Bielefeld. Kreischende Mädchen, die Augen vor Glückseligkeit strahlend, eine Fangemeinde, die die Textzeilen eines jeden Songs als mannigfaltiges Echo zurückwirft – die Konzerte von "30 Seconds to Mars" grenzen an Personenkult. Nicht ganz unberechtigt tragen einige Bandshirts die Aufschrift "This is a Cult".
Auch im ausverkauften Bielefelder Ringlokschuppen genoss Hollywood-Star und Sänger Jared Leto den Rummel und sonnte sich in der Anbetung seiner Fans. Dabei wusste der umjubelte Mädchenschwarm noch nicht einmal, in welcher Stadt er sich gerade befindet. Stattdessen schrie er ins Publikum: "Hello Germany!"
Immerhin hatte er zumindest beim Land richtig geraten. Die Fans sahen es ihm nach. Auch die völlig verfehlte Frisur – Leto trägt seit Neuestem einen pinkfarbenen Iro, vielleicht aus Trotz gegen sein Prinz-Charming-Image – trug das überwiegend weibliche Publikum mit Fassung. Einen schönen Mann entstellt eben nichts, nicht einmal ein pubertär rebellischer Haarschnitt.
Musikalisch lieferten die Alternative-Rocker eine solide Leistung ab, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die Hälfte des Konzertes von Letos Fans bestritten wurde. Immer wieder, fast ein wenig zu oft, hielt der smarte Sänger mit den unerhört blauen Augen sein Mikrofon in die Menge und ließ Songs wie "Night of the Hunter" oder "The Kill" von tausenden hellen Mädchenstimmen singen.
Letzten Endes war das vielleicht keine so schlechte Entscheidung, denn Letos eigene Stimme versagte vor allem bei den hohen Tönen immer wieder. Doch auch das war den hingerissenen Fans egal. Für sie zählte nur, dass auf der Bühne der Mann ihrer Träume stand, fast zum Greifen nah. Hätte sexy Jared sie aufgefordert, vor ihm auf die Knie zu fallen, sie hätten es vermutlich getan. Denn egal, was der 30-Seconds-to-Mars-Frontmann forderte – dass alle auf die Schultern ihres Freundes klettern, dass sie einen Moshpit eröffnen, dass sie springen und klatschen – die Fangemeinde folgte ihm geschlossen. Leto ließ sich feiern, schließlich war das ja sein Konzert. Etwas Narzissmus steckt wohl in jedem Künstler.
Zu guter letzt dürfte der Mann mit dem pinkfarbenen Iro noch einigen Fans eine schlaflose Nacht bereitet haben. Während der letzten Zugabe "Kings and Queens" holte er 20 völlig ahnungslose Zuschauer aus den vorderen Reihen auf die Bühne, die daraufhin total aus dem Häuschen gerieten.
Gemeinsam mit ihnen und den Zuschauern im Saal sang Jared Leto den letzten Refrain des Songs. Dabei schienen es einige auf der Bühne mit der Tuchfühlung zu übertreiben, denn Leto warnte: "Don’t molest me". Nähe zu den Fans ja, aber bitte ohne Grabbeln. Für die treuen Gefolgten des Hollywood-Stars hat sich der Abend im Ringlokschuppen sicher gelohnt. Der Sound war gut gemischt und live verliehen 30 Seconds to Mars ihren Songs noch einmal wesentlich mehr Dynamik als bei den Albumversionen.
Es war ein Abend zum Träumen, zum Schwärmen und zum Feiern. Nichtsdestotrotz: Weniger Rockstar-Allüren und etwas mehr Bescheidenheit würden den Jungs gut zu Gesicht stehen.
Und natürlich wusste er in welcher Stadt er war, aber es ist halt nicht leicht das imem auszusprechen und dann lässt man es lieber bevor man was flasches sagt.
Also ich fand das Konzert super, vorallem nach so einem Tourmarathon.