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09.06.2010
BIELEFELD
Über Fußball, Macht und "Plastik-Vereine"
Podiumsdiskussion zum Thema "Fußball: Wie viel Markt, wie viel Plan?"
VON STEFAN SCHELP

Sportexterten im Gespräch | FOTO: ANNIKA FALK

Bielefeld. Wo hört die Vernunft auf, wo beginnt der Wahnsinn? Wie viel Geld darf ein Fußballclub ausgeben, bevor er untergeht? Über das richtige Maß stritten gestern Abend auf Einladung des Industrie- und Handelsclubs und der Neuen Westfälischen Schüco-Manager Dirk U. Hindrichs, Schalke-Aufsichtsrat Clemens Tönnies, FC-Köln-Geschäftsführer Michael Meier, Sportfunktionär Michael Vesper und der NW-Chefredakteur Thomas Seim.

Es ist der Abend der Bekenntnisse. Der Bekenntnisse zu Arminia Bielefeld – diese Chance lässt sich in der Schüco-Arena niemand entgehen. Und der Bekenntnisse, infiziert zu sein – infiziert von der Lust am Fußball. "Ich bin doch selbst ein bisschen bekloppt", sagt Clemens Tönnies, Strippenzieher beim FC Schalke 04. "Ich bin doch Fan. Ich will Emotionen erleben." Zweiteilen müsse er sich, bekennt der Unternehmer der Fleischindustrie. "Ich muss alles tun für tollen Fußball auf dem Rasen. Aber ich muss doch auch die kaufmännischen Bedingungen dafür schaffen."

Augenzwinkernd lässt er den Zwist mit seinem Trainer Felix Magath anklingen, der gerade versucht, ihm mehr Geld für neue Spieler abzuringen. "Wir haben in der Vergangenheit viel investiert, in der Hoffnung, dass aus den Köpfen eine tolle Mannschaft wird. Damals hat das nicht funktioniert." Und heute? Da fehlt schlicht das Geld.

Hohen Transfersummen kein Problem

"Aber wie lässt sich denn in Zukunft Fußball finanzieren", fragt Moderator Dirk U. Hindrichs. "Fußball kann sich durchaus selbst finanzieren", stellt Michael Vesper fest, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. 18 Millionen Menschen pilgerten jede Saison in die Bundesliga-Stadien, 16 Millionen verfolgten Woche für Woche vor dem Fernseher, wie sich ihr Verein schlägt. "Das sind wahnsinnige Zahlen. Aber es hat sich eine Blase gebildet." Aus dieser Blase, geformt aus gigantischen Transfersummen, müsse die Luft heraus. "Geld schießt Tore – so einfach ist das nicht." Ein Verein bestehe auch aus Fans, aus Jugendarbeit und aus der Identifikation mit der Region. "Das muss zusammenkommen. Und ein Verein wie Arminia muss das packen."

Nicht die hohen Transfersummen seien das Problem, beharrt dagegen Michael Meier, Geschäftsführer des 1. FC Köln. Der Haken sei vielmehr, dass sich Bielefeld oder Dortmund ein eigenes Stadion ans Bein gebunden hätten. "Aber wenn diese Stadien nicht reprivatisiert worden wären, dann hätten wir die WM 2006 nicht hier gehabt. Dann hätten uns diese Stadien nämlich gefehlt."

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Ob es dann nicht sinnvoll sei, einfach eine für alle verbindliche Obergrenze der Budgets für Spielerkäufe einzuführen, will NW-Chefredakteur Thomas Seim wissen. "Davon halte ich gar nichts", stellt Tönnies klar. Und erzählt eine Anekdote von 1995. Damals bekam Olaf Thon bei Schalke ein Jahresgehalt von 500.000 Mark. "Wir haben gesagt: ,Das ist der absolute Irrsinn‘ und machten uns Sorgen um den Fortbestand des Vereins." Heute zahle Real Madrid 100 Millionen Euro für den Brasilianer Ronaldo. "Ja und?", fragt Tönnies. "Das Geld haben die innerhalb eines Jahres allein durch den Trikotverkauf wieder drin."

Geld ist nicht alles

So weit ist die Bundesliga noch nicht. Auf der anderen Seite: Adidas und Audi haben sich mit je 100 Millionen Euro zu zehn Prozent an Bayern München beteiligt. Richtig sei diese Entwicklung, findet Tönnies. "Vereine müssen sich öffnen, sie müssen diese Chancen nutzen", sagt er. Das Problem seien ohnehin nicht die bestens bezahlten Top-Spieler. "Das Problem ist das überbezahlte Mittelmaß."

Gut bezahlt werde gerade bei vielen "Plastik-Clubs", sagt Köln-Geschäftsführer Meier. Die TSG 1899 Hoffenheim zählt er dazu. "Aber vor denen haben wir keine Angst." Sein Verein könne andere Argumente bieten. "Als Traditionsvereine verkaufen wir Emotion pur." Bestes Beispiel: Leverkusen sei nur 14 Kilometer von Köln entfernt. "Aber wenn die in der Champions League spielen, dann geht da keiner aus Köln hin."

Geld sei eben nicht alles, wiederholt Michael Vesper. "Das ist der Unterschied zwischen Politik und Sport. Beim Sport weiß man nicht, wie es ausgeht."


Sponsoren geben 2,6 Milliarden Euro für den Sport

Gigantisch ist der Sponsoringmarkt in Deutschland. Rund 4,2 Milliarden Euro haben Unternehmen im vergangenen Jahr für das Sponsoring ausgegeben.

Den größten Anteil daran nimmt mit 2,6 Milliarden Euro das Sportsponsoring ein. Das berichtet Markus Kurscheidt, Sportökonom an der Sporthochschule in Köln.

"Führend ist der Fußball", sagt Kurscheidt. Das sei keine Überraschung, findet er. Auch aus eigener Anschauung. Kur-scheidt ist Fan von Borussia Mönchengladbach. "Und vom SC Paderborn natürlich – aus alter Verbundenheit."

65 Prozent der Unternehmen, die im Sponsoring tätig sind, stecken ihr Geld in den Fußball. Abgeschlagen folgen Handball, Basketball (je 27 Prozent) und Eishockey (24 Prozent) – wobei zahlreiche Firmen sich für mehrere Sportarten engagieren.

Die wichtigsten Player sind Kommunikationsunternehmen wie die Telekom, Energieerzeuger wie Eon, Autohersteller wie VW und Getränkehersteller wie Veltins. "Fußball ist für Sponsoren interessant, weil sich die Zielgruppe klar abgrenzen lässt", erklärt Kurscheidt. "Man erreicht Jung und Alt. Und das in einem freizeitnahen, positiven Umfeld."

Dabei nehmen die Unternehmen in Kauf, dass sich der Werbeerfolg nicht in Zahlen messen lässt. Der Werbeaufdruck auf dem Trikot verändere jedoch die Einstellung des Kunden zum Hersteller, möglicherweise greife er beim nächsten Einkauf unbewusst zur Marke seines Vereins. Oder zu dessen Bier: Weil Veltins die Arena auf Schalke zur Veltins-Arena gemacht hat, kann sie das Stadion zur größten Kneipe der Welt machen.


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Kommentare
@ Dirk: Er redet aber von einem Brasilianer. Seit wann sind Portugiesen denn bitte Brasilianer?! Äpfel sind Birnen und Fußball ist Football und nicht Soccer?
Zeugte nicht gerade von Sachverstand die Aussage! Was welcher Spieler kostet ist mir klar, ich bin mir der Tatsachen bewusst und wer hinter Real Madrid als die "königlichen" steht sollte jedem klar sein und jedem spanischen Steuerzahler, wie die Kredite von Real Madrid gedeckt werden!

@Arminenmann..habe Fedex hier in Fürth gesehen, er fiel nicht gross auf. Hast wahrscheinlich Recht, mit 2 schnellen Flügeln und Fort zum knipsen.

@ frankenwim / Die bei Transfermarkt.de genannten Preise sind doch überzogen und rein hypothetisch. Man schaue auch auf den dort genannten Marktwert unserer anderen Spieler. Diese Preise dürften kaum zu erzielen sein. Nebenbei hat die hier so oft geforderte Tranzparenz und das Breittreten unserer katastrophalen Zahlen in der Öffentlichkeit unsere Verhandlungsposition nicht gestärkt. So verständlich der Wunsch nach Offenlegung aller Zahlen auch war/ist, im Geschäftsleben kann soetwas tödlich sein

Vielleicht können wir noch Mijatovic und einen unserer Torhüter verkaufen, Katongo würde ich definitiv behalten. Ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft wieder ohne echten 10er spielen werden, vielleicht mit einer Doppel 6 (Rübe / Kerr ?). Daraus ergibt sich für den Rest der Truppe ein recht laufintensives Spiel über Außen. Katongo ist immens fleißig und hat bei hoher physischer Belastung immernoch Spielkultur. Von der Sorte haben wir leider nicht viele - nur der von vielen erhoffte Knipser ist er leider nicht.

Für Spieler wie Risgaard und Delura wird es in Zukunft mehr Einsatzzeiten und mehr Verantwortung geben. Niemand kann sich mehr hinter Fedex verstecken. Traut Ziege den Beiden dies zu? Wenn nicht wären auch sie auf meiner Streichlist ganz weit oben. Ich denke jedoch, dass dort mehr Potential ist, als wir bislang gesehen haben.

Wenn C.H. es dann noch hinbekommt Guelas ohne Frage vorhandene technischen und läuferischen Fähigkeiten taktisch besser zu nutzen, habe ich schon gar nicht mehr so große Sorge, was den sportlichen Verlauf der kommenden Saison betrifft.

Ich hoffen einfach, dass der Verkauf von Fedex kein panischer Notverkauf ist, sondern man einen Plan B (sei es taktisch oder personell) hat. Dem scheidenden Spieler wünsche ich alles Gute auf seinem weiteren Weg (und natürlich zwei miese Spiele gegen uns)

Bleibt vielleicht noch unserer Sturmproblem. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Fort behalten oder abgeben würde. Sind wir über Außen gut und kommen wir zu vernünftigen Flanken, dann wird er uns weiterhelfen. Sollten wir auf schnelle Konterstürmer setzen, sollte er gehen. Allerdings müßte seine Scorerquote erstmal gleichwertig ersetzt werden.

Auch den hier so oft gescholtenen Lamey werden wir noch vermissen. Unsere beiden Frischlinge Toure und Appiah haben zwar Potential, aber wirklich null Erfahrung. Mal schauen, wie sich diese Baustelle entwickelt.

Insgesamt bin ich guter Dinge, dass wir uns mit C.H. in Richtung Düsseldorf entwickeln und uns der Weg von Hansa erspart bleibt. Außerdem glaube ich, dass Arminia unter zweitligalauglichen Spielern immernoch eine gute Adresse ist. Es hat bislang immer (trotz leerer Kassen) zumindest mittelfristg für einen Aufstieg gereicht.

@Arminiamann...wären immer noch über 1 Mio.

@frankenwim: Der Marktwert bei Transfermarkt .de wird bei jedem Spieler viel zu hoch gehandelt. Man kann von der Summe ca. 20 % abziehen^^



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