Der Bielefelder Stefan Rinn überlebt seine schwere Krankheit durch Hilfe aus Kanada
Bielefeld. Zweimal klopfte der Tod an die Tür von Stefan Rinn. Zweimal schaffte er es, ihm zu entkommen. Das wäre nicht möglich gewesen ohne die grenzenlose Unterstützung seiner Frau Ulrike – und einer lebensrettenden Knochenmarkspende. Auf der ganzen Welt suchten Ärzte einen Blutsverwandten, in Kanada fanden sie ihn.
"Was ich empfinde, ist nicht zu beschreiben", sagt Stefan Rinn. Dankbarkeit sei ein zu schwaches Wort, um die Knochenmarkspende des Kanadiers Jerry Fleming zu beschreiben. "Er hat mir das Leben geschenkt", sagt der 54-Jährige. In jeder Sekunde ist ihm die Freude darüber, dass er wieder gemeinsam mit seiner Frau im Wohnzimmer sitzt, anzumerken. Es sind solche kleinen Dinge, die er nach seinem langen Leidensweg zu schätzen weiß.
Der Schock kam im Juli 2002. Stefan Rinn ist of müde und abgeschlagen. Die Diagnose: Akute myeloische Leukämie. Im Volksmund bekannt als Blutkrebs. Kurze Zeit später beginnt die Chemotherapie. Im November entließen ihn die Ärzte mit der guten Nachricht, dass er geheilt sei.
"Da bin ich dem Tod zum ersten Mal von der Schippe gesprungen", sagt Rinn. Sein Leben geht in den folgenden Jahren einen normalen Gang. Aber Angst ist ein stetiger Begleiter. "Jedes Mal, wenn er kränkelte, fürchteten wir, dass der Krebs zurückkehrt", sagt seine Frau.
Vier Jahre später geht es dem 54-Jährigen plötzlich schlechter. Nach einer Untersuchung im Krankenhaus erfolgt die zweite niederschmetternde Diagnose: Aufgrund der früheren Behandlung entwickelte sich eine Blutbildungsstörung. Sein Körper produziert zu wenig rote Blutkörperchen. Ein Arzt rät zur Knochenmarktransplantation. Die Suche nach einem geeigneten Spender beginnt.
"Leider sind zu wenig Menschen auf der Welt typisiert", sagt Ulrike Rinn. In der Zwischenzeit muss ihr Mann regelmäßig mit Blutkonserven versorgt werden. Dann der fast schon nicht mehr erwartete Anruf. Ein Spender sei gefunden – in Kanada. Allerdings liegt die genetische Übereinstimmung nur bei 90 Prozent. Ein Risiko, denn je höher die Übereinstimmung, desto höher ist die Chance auf Genesung.
Alles geht jetzt schnell. Stefan Rinn muss erneut zur Chemotherapie. "Vor der Transplantation mussten die Ärzte alles in seinem Körper plattmachen", sagt Ulrike Rinn.
Am 30. Juli 2007 entnimmt ein Arzt in Kanada Flemings Knochenmark. Ein Mediziner transportiert es sofort nach Deutschland. Einen Tag später transplantieren Ärzte in Hannover. Die Spende passt, langsam aber stetig verbessert sich die Gesundheit von Stefan Rinn.
Erst nach zwei Jahren darf er aus Sicherheitsgründen erfahren, wer sein Lebensretter ist. Damit sollen Spender vor Vorwürfen geschützt werden, falls die Operation nicht erfolgreich ist. Erst dann darf das Krankenhaus Daten weitergeben.
Sofort nehmen die Bielefelder Kontakt nach Kanada auf. Ulrike Rinn fragt heimlich, ob der Retter nicht nach Deutschland kommen will.
Am 27. Dezember 2009 klingelt es an der Tür. "Ich fragte mich, wer das ist, an meinen Spender konnte ich nicht glauben", sagt Stefan Rinn. Nur zwei Tage bleiben Jerry Flemming und seine Frau. "Wir waren an der Sparrenburg, haben sonst Tag und Nacht geredet."
Stefan Rinn gilt als geheilt. "Nur dank der Spende kann ich ohne Angst mein Leben mit meiner Frau genießen."
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