Bielefeld. Ein Rock-Konzert auf dem Flur, eine Capoeira-Vorführung in der großen Halle, ein live gespielter Einblick in die Musikgeschichte – zur "Nacht der Klänge" verwandeln sich die nüchternen Betonmauern der Uni Bielefeld einmal im Jahr in eine Bühne für ungewöhnliche Sinneserfahrungen. Tausende Besucher, teils Neulinge, teils langjährige Fans der "Nacht der Klänge" haben sich am Freitagabend in der Uni Bielefeld eingefunden.
Schon auf den Parkdecks und auf dem Weg über die Stadtbahn-Brücke werden die Besucher von treibenden Trommelrhythmen und afrikanischen Gesängen empfangen. Unter den Platanen vor dem Uni-Eingang hat die Gruppe "Yankadi" ihr Lager aufgeschlagen.
Mit Djemben und Basstrommeln entführen die Percussionisten ihr Publikum in die Weite Afrikas. Fasziniert vom hypnotischen Rhythmus und den barfüßigen Tanzeinlagen der in farbenfrohe Ethno-Gewänder gekleideten Musiker bleiben viele Besucher erst einmal neugierig stehen, um das bunte Treiben zu beobachten.
Doch auch im Uni-Gebäude selbst hat das Ästhetische Zentrum der Uni Bielefeld wieder ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt. An 24 Stationen entlang des mit Pfeilen markierten Klangpfades erwarten die Gäste bei ihrem Rundgang durch die Uni die unterschiedlichsten Höreindrücke – mal laut, mal leise, mal harmonisch, mal schrill.
So lassen vier Musiker unter dem Titel "Future Champions of Equestrian Events" im Hörsaal 16 mit elektronischen Instrumenten, Maultrommel oder Glockenspiel ein schräges Klangerlebnis entstehen. Die Musiker haben ihre Kleidung mit Neonfarbe bemalt und tragen ebenfalls bemalte Papp-Masken, so dass im dunklen Hörsaal unterm Schwarzlicht vier leuchtende Strichmännchen auf der Bühne stehen. Zeitgleich flimmern hinter ihnen psychedelische Bilder über die Videoleinwand – ein grelles, aber ungewöhnliches Sinneserlebnis.
Karibisch wird es hingegen in der Schwimmhalle. Dort hat das Steelorchester "Port of Pan" hinter den Startblöcken seine Instrumente aufgebaut. In der tropisch feucht-warmen Luft des Schwimmbads fehlt zu den Calypso-Rhythmen von "Port of Pan" eigentlich nur noch ein Sandstrand und ein wenig Meeresrauschen, um die Urlaubsstimmung perfekt zu machen. Spätestens beim Laid-Back-Klassiker "Sunshine Reggae" wippen auf der Zuschauertribüne alle mit den mehr oder weniger nackten Füßen.
Im Flur neben dem Audimax gibts unterdessen das Kontrastprogramm: scheppernder Indie-Rock von "7 Days Awake". Ohne viel Brimborium drumherum sorgen Valera Igla, Simon Vegaz und Hell-g mit lauten Gitarren und dröhnenden Drums für den Tinnitus danach – in Bahnhofshallenatmosphäre.
Die Besucher sind sich einig: Die Nacht der Klänge ist eine Erfahrung, die sich lohnt. "Ich bin schon das dritte Mal hier und immer noch überrascht, was hier alles angeboten wird", sagt Besucherin Anna Vingskes. "Mich hat die Aufführung im Schwimmbad am meisten beeindruckt", findet Simone Plieth, die zum ersten Mal die Nacht der Klänge besucht. Leider habe die Zeit nicht ausgereicht, um alle 24 Stationen und die Aufführungen in der Uni-Halle sehen zu können: "Ich habe mir einige Bands herausgepickt." Eine Taktik, die bei diesem Musik-Marathon immer ratsam ist.
Zugaben waren leider nicht möglich, weil die Zeit ablief.