Bielefeld. Versteckt unter einer Ruinenmauer liegt ein historischer Schatz. Die Archäologen sind an der Sparrenburg auf eine aufwendig konstruierte, zweistöckige Brücke gestoßen, die die alte Burg mit dem Windmühlenrondell verbindet. Sie vermuten hier den Ursprung des Ausbaus der Festung im 16. Jahrhundert. Ab heute wird die Brücke freigelegt. Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.
"Die Brücke steht noch komplett", schließt Archäologe Werner Best aus den bisherigen Erkenntnissen. Von den Kasematten aus kann man Teile der großen Bogenbrücke sehen, auf der Burgseite sind Ansätze ausgegraben. Sie soll 10 bis 15 Meter lang sein und hatte zwei Übergänge, einen mit Gewölbe überdachten und einen offenen. "Wir wollen erkennen, wie die mittelalterliche Burg und das bereits freigelegte Zeughaus an die Rondelle angeschlossen waren", erklärt Best den Zweck der neuen Grabung: "Dann können wir die Bauabfolge der Festung beschreiben. Die bisherigen Ausschnitte sind dafür zu klein."
Die Burg, deren Anfänge im 13. Jahrhundert liegen, wurde im 16. Jahrhundert zu einer wehrhaften Festung mit vier Rondellen ausgebaut. Zeughaus, Pulverkammer und Mauern sind auf der Freifläche hinter dem Turm bereits zu sehen. Die Ansätze der Brücke fanden die Archäologen vor einem Jahr.
Weil sie aber unter der Ruinenmauer vor dem Windmühlenrondell liegt, mussten deren Abriss und das Entfernen zweier efeubewachsener Bäume genehmigt werden. Beides erfolgte jetzt, so Wolfgang Goldbeck vom Immobilienservicebetrieb (ISB) der Stadt. Die Ruine sei jüngeren Datums (18. Jahrhundert) und deshalb nicht so wertvoll. Für die Bäume gebe es Ersatzpflanzungen, die den Fledermausschutz gewährleisten.
Gestern begann die Firma Roehse & Fischer (Gütersloh) mit dem Abriss der Mauer. Für die Grabung sind erstmal acht Wochen angesetzt. Ob der freigelegte Brückenfund so wertvoll ist, dass er offen bleiben sollte, wird sich zeigen müssen.
Geschlossen ist das Loch hinter der Restaurantküche, wo die Forscher auf eine alte Latrine stießen, die viel Interessantes zum Vorschein brachte, aber auch für das stetige Absacken des Pflasters verantwortlich war. "Wir haben tolle Funde", sagt Best: "Qualitätsvolle Keramiken aus dem 16. und 17. Jahrhundert, Ofenkacheln, Glas- und Metallteile, fast komplett erhaltene Gefäße." Sie werden jetzt gereinigt und dokumentiert. Das Loch ist mit Sand verfüllt.
Nur provisorisch abgedeckt wird der angrenzende, freigelegte, wertvolle alte Bogen der Begrenzungsmauer. Denn der ganze Bereich soll neu gestaltet werden: Ein Neubau mit Kiosk und Ausstellungsraum könnte die alten Toiletten ersetzen. Dann könne auch der alte Bogen gezeigt werden, so Eva Schreiber vom ISB. Das böte zudem die Chance, den schlecht ins historische Ensemble passenden Kiosk im Innenhof abzureißen – Überlegungen, die aber kaum vor 2012 Realität werden dürften.