Bielefeld. Wo hört die Vernunft auf, wo beginnt der Wahnsinn? Wie viel Geld darf ein Fußballclub ausgeben, bevor er untergeht? Über das richtige Maß stritten gestern Abend auf Einladung des Industrie- und Handelsclubs und der Neuen Westfälischen Schüco-Manager Dirk U. Hindrichs, Schalke-Aufsichtsrat Clemens Tönnies, FC-Köln-Geschäftsführer Michael Meier, Sportfunktionär Michael Vesper und der NW-Chefredakteur Thomas Seim.
Es ist der Abend der Bekenntnisse. Der Bekenntnisse zu Arminia Bielefeld – diese Chance lässt sich in der Schüco-Arena niemand entgehen. Und der Bekenntnisse, infiziert zu sein – infiziert von der Lust am Fußball. "Ich bin doch selbst ein bisschen bekloppt", sagt Clemens Tönnies, Strippenzieher beim FC Schalke 04. "Ich bin doch Fan. Ich will Emotionen erleben." Zweiteilen müsse er sich, bekennt der Unternehmer der Fleischindustrie. "Ich muss alles tun für tollen Fußball auf dem Rasen. Aber ich muss doch auch die kaufmännischen Bedingungen dafür schaffen."
Augenzwinkernd lässt er den Zwist mit seinem Trainer Felix Magath anklingen, der gerade versucht, ihm mehr Geld für neue Spieler abzuringen. "Wir haben in der Vergangenheit viel investiert, in der Hoffnung, dass aus den Köpfen eine tolle Mannschaft wird. Damals hat das nicht funktioniert." Und heute? Da fehlt schlicht das Geld.
Hohen Transfersummen kein Problem
"Aber wie lässt sich denn in Zukunft Fußball finanzieren", fragt Moderator Dirk U. Hindrichs. "Fußball kann sich durchaus selbst finanzieren", stellt Michael Vesper fest, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. 18 Millionen Menschen pilgerten jede Saison in die Bundesliga-Stadien, 16 Millionen verfolgten Woche für Woche vor dem Fernseher, wie sich ihr Verein schlägt. "Das sind wahnsinnige Zahlen. Aber es hat sich eine Blase gebildet." Aus dieser Blase, geformt aus gigantischen Transfersummen, müsse die Luft heraus. "Geld schießt Tore – so einfach ist das nicht." Ein Verein bestehe auch aus Fans, aus Jugendarbeit und aus der Identifikation mit der Region. "Das muss zusammenkommen. Und ein Verein wie Arminia muss das packen."
Nicht die hohen Transfersummen seien das Problem, beharrt dagegen Michael Meier, Geschäftsführer des 1. FC Köln. Der Haken sei vielmehr, dass sich Bielefeld oder Dortmund ein eigenes Stadion ans Bein gebunden hätten. "Aber wenn diese Stadien nicht reprivatisiert worden wären, dann hätten wir die WM 2006 nicht hier gehabt. Dann hätten uns diese Stadien nämlich gefehlt."
Ob es dann nicht sinnvoll sei, einfach eine für alle verbindliche Obergrenze der Budgets für Spielerkäufe einzuführen, will NW-Chefredakteur Thomas Seim wissen. "Davon halte ich gar nichts", stellt Tönnies klar. Und erzählt eine Anekdote von 1995. Damals bekam Olaf Thon bei Schalke ein Jahresgehalt von 500.000 Mark. "Wir haben gesagt: ,Das ist der absolute Irrsinn‘ und machten uns Sorgen um den Fortbestand des Vereins." Heute zahle Real Madrid 100 Millionen Euro für den Brasilianer Ronaldo. "Ja und?", fragt Tönnies. "Das Geld haben die innerhalb eines Jahres allein durch den Trikotverkauf wieder drin."
Geld ist nicht alles
So weit ist die Bundesliga noch nicht. Auf der anderen Seite: Adidas und Audi haben sich mit je 100 Millionen Euro zu zehn Prozent an Bayern München beteiligt. Richtig sei diese Entwicklung, findet Tönnies. "Vereine müssen sich öffnen, sie müssen diese Chancen nutzen", sagt er. Das Problem seien ohnehin nicht die bestens bezahlten Top-Spieler. "Das Problem ist das überbezahlte Mittelmaß."
Gut bezahlt werde gerade bei vielen "Plastik-Clubs", sagt Köln-Geschäftsführer Meier. Die TSG 1899 Hoffenheim zählt er dazu. "Aber vor denen haben wir keine Angst." Sein Verein könne andere Argumente bieten. "Als Traditionsvereine verkaufen wir Emotion pur." Bestes Beispiel: Leverkusen sei nur 14 Kilometer von Köln entfernt. "Aber wenn die in der Champions League spielen, dann geht da keiner aus Köln hin."
Geld sei eben nicht alles, wiederholt Michael Vesper. "Das ist der Unterschied zwischen Politik und Sport. Beim Sport weiß man nicht, wie es ausgeht."
Sponsoren geben 2,6 Milliarden Euro für den Sport
Gigantisch ist der Sponsoringmarkt in Deutschland. Rund 4,2 Milliarden Euro haben Unternehmen im vergangenen Jahr für das Sponsoring ausgegeben.
Den größten Anteil daran nimmt mit 2,6 Milliarden Euro das Sportsponsoring ein. Das berichtet Markus Kurscheidt, Sportökonom an der Sporthochschule in Köln.
"Führend ist der Fußball", sagt Kurscheidt. Das sei keine Überraschung, findet er. Auch aus eigener Anschauung. Kur-scheidt ist Fan von Borussia Mönchengladbach. "Und vom SC Paderborn natürlich – aus alter Verbundenheit."
65 Prozent der Unternehmen, die im Sponsoring tätig sind, stecken ihr Geld in den Fußball. Abgeschlagen folgen Handball, Basketball (je 27 Prozent) und Eishockey (24 Prozent) – wobei zahlreiche Firmen sich für mehrere Sportarten engagieren.
Die wichtigsten Player sind Kommunikationsunternehmen wie die Telekom, Energieerzeuger wie Eon, Autohersteller wie VW und Getränkehersteller wie Veltins. "Fußball ist für Sponsoren interessant, weil sich die Zielgruppe klar abgrenzen lässt", erklärt Kurscheidt. "Man erreicht Jung und Alt. Und das in einem freizeitnahen, positiven Umfeld."
Dabei nehmen die Unternehmen in Kauf, dass sich der Werbeerfolg nicht in Zahlen messen lässt. Der Werbeaufdruck auf dem Trikot verändere jedoch die Einstellung des Kunden zum Hersteller, möglicherweise greife er beim nächsten Einkauf unbewusst zur Marke seines Vereins. Oder zu dessen Bier: Weil Veltins die Arena auf Schalke zur Veltins-Arena gemacht hat, kann sie das Stadion zur größten Kneipe der Welt machen.
Zeugte nicht gerade von Sachverstand die Aussage! Was welcher Spieler kostet ist mir klar, ich bin mir der Tatsachen bewusst und wer hinter Real Madrid als die "königlichen" steht sollte jedem klar sein und jedem spanischen Steuerzahler, wie die Kredite von Real Madrid gedeckt werden!