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27.07.2010
Todesopfer der Loveparade
Dennis aus Bad Oeynhausen und Marie-Anjelina aus Bielefeld
VON JENS REICHENBACH UND PETER STEINERT

Opfer aus OWL

Bielefeld/Bad Oeynhausen. Sie hatten noch so viel vor. Dennis (18) aus Bad Oeynhausen hoffte auf einen Ausbildungsplatz, Marie-Anjelina (19) aus Bielefeld stand im zweiten Lehrjahr zur Bäckerin. Beide starben am Samstag auf der Loveparade.

Seit Sonntagabend haben die Angehörigen der 20 Todesopfer von Duisburg die schreckliche Gewissheit, dass ihre Lieben nicht mehr lebend zurückkehren werden. Auch in Ostwestfalen haben in zwei Familien und Freundeskreisen Trauer und Verzweiflung die bange Ungewissheit vom Abend des Unglücks jäh abgelöst.

Was ist mit Dennis? Die Frage stellen sich seit dem späten Samstag die Mutter, die beiden Schwestern und der ältere Bruder immer wieder. Und immer öfter.

Der 18-Jährige war am frühen Samstag mit einem der ersten Regionalzüge von Bad Oeynhausen nach Duisburg zur Loveparade gefahren. Dennis mittendrin. Kein Telefonat seitdem. Keine Rückmeldung von ihm oder den fünf Freunden, mit denen er sich das NRW-Zugticket geteilt hatte.

Sonntagnachmittag, kurz vor 17 Uhr, die bittere Gewissheit. Polizisten überbringen der Familie die Nachricht, dass Dennis unter den bis dahin 19 Menschen ist, die im Zugangsbereich zum Festival-Gelände ums Leben gekommen sind. Die alleinerziehende Mutter erleidet einen Nervenzusammenbruch, steht unter ärztlicher Betreuung.

"Ich habe seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen und nichts gegessen", erzählt sein väterlicher Freund Holger K. (Name der Redaktion bekannt), der von Dennis regelmäßig besucht wurde. Zuletzt in der Nacht zum Todestag. "Ich habe ihm noch Reiseproviant mitgegeben. Erdnüsse, ein Kräuterbaguette und den Ziegenkäse, den er so gerne aß", sagt K., stützt seinen Kopf in beide Hände. Er ist fassungslos.

"Dennis hat sich seit Wochen auf die Loveparade gefreut. Am Freitag kam er traurig zu mir und meinte, dass aus dem Trip nach Duisburg wohl nichts werden würde, weil ihm das Geld dafür fehle. Ich habe ihm dann noch einen Schein zugesteckt, damit er überhaupt fahren konnte", stöhnt der 51-Jährige, der sich jetzt selber hartnäckige Vorwürfe macht.

Erst in der Nacht zum Sonntag erfährt der Bad Oeynhausener vom Unglück auf der Loveparade. Umgehend beschleicht ihn ein ungutes Gefühl. K. greift sich sein schwarzes Tastentelefon. Doch sämtliche Versuche über die von den Behörden geschaltete Notrufnummer schlagen zunächst fehl."Ich habe zweieinhalb Stunden gebraucht, um durchzukommen", erzählt K., der dann endlich dem Gesprächspartner die Personenbeschreibung von Dennis durchgeben kann: "Etwa 1,90 Meter groß, kurze dunkelbraune Haare. Keine besonderen Auffälligkeiten. Außer dass er für sein Alter auffallend schlechte Zähne hat."

K. hatte den Jugendlichen vor fünf Jahren kennengelernt. "An der Kirche in Eidinghausen war das." Seitdem sehen sich die beiden ungleichen Männer immer wieder, vertiefen die Freundschaft. "Irgendwann war der so etwas wie mein eigener Sohn", versucht der Frührentner zu erklären.

Er erlebt mit, wie Dennis die Hauptschule besucht. Wie er neben der Schule erfolgreich ein Praktikum absolviert. Hört von der neuen Freundin aus Werste. Bemerkt, dass Dennis zuversichtlich in die Zukunft schaut und auf eine Lehrstelle bei McDonald’s hofft.

"Ich habe Dennis auf seinem Weg zum Erwachsenwerden begleiten wollen", sagt Holger K. mit leerem Blick. "Seit dem 30. April ist er 18 Jahre. Er ist erwachsen. Und jetzt?"

Nur einen Zettel hingelegt

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Die 19-jährige Marie-Anjelina aus Bielefeld-Sieker hatte ihrem Patenonkel, bei dem sie seit dem beruflichen Weggang ihrer Mutter nach Österreich lebte, nur einen Zettel hingelegt: "Wir sind nach Duisburg gefahren."

Mit zwei Freunden habe sich seine lebenslustige Enkelin, die in Gütersloh-Friedrichsdorf gerade eine Bäckerlehre absolvierte, zur Loveparade aufgemacht, sagte ihr Großvater Alfred.

Erst vor einer Woche hatte seine Kleine den 74-Jährigen besucht, aus ihrem schwungvollen Leben berichtet: "Die sind häufiger mal einfach losgefahren – zuletzt nach Köln, diesmal eben nach Duisburg."

Er selbst habe gar nicht gewusst, dass seine Enkelin zur Loveparade gefahren war. Sie hörte eigentlich gar keine Techno-Musik, so der Opa. "Ich habe im Fernsehen noch das ganze Unglück verfolgt." Erst am Sonntagabend habe ihn dann der Anruf des Patenonkels mitten ins Herz getroffen. Ein Polizist habe gesagt, die junge Bielefelderin gehöre zu den ersten Todesopfern in Duisburg.

Als Maries Mutter über den Patenonkel die schreckliche Nachricht erreichte, brach sie am Telefonhörer zusammen. Heute wolle sie dennoch nach Bielefeld anreisen – um von ihrer Tochter Abschied zu nehmen. Zu ihrem Vater hatte die junge Bielefelderin nie Kontakt.

"Es ist unfassbar schrecklich. Marie-Anjelina ist in der Menge niedergetrampelt und an den Haaren gezogen worden", berichtet Opa Alfred über die Schilderungen, die ihm gemacht wurden. Als Maries Freund sie endlich wieder in dem chaotischen Gedränge habe erreichen können, um sie nach oben zu ziehen, war die 19-Jährige bereits bewusstlos. Die Reanimation sei den Rettern nicht mehr gelungen, so der gebürtige Kärntner. Die Stimme des Großvaters, bei dem Marie-Anjelina zeitweise aufgewachsen ist, stockt.Auf dem Küchentisch des erschütterten Großvaters steht bereits ein Foto der Toten. Stirnfransen kitzeln ihre Augenbrauen. Wenn sie lächelt, deuten sich leichte Grübchen an. Vor den goldenen Bilderrahmen hat der 74-Jährige einen kleinen Stofftiger gelegt. Auf seinem Hemd ist zu lesen: "Opa ist der Beste." "Den hat mir Marie früher geschenkt, ich habe ihn immer aufgehoben."

Auch ihre Freundinnen, die inzwischen von dem schrecklichen Unglück erfahren haben, ringen um Fassung. Im Internet-Netzwerk "Facebook" tauschen sie sich aus. Eine Freundin über den plötzlichen Verlust: "Ich stehe immer noch unter Schock. Sie hatte so viele Träume. Warum denn Sie?"

Eine andere berichtet: "Ich habe noch am Samstag mit ihr telefoniert. Ruhe in Frieden, Marie-Anjelina. Wir werden dich vermissen."

Marie-Anjelina hat in Bielefeld die Sonnenhellwegschule und eine Hauptschule im Osten der Stadt besucht. Ihr erstes Lehrjahr zur Bäckerin hatte sie gerade abgeschlossen. Sie wurde nur 19 Jahre alt. Dabei hatte sie noch so viel vor.

Eine weitere Freundin schreibt bei "Facebook": "In unserem Herzen lebst du weiter, vergessen wirst du niemals sein."    

Mehr zum Thema in nw-news.de

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Kommentare
Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern ...

@ Tobi

Du kannst die Vögel der Trauer nicht daran hindern, über deinem Haupt zu kreisen -

wohl aber daran, in deinem Haaren Nestern zu bauen (chinesisches Sprichwort)

dies habe ich mal bekommen und es hat mir sehr viel geholfen.

naja, der Titel lockt sich nicht. die überschrift ist ja eigentlich das harmloseste an diesem artikel. aber das er hier offenbar seit drei tagen unverändert steht, finde ich wesentlich schlimmer und zeigt wieder einmal mehr das niveau dieser zeitung wenn es um kritik geht. aber da hofft man eher auf mehr leser=mehr klicks=mehr werbeeinnahmen. anders ist das nicht zu erklären.

@HeBu... Ich glaube schon, daß ich ein aufgeklärter Mensch bin und gebe offen zu, daß ich den Pressekodex von 1973 nicht im Detail kenne.
Aber Du kennst Ihn ja zum Glück und kannst den gelernten Journalisten hier mal richtig auf die Finger kloppen! Der Titel des Artikels lockt ja schon sensationsgeile Leser an. Was kann man da schon erwarten. Laßt uns nicht weiter über diese Schreiberlinge streiten! Es sind junge Menschen unnötig gestorben, und die Verantwortlichen müssen vor Gericht. Basta !

Warum..???

Warum musste es passieren...??
Ich kann es nicht verstehen, diese Katastrophe war voraus zu sehen... Es war KEIN Platz für diese Menschenmenge, aber es wurde genehmigt..??

WARUM...???

Sie fehlt mir..!!!

Ich habe es gerade gesehen, ich bin sprachlos...

Warum gerade diese Menschen, warum musste überhaupt jemand sterben..

Für mich persönlich lsst Marie eine große Lücke in meinem Leben...

Es ist so schwer....



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