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23.06.2010
BIELEFELD
Hollywood-Star Jared Leto in Bielefeld
Schauspieler rockt mit seiner Band "30 Seconds to Mars" den Ringlokschuppen
VON BABETT JAHN

Sahneschnitte | FOTO: SARAH JONEK

Bielefeld. Kreischende Mädchen, die Augen vor Glückseligkeit strahlend, eine Fangemeinde, die die Textzeilen eines jeden Songs als mannigfaltiges Echo zurückwirft – die Konzerte von "30 Seconds to Mars" grenzen an Personenkult. Nicht ganz unberechtigt tragen einige Bandshirts die Aufschrift "This is a Cult".

Auch im ausverkauften Bielefelder Ringlokschuppen genoss Hollywood-Star und Sänger Jared Leto den Rummel und sonnte sich in der Anbetung seiner Fans. Dabei wusste der umjubelte Mädchenschwarm noch nicht einmal, in welcher Stadt er sich gerade befindet. Stattdessen schrie er ins Publikum: "Hello Germany!"
  Immerhin hatte er zumindest beim Land richtig geraten. Die Fans sahen es ihm nach. Auch die völlig verfehlte Frisur – Leto trägt seit Neuestem einen pinkfarbenen Iro, vielleicht aus Trotz gegen sein Prinz-Charming-Image – trug das überwiegend weibliche Publikum mit Fassung. Einen schönen Mann entstellt eben nichts, nicht einmal ein pubertär rebellischer Haarschnitt.

Musikalisch lieferten die Alternative-Rocker eine solide Leistung ab, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die Hälfte des Konzertes von Letos Fans bestritten wurde. Immer wieder, fast ein wenig zu oft, hielt der smarte Sänger mit den unerhört blauen Augen sein Mikrofon in die Menge und ließ Songs wie "Night of the Hunter" oder "The Kill" von tausenden hellen Mädchenstimmen singen.
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Letzten Endes war das vielleicht keine so schlechte Entscheidung, denn Letos eigene Stimme versagte vor allem bei den hohen Tönen immer wieder. Doch auch das war den hingerissenen Fans egal. Für sie zählte nur, dass auf der Bühne der Mann ihrer Träume stand, fast zum Greifen nah. Hätte sexy Jared sie aufgefordert, vor ihm auf die Knie zu fallen, sie hätten es vermutlich getan. Denn egal, was der 30-Seconds-to-Mars-Frontmann forderte – dass alle auf die Schultern ihres Freundes klettern, dass sie einen Moshpit eröffnen, dass sie springen und klatschen – die Fangemeinde folgte ihm geschlossen. Leto ließ sich feiern, schließlich war das ja sein Konzert. Etwas Narzissmus steckt wohl in jedem Künstler.

Zu guter letzt dürfte der Mann mit dem pinkfarbenen Iro noch einigen Fans eine schlaflose Nacht bereitet haben. Während der letzten Zugabe "Kings and Queens" holte er 20 völlig ahnungslose Zuschauer aus den vorderen Reihen auf die Bühne, die daraufhin total aus dem Häuschen gerieten.

Gemeinsam mit ihnen und den Zuschauern im Saal sang Jared Leto den letzten Refrain des Songs. Dabei schienen es einige auf der Bühne mit der Tuchfühlung zu übertreiben, denn Leto warnte: "Don’t molest me". Nähe zu den Fans ja, aber bitte ohne Grabbeln. Für die treuen Gefolgten des Hollywood-Stars hat sich der Abend im Ringlokschuppen sicher gelohnt. Der Sound war gut gemischt und live verliehen 30 Seconds to Mars ihren Songs noch einmal wesentlich mehr Dynamik als bei den Albumversionen.

Es war ein Abend zum Träumen, zum Schwärmen und zum Feiern. Nichtsdestotrotz: Weniger Rockstar-Allüren und etwas mehr Bescheidenheit würden den Jungs gut zu Gesicht stehen.


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Kommentare
Haha, Stimme versagt. Er hat odch wohl super gesungen. Und man sollte bedenken, daß die Jungs das ganze Jahr über pausenlos Touren und Jared die meiste Zeit davon erkältet war. Dafür hat er wirklich super gesungen und sowieso eine fantastische Show hingelegt. Und ihnen sind ide Fans eben wichtig und sie beziehen sie überall mit ein, eben auch im Singen und wenn man es genau weiß, sind die Fans ja auch auf den Songs mit drauf, dann sollten sie ja wohl auch live mitsingen. Und das styling sollte ja wohl nicht das wichtigste an einem Konzert sein, er ist halt so wie er ist. Er dachte halt, daß die Fans so ne verrückte Frisur cool finden, was die meisten ja auch tuen.
Und natürlich wusste er in welcher Stadt er war, aber es ist halt nicht leicht das imem auszusprechen und dann lässt man es lieber bevor man was flasches sagt.
Also ich fand das Konzert super, vorallem nach so einem Tourmarathon.

@Dina: Vielen Dank für Deine Darstellung! Ich bin sehr froh, dass sich hier jemand ohne verklärten "Jared-Leto-Hollywood-Superstar"-Blick äußert! Ich habe meine Umgebung seit Wochen mit meiner Vorfreude auf dieses Konzert verrückt gemacht - allen musste ich nun erzählen, wie schlecht es war! Shannon und Tomo haben live wirklich alles gegeben, Jared sollte sich wieder mehr der Musik als seiner Person zuwenden. Dann klappt es auch wieder mit der Live-Stimmung. Ersten Berichten zufolge waren die beiden Akustik-Sets der Band am Mittwoch und Donnerstag erfolgreicher. Ich liebe diese Band immerhin für ihre Musik, die mich einfach mitreißt - genau das wollte ich auf dem Konzert mit ihnen teilen. Das hat Jared mit seinem gockelhaften Auftreten echt vermasselt. Der beste Mann am Platz war der Lichttechniker, der so derbe abgegangen ist!

Der Artikel trifft es ganz gut, obwohl er natürlich doch noch recht zahm ist...Ja, ich war auch da. Leider. War eines der schlechtesten und peinlichsten Konzerte, die ich je erlebt habe. Und nur die völlig gehirngewaschene "Echelon"-Mädels (die schockierenderweise ja auch weit über 20 Lenze zählen teilweise) sind so begeistert von der Jared-Leto-Show. Und mehr ist es nicht. Ein Narzisst und Gockel, der sich an sich selbst berauscht und dem einer abgeht, weil seine dummen Fans alles machen was er sagt. Er hat auf der Bühne mehr gelabert als gesungen und wie peinlich und klischeebeladen. Und er hat eigentlich keinen Song selbst gesungen, sondern die kreischenden Fans "durften" das für ihn übernehmen. Schön, dass man dafür zahlt, die Fans gröhlen zu hören. Jared sollte sich vielleicht doch mal überlegen, ob er nicht weniger im Studio zaubern und tricksen lässt, wenn er live die hohen Töne nicht singen kann.
Kurzum, einfach nur ein Egomane auf der Bühne, und die Weiber fallen darauf rein!
Und mit Ende 30 es so nötig haben, zu zeigen wie "crazy" und unkonventionell man ist, indem man einen lächerlichen pinken Iro trägt, ist einfach so schlecht.
So, ich freu mich schon auf die Jared-Fans (die so run als ging es ihnen nur um die Musik), die weiter kommentieren, wie toll es doch war und dass Jared so ein großartiger Frontman ist.
Soll er lieber zurück nach Hollywood und sich mit anderen aufgeblasenen (...) umgeben.
Tja, schade. Ih mochte einige ihrer alten Songs, aber die spielen sie ja eh nicht mehr, weil die wohl den ganzen Fangirls zu spacig oder zu hart sind.

Keine Panik, alles subjektiv. Ich habe das Konzert etwas anders erlebt als Taka und als die Dame von der NW. Klar stand Jared in Rampenlicht, während der Rest der Band nur Schatten waren, was ich immer sehr schade finde. Das Jared das Publikum angepflaumt hat, ist mir entgangen, aber er hat es aufgepeitscht, immer wieder gefordert. Wenn er dabei 100 mal in irgendeiner Form das böse amerikanische F-Wort verwendet hat, von mir aus. Musikalisch fand ich das Konzert viel viel besser als erwartet. Da war absolute Live-Power da. Und den Sound fand ich gut. Ebenso wie die nicht zu überkandidelte Lightshow. Wenn Jared stinkig war, dann vielleicht, weil auf dem Weg zur Bühne ein Spiegel hing. Mit seiner Iro-Frisur, der Sonnenbrille und dem Jacket sah er aus wie eine Comic-Figur, die Karrikatur eines Punks. Aber vielleicht ist das ja auch die Einstimmung auf seinen nächsten Film. Das Konzert hätte ruhig etwas länger dauern können, das waren keine 2 Stunden. Das er den Ort nicht wusste oder nicht aussprechen konnte/wollte fand ich schlapp und schon arrogant gegenüber den Leuten, die ihn fürstlich bezahlen. Dennoch: Unterm Strich fand ich es ein toller Konzert.

@Tschakka: Wenn hier die schlichtweg schlampige Recherche und fehlerhafte Darstellung der Verfasserin aufgezeigt werden und daran anknüpfend ein konstruktiver Verbesserungsvorschlag unterbreitet wird, hat das wenig mit mangelnder Bescheidenheit zu tun. Demut und Bescheidenheit laufen ins Leere so sie nicht richtig platziert sind. Wenn die NW solche mangelhaften Artikel veröffentlicht, darf das nicht unkritisiert bleiben.



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