Bielefeld. Es war ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie schnell ein scheinbar harmloser Mülltonnenbrand zur lebensgefährlichen Falle werden kann: Innerhalb kürzester Zeit hatten sich gestern die Flammen von einem Müllstellplatz vor einem Reihenmittelhaus an der Wohnstraße Strusen unter der Dachhaut bis unter den Giebel gefressen. Der im Garten anwesenden Familie blieb nur noch die Flucht ins Freie – zum Glück unverletzt. Doch der Dachstuhl brannte komplett aus.
Ausgerechnet am Tag nach der Feier ihrer Silberhochzeit hatten Nachbarn gegen 14.30 Uhr das Ehepaar (46/47) auf den Brand vorne an ihrem Haus aufmerksam gemacht. Niemand von ihnen hatte bis dahin die Flammen vor dem Haus, dessen Schleppdach direkt an einen umzäunten Mülltonnenverschlag angrenzte, bemerkt.
Als die Feuerwehr mit rund 40 Mann am Brandort eintraf (im Einsatz war die Berufsfeuerwehr der Wache Nord und der Hauptwache sowie die Löschabteilungen Altenhagen und Heepen), hatte sich das Feuer bereits voll unter dem Dach ausgebreitet. Eheleute wie Kinder – laut Polizei waren es zwei der vier Kinder im Alter von 12 bis 20 Jahren – konnten sich in Sicherheit bringen.
Mit Axt und Haken Dachpfannen entfernt
Für Feuerwehr-Einsatzleiter Gerald Schönwälder und seine Einsatzkräfte galt es nun in dem engen Wohngebiet, die große Drehleiter schnell in Position zu bringen. Um das Feuer unter der Dachhaut effektiv bekämpfen zu können, musste von dort oben schleunigst das Dach geöffnet werden. Während oben also mit Axt und Haken Dachpfannen entfernt wurden, bekämpften Wehrleute das Feuer von unten und über Steckleitern auch von der Rückseite des Hauses. "Das Feuer hatte sich schon bis auf die Rückseite des ausgebauten Dachstuhls ausgebreitet."
Sicherheitshalber wurden auch die Bewohner der angrenzenden Reihenhäuser herausgeführt. Ein Vater mit seinem Sohn verließen ebenso unversehrt ihr Haus, wie zwei Mischlingshunde (1 und 3 Jahre), die rechtzeitig von ihrem alarmierten Herrchen vor dem beißenden Rauch in Sicherheit gebracht werden konnten.
Trotz der routinierten Löscharbeiten war schnell klar: Der Dachstuhl des Mittelhauses ist nicht zu retten. Aber das Übergreifen der Flammen auf die Nachbarhäuser galt es zu verhindern, so Schönwälder, mit Erfolg. Mit Hilfe der Wehr hielten die modernen Brandschutzwände der Hitze stand – nicht nur zur Begeisterung der Bewohner. "Die Nachbarn hatten großes Glück", sagte Uwe Willer, Wachführer der Wache Nord, dessen Löschzug als erstes am Einsatzort eingetroffen war.
Haus ist unbewohnbar
Abgesehen von Gestank und paar kaputten Dachpfannen sei kein großer Schaden erkennbar. Im Mittelhaus allerdings war dieser beträchtlich – geschätzte Höhe: 120.000 Euro. Das Reihenhaus ist bis auf Weiteres unbewohnbar.
"Es sieht so aus, als ob sich die Flammen unter der Dachhaut nach oben gefressen haben", sagte Brandamtmann Schönwälder. "Deshalb gehen wir davon aus, dass das Feuer im vorderen Gartenbereich neben dem Schleppdach ausgebrochen ist." Die Kriminalpolizei ermittelt.