Auch in Ostwestfalen-Lippe können leckere Früchte vielerorts kostenlos geerntet werden / Eine Initiative sammelt Adressen
Bielefeld. Weil in Deutschland jedes Jahr tausende Tonnen Obst verderben, hat eine Initiative in Berlin eine bundesweite Aktion gestartet. Sie sammelt im Internet Angaben darüber, wo Obstbäume im öffentlichen Raum rechtmäßig ohne Bezahlung abgeerntet werden können.
Mehrere hundert Einträge sind auf der Landkarte bereits vorhanden. Demzufolge kann man auch in OWL seinen Obsthunger an einigen Stellen gratis stillen. Kostenlose Äpfel sind in Detmold, bei Salzkotten und in Hiddenhausen zu pflücken. Mirabellen gibt’s bei Paderborn.
Tipps für die Ernte
Wer Obst erntet, sollte stets einige Regeln beachten. Bäu-me und Sträucher sollten möglichst vorsichtig behandelt werden, damit keine Äste abbrechen und sie auch im nächsten Jahr wieder viele Früchte tragen können. Auch Wildtiere und Vögel haben Hunger – man sollte für sie stets etwas übriglassen. Bei freistehenden Bäumen oder auf Streuobstwiesen sollte auch die Natur rund um den Ernteplatz möglichst schonend behandelt und dort wenig zertrampelt werden. Besonders gefährlich wird es stets, wenn man ohne eine Leiter auf einen Baum steigt. Äste können leicht brechen – ein Sturz ist dann oft die Folge. Auch beim Anbringen einer Leiter ist zu prüfen, ob sie auf sicherem Untergrund steht und im Baum entsprechend stabil aufliegt. Wer an Straßenrändern pflückt, muss darauf achten, dass er den Verkehr nicht gefährdet und nicht von einem Auto erfasst wird.
In Wahrheit existiert vermutlich aber noch viel mehr freies Obst für freie Bürger. Die Berliner Initiative, die im Internet unter
www.mundraub.org zu finden ist, will keineswegs zum Diebstahl animieren. "Wahre Mundräuber gehen behutsam mit den Bäumen um. Sie lassen beim leisesten Zweifel über die Freigabe eines Baumes die Finger von den Früchten", heißt es dort wörtlich.
Behutsamer Umgang mit den Bäumen
Diesen Ratschlag sollte man durchaus ernst nehmen. "Wer einfach wild drauflospflückt, kann in Teufels Küche kommen", sagt die Sprecherin der Bielefelder Polizei, Bianca Donschen. Im Rahmen einer Strafrechtsreform im Jahr 1975 wurde der sogenannte "Mundraub" zwar als Delikt abgeschafft. Gleichwohl könne das unbefugte Pflücken von Obst in Nachbars Garten oder an Straßenrändern als "Diebstahl geringwertiger Sachen" strafrechtlich verfolgt werden, wenn der Eigentümer der Bäume eine Strafanzeige stellt. "Deshalb sollte man immer den Eigentümer um Erlaubnis bitten.
Dann ist man auf der sicheren Seite", sagt die Polizeisprecherin. Einige Kommunen geben die Einwilligung zur kostenlosen Ernte. Dazu zählen beispielsweise die Kreise Gütersloh und Paderborn. Obstpflücker an den Straßenrändern handelten allerdings stets auf eigene Gefahr, betont Diana Borghoff, Sprecherin des Kreises Paderborn. Sie müssen auch darauf achten, dass der Verkehr nicht gefährdet wird.
Im Kreis Gütersloh können Birnen an der Kreisstraße 33 bei Isselhorst gratis geerntet werden. "Viel mehr Obstbäume haben wir aber nicht", sagt Sprecherin Inga Gebauer. Weil in der Vergangenheit das Fallobst auf den Straßen für Gefahr sorgt, würden heute an deren Rändern fast nur noch Laubbäume gepflanzt. Einige Kommunen, wie beispielsweise die Stadt Nieheim, versteigern ihre Obstbäume. "Einige Nutzer verkaufen dann die Ernte auf Ökomärkten", berichtet der Nieheimer Bauamtsleiter Franz-Josef Lohr.
Versteigerung der Obstbäume
Die Zahl und das Interesse der "Selbstpflücker" habe in den letzten Jahren aber eher abgenommen, heißt es in der Stadt Höxter. Die Berliner Initiative will nun dafür sorgen, dass "die Obstschätze vor der Haustür" wieder vermehrt genutzt und die Verbraucher auf teure Importe verzichten. Obst aus dem Supermarkt dürfte in diesem Jahr vermutlich teurer werden. Im Vergleich zum Vorjahr werde die Apfelernte um knapp ein Fünftel geringer ausfallen, prognostiziert Eva Würtenberger von der Argrarmarkt-Informationsgesellschaft in Bonn. Die Einbuße bei den Pflaumen betrage sogar 29 Prozent.