Bielefeld. Der 21-jährige Robin Nitsche aus Heepen ist außer sich. Er steckte mittendrin in der Loveparade-Panik. Eine junge Frau wurde direkt vor ihm bewusstlos und trotzdem konnte er ihr nicht helfen. Allein das war schockierend genug. Doch als Nitsche tags darauf die Ausreden und Ausflüchte der Verantwortlichen im Fernsehen hörte, platzte ihm der Kragen.
"Von 30 Fragen haben die höchstens eine wahrheitsgemäß beantwortet", sagt der gelernte Koch, der mit einer Gruppe von Freunden nur ein friedliches Tanz- und Musikfest feiern wollte. Stattdessen erwartete ihn ein Tanz in Todesgefahr. "Umso stinkiger bin ich nach dieser Pressekonferenz: Die Verantwortlichen dort reden nur Müll. Dabei haben die doch offensichtlich Fehler gemacht."
Der 21-jährige hatte schon vor der größten Panik seine Freunde im Gedränge verloren. "Durch den Tunnel sind wir noch ganz gut durchgekommen, aber am Aufgang wurde es dann schrecklich."
Gerade mal 10 bis 15 Meter von der inzwischen zu trauriger Berühmtheit gelangten Treppe hatte er festgesessen – und tatenlos mitansehen müssen, wie ein Mädchen ("18 oder 19 Jahre alt") vor ihm das Bewusstsein verlor. "Sie war direkt vor mir, aber ich habe meine Arme nicht hochbekommen, um ihr zu helfen." Der 21-jährige brauchte eine gefühlte Ewigkeit ("ich schätze zehn Minuten"), bis er endlich die Arme hochbekam, um die junge Frau wieder zurückzuholen: "Sie war minutenlang weg." Erst als er ihr auf die Wangen gehauen habe und ein anderer Besucher Wasser über sie gekippt hatte, sei sie wieder zur Besinnung gekommen.
"Wer nach unten rutschte oder sich nach verlorenen Schuhen oder Handys bückte, war verloren", so Nitsche. Deshalb zog er das völlig entkräftete Mädchen zurück in den Tunnel, dort verlor er sie aber: "Ich habe sie nicht mehr wiedergefunden."
Obwohl er wegen seines Asthmas Atemschwierigkeiten bekommen hatte, war er die meiste Zeit in dem Gedränge konzentriert. Um ihn rum hätten zahlreiche Frauen geschrieen, aber auch Männer seien in Tränen ausgebrochen. Die Polizisten oben hätten zwar die Hilferufe gehört und gesehen, aber helfen konnten die auch nicht.

















