1.200 Schüler informieren sich bei Berufsberatungsmesse in der Stadthalle / Zahl der Ausbildungsplätze steigt um 11,4 Prozent
Bielefeld. Für Vivian Fritsch ist eines ganz klar: Sie will Schauspielerin werden. Oder eine Ausbildung in der Logistikbranche machen. Vielleicht ist aber auch ein Fachabitur mit Wirtschaftsbezug die beste Wahl. Gestern besuchte die 15-jährige Rheda-Wiedenbrückerin so wie hunderte Schüler die Berufsberatungsmesse "vocatium" in der Stadthalle – und war überrascht von dem Angebot, das Interessierte heute noch bis 14.45 Uhr kostenlos nutzen können.
"Als wir vor zwei Wochen in der Schule ein Vorgespräch hatten, haben alle gedacht: schon wieder so eine Berufsberatungsmesse", sagt sie. "Wir haben uns das total öde vorgestellt." Doch es kam anders.
"Das ist soll kein weiterer freier Tag sein, an dem die Schüler Bonbons und Kugelschreiber einsammeln", sagt der Schirmherr und Chef der Bielefelder Agentur für Arbeit, Thomas Richter. Zahlen, die die Dringlichkeit der Situation in Bielefeld zeigen, hat er auch parat: Im Juni hätten noch 2.300 unversorgte Bewerber knapp 900 freien Ausbildungsplätzen gegenüber gestanden.
Dabei sei die Gesamtzahl der angebotenen Ausbildungsplätze im Vergleich zum Vorjahr um 11,4 Prozent angestiegen. Richter: "Die Betriebe haben erkannt, wen ich heute nicht einstelle, habe ich in drei Jahren nicht als Fachkraft."
Dr. Roderich Stintzing, der die Messe als Geschäftsführer des Rietberger Instituts für Talententwicklung (IfT) organisiert, betont die Besonderheit des Konzeptes. "Solche Messen gibt es wie Sand am Meer", sagt er. "Uns geht es jedoch darum, wirklich ergiebige Gespräche hinbekommen."
Die kostenlose Messe ist heute auch für nicht angemeldete Schüler oder Schulabgänger offen, die noch einen Ausbildungs- oder Studienplatz suchen. Öffnungszeit: 8.30 Uhr bis 14.45 Uhr. Weitere Infos im Internet: www.erfolg-in-beruf.de
Die sollen im Foyer der Halle an den 30 Ständen von Hoch- und Berufsschulen, Firmen und Institutionen stattfinden, wo Beraterteams die Schüler informieren. Besonderheit: Bis zu vier Gespräche pro Besucher sind vorab fest verabredet worden. Das soll sowohl den rund 1.200 angemeldeten Schülern als auch ihre Ansprechpartnern ermöglichen, sich vorzubereiten – ein Konzept, das sich bewährt hat, bevor es jetzt in Bielefeld zum Einsatz kommt. Allein 2010 hat das IfT zwischen Flensburg und München 27 vergleichbare Messen organisiert.
Vivian hat zwischen dem zweiten und dritten Beratungsgespräch noch einen Moment Zeit und genießt vor der Stadthalle die Sonne. "Das letzte Gespräch war echt lang, aber auch total gut", sagt sie. Loni Buchstäber-Steinke vom Rudolf-Rempel-Berufskolleg hatte dem Mädchen die dreijährige Ausbildung zur Kauffrau für Spedition und Logistik nahe gelegt. "Eine sehr interessante Option", findet die 15-Jährige. "Aber seit ich denken kann, will ich eigentlich Schauspielerin werden."
Ein Gedanke, den sie im nächsten Gespräch erwähnen will, das hat sie sich vorgenommen. Dann verabschiedet sie sich, in wenigen Minuten beginnt ihr Termin mit einem Berater der Agentur für Arbeit.