dass sie ihren Beitrag von drei Millionen Euro zum Rettungspaket leisten werde, ließen sich die Gegner nicht mehr umstimmen. Auch der Vortrag der Gutachter sowie der beiden Arminenvertreter Norbert Leopoldseder (Aufsichtsratsvorsitzender) und Andreas Mamerow (Vorstand) beeindruckte CDU, Grüne, FDP, BfB, Bürgernähe und Linke nicht mehr. Allein SPD und Clausen stimmten dafür. Der Oberbürgermeister hat wie Vertreter von Arminia und Wirtschaft auch keine Hoffnung mehr, dass noch ein Wunder geschieht. Clausen: "Es ist kein Dritter in Sicht, der für die Stadt einspringen könnte." Damit könnte die Lücke von 10,2 Millionen Euro, die der Lizenzerteilung entgegensteht, nicht mehr bis zum 2. Juni geschlossen werden. Wolfgang Brinkmann, designierter Arminen-Präsident im Fall des Lizenzerhalts, zeigte sich "überrascht", dass sich die Politik so festlegt. Trotzdem gibt er das letzte Stück Hoffnung nicht auf: "Es muss klappen."

Gegner wollen Argumentation nicht folgen

Clausens letzter Versuch, mit Zahlen die Politiker doch noch zu überzeugen, scheiterte. Seine Rechnung: Im Fall der Insolvenz kämen auf die öffentliche Hand durch Ausfall der Außenstände, Einbußen bei der Sparkasse und Fälligwerden der Landesbürgschaften Verluste von über 16 Millionen Euro zu. Dagegen würde nach Clausens Rechnung das Darlehen bei der Stadt-Tochter BBVG nur eine geringere Kreditaufnahme von fünf Millionen bedeuten, die sich im städtischen Haushalt im Jahr nur mit 75.000 Euro niederschlage. Eine Argumentation, der die Gegner nicht folgen wollten. Ein vertrauenswürdiges mittel- und langfristiges Konzept des Vereins sei nicht zu erkennen, argumentierten sie. Erhebliche Risiken der Stadt seien nicht auszuschließen. Im Fall eines späteren Abstiegs mit dann erneut möglicher Insolvenz habe die Stadt nicht nur die fünf Millionen verpulvert, sondern bliebe auch auf ihren Außenständen hängen und müsste eventuell sogar damit rechnen, für die Landesbürgschaft mit aufkommen zu müssen. CDU-Fraktionschef Rainer Lux: "Unsere Bedenken sind im Hauptausschuss eher verstärkt worden. Die grundsätzlichen Risiken für die Stadt sind zu groß." Lux sieht die Lage aber nicht so schwarz wie der OB: "Wir gehen davon aus, dass es weiterhin Profifußball in Bielefeld geben wird."

Clausen verbarg Enttäuschung nicht

Pessimistischer ist SPD-Fraktionschef Georg Fortmeier. Er zeigte sich gestern Abend "sehr enttäuscht: Nach dem 2. Juni werden alle merken, was es bedeutet, wenn Arminia weg ist." Für Clausen bedeutet das Nein einen schweren Schlag auch für die Stadt: "Uns fallen nicht nur Millionen aus der Insolvenz auf die Füße, wir haben auch ein neues großes Stadtentwicklungsproblem im Westen." Denn er könne sich schwer vorstellen, wie die Schüco-Arena künftig ohne Profifußball genutzt werden kann. Hinzu komme, dass Bielefeld einen wichtigen Imageträger, mit dem sich viele identifizieren, einen "Eventträger", der 11.000-Mitglieder hat, Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Jugendhilfeprojekte wie die Arminis verliere. Clausen verbarg nicht seine große Enttäuschung. Trotzdem bescheinigte er auch den Gegnern, sich die Entscheidung nicht leicht gemacht zu haben. Der Stadtrat wird trotz des negativen Votums heute um 15 Uhr tagen. Gespräche, die vielleicht noch Bewegung bringen könnten, seien nicht verabredet. Der Stadt fehlt aber auch noch grünes Licht aus Detmold. Die Kommunalaufsicht erklärte gestern, dass die Unterlagen nicht ausreichten. Clausen: "Wir haben aber alles weitergeleitet, was wir haben."

KOMMENTAR

Warten auf ein Wunder

VON LOTHAR SCHMALEN       Schwarzer Tag für den Bielefelder Sport: Die Hoffnung der Arminen und mit ihnen tausender von Fußballfans, dass die Stadt den DSC doch noch rettet, hat sich zerschlagen. Wenn nicht noch ein Wunder passiert und irgendein edler Ritter plötzlich fünf Millionen Euro auf den Tisch legt, geht am 2. Juni, wenn die DFL endgültig über die Lizenz für Arminia befindet, die 105-jährige Geschichte der einst stolzen Arminia zu Ende. Offenbar konnten die Befürworter in der Stadtverwaltung und die DSC-Verantwortlichen um Aufsichtsrats-Chef Norbert Leopoldseder die Gegner der Finanzhilfe in den Neinsager-Fraktionen nicht überzeugen. Im Rathaus müssen die Verantwortlichen sich fragen lassen, ob sie wirklich alles getan haben, um das Desaster zu verhindern. Die mehr als dürftige Verwaltungsvorlage für die Politiker jedenfalls war keine Hilfe für Arminia. Festzuhalten bleibt auch, dass in Detmold eine (Noch-)Regierungspräsidentin sitzt, die nicht einmal in der Lage war, zur Frage der Zulässigkeit eines Kredits für Armina ja oder nein zu sagen. Wie ein Lauffeuer sprach sich die Nachricht vom Nein zur Finanzhilfe gestern in der Stadt herum. Schon jetzt ist klar: diese Entscheidung wird die Bielefelder entzweien. Unter dem Strich bleibt: In Bielefeld wird es über Jahre keinen Spitzenfußball mehr geben, die Stadt ist ein Stück ärmer geworden, wenn, ja wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht.
Info

Live-Ticker von der Ratssitzung

Am Freitag ab 15 Uhr können Sie im Live-Ticker auf nw-news.de verfolgen, wie sich der Rat der Stadt Bielefeld entscheidet.





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Kommentare
Ha, Ha - das Griechenland in NRW. Eigentlich schade, aber jahrelanges Mismanagment und Gigantomanie haben den Klub dorthin gebracht. Wer jetzt nach den grossen Firmen als Rettern schreit, sollte sich mal angucken, wie Arminia mit genau denen historisch umgegangen ist! Ein Neu-Anfang mit neuem Klub ist viel wuenschenswerter. Hoch Sparren FC!

Könnte die NW vielleicht auch offensichtlich unsinnige Beiträge, die von "Verpulvern von Steuergeldern" sprechen oder aus Rostock kommen, einfach nicht freigeben? Man muss sich ja nicht ständig durch die ganzen von 1-2 Personen verfassten Posts wühlen.

Ihr seit schon ein witziger haufen in Bielefeld ihr wollt tatsächlich das weitere 5 mio Steuergelder in einen offensichtlich nicht überlebensfähigen Verein stecken der dann halt nächstes Jahr Insolvenz geht. ihr schreibt hier son Blödsinn vonwegen die Stadt macht sich lächerlich in Deutschland?das machen die Leute die diesen Kredit verlangen mal ernsthaft schulden mit schulden machen bekämpfen das hilft eurem Verein bestimmt. Wenn euch soviel dran gelegen ist den Verein zu retten geht an eure sparbücher und spendet alles was ihr habt aber regt euch nicht über eine mal zur Abwechslung richtige Entscheidung der Politiker auf.

Es tut echt weh zu sehen, wie Arminia von der Stadt und der Wirtschaft so im stich gelassen wird.....
Knapp 12 Mrd. € machen allein Weber, Schüco und Oetker an Umsatz pro Jahr und speisen Arminia mit lächerlichen 3 Mio. € ab...das ist einfach nur traurig und tut mir im Herzen weh, dass mein Verein untergeht...

Eine 105 jährige geschichte kann man nicht so beenden.Heut zu tage geht ein Staat bankort wie die GRIECHEN:da sind alle politiker sofort hilfsbereit.Die kosten tragen wieder die kleinen.Aber eine Geschichte von 105 jahrendauert nur 3 stunden.TRAURIG:WO IST DIE WIRTSCHAFT OETKER: SCHÜCO:GERRY WEBBER: BERTELSMANN:GLIEDEMEISTER: GOLDBECK:UND NOOOCH TAUSEND ANDERE WOOOOOOO :ZEIGT GESCHICHT



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