Bielefeld. Ein junger Mann mit Fleischermesser und Kinnbart sorgt seit wenigen Tagen bei Tankstellen-Mitarbeitern der Stadt für Angst und Schrecken: Mindestens fünf Mal zückte der auffällig ruhige Räuber inzwischen seine Klinge, vier Mal allein von Freitag- bis Sonntagabend. Weitere Fälle passen laut Polizeisprecherin Christine Schmitt in das Muster des Täters. Doch der coole Räuber kann bisher jedes Mal unerkannt entkommen.
"Wir wissen nicht, wer der Täter ist, aber die Ermittler fahnden unter Hochdruck nach ihm", sagte Polizeisprecherin Christine Schmitt gestern. Die jüngste Serie der Tankstellenüberfälle (NW von gestern) hatte sich am Sonntagabend noch um einen weiteren Fall ausgedehnt: Gegen 21.15 Uhr hatte der stets unmaskierte Mann den Verkaufsraum von "Sparrentank" an der Detmolder Straße 136 betreten und sein Fleischermesser (20 bis 25 Zentimeter Klinge) gezeigt – bestimmt, aber nicht aggressiv. Wie in den vergangenen Tagen ließ er sich auch hier die Kassenlade herausgeben, griff sich gezielt nur Geldnoten und steckte diese in eine mitgebrachte Plastiktüte.
Genauso war der Serien-Täter vermutlich schon am Sonntag, 22. August, an der Aral-Tankstelle an der Stieghorster Straße vorgegangen.
Täter wirkte "bekifft"
Der Pächter der Sparrentankstelle bestätigt den ungewöhnlichen Eindruck, den fast alle Kassierer von dem Räuber hatten: "Der ist anschließend ganz ruhig zur Fröbelstraße rübergegangen – hat kaum nach rechts oder links geguckt." Joachim Enderweit, Pächter der am Freitag überfallenen Shell-Tankstelle an der Engerschen Straße, bezeichnet den Zustand des Täters sogar als "bekifft". Selbst als sein Kassierer dem Täter erklärte, dass er bei ihm kein Bargeld kriegen könne – das geschlossene Shell-Ausgabesystem "iCash" greift ohne Hilfe von Kassierern auf einen Tresor zu –, blieb der Täter "unheimlich ruhig".
Messer-Täter | FOTO: ANDREAS FRÜCHT
In allen Fällen beschrieben die Zeugen den Messer-Mann als jungen Mann von etwa 1,85 Meter Größe mit blondem Drei-Tage-Bart. Tatsächlich ist auf dem Überwachungsvideo von Star-Tankstellen-Pächter Peter Pissarek der Täter sehr gut zu erkennen.
Am Samstag trug er lediglich ein rot-weiß-blaues Karohemd und eine schwarze Baseballkappe, die er tief ins Gesicht gezogen hatte. Trotzdem ist der auffällige Kinnbart des Täters, der als Streifen von Ohr zu Ohr verläuft, gut sichtbar. Vor der Kasse zog er plötzlich sein großes Messer hervor, gab kurze, unmissverständliche Anweisungen und hantierte mit seiner Plastiktüte. Nach wenigen Sekunden war der Spuk vorbei.
Eigentlich sollen sie kein Risiko eingehen
Erst 2009 hatte Pissarek seine Tankstelle für 15.000 Euro mit der neuesten Videotechnik ausgerüstet. Deshalb ist der komplette Tathergang gut nachzuvollziehen. Obwohl vor der Tat um 22 Uhr noch relativ viele Kunden die Star-Tankstelle an der Detmolder Straße 479 ansteuerten, nutzte der Räuber einen kurzen Moment der Ruhe.
Die Ermittler vom Kriminalkommissariat 14 haben eine Vermutung: Sie haben sich vier Stunden der Videoaufzeichnungen vor dem Überfall aushändigen lassen, um den Täter vorher beim Auskundschaften oder einen möglichen Mittäter auszumachen. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollen die Kripo-Ermittler nicht, dass ein Foto des Serientäters in der Zeitung erscheint.
Pissareks Mitarbeiter wurden erst vor Kurzem für solche Fälle geschult: "Sie sollen kein Risiko eingehen, die Kassenschublade herausgeben und abwarten, bis der Täter draußen ist, bevor sie den Alarmknopf drücken." Pissarek und Kollege Enderweit sind in erster Linie froh, dass niemandem der Mitarbeiter etwas passiert ist.
Der Täter ist hartnäckig
Trotzdem sind sie alle überrascht, dass der Täter so hartnäckig ist: "In den Kassen ist nicht viel zu holen", erklärt Pissarek. "Ab einer bestimmten Summe wird das Bargeld in den Tresor gebracht." In keinem der Fälle erbeutete der Serientäter mehr als 1.000 Euro.
Weil es einfach viel zu teuer ist! Den Pächtern ist meist kein Vorwurf zu machen. Wer sich gegen entsprechende Sicherheitsmaßnahmen wehrt, sind in aller Regel die Konzerne.
Ich mache meinen Job an der Tankstelle nun schon 10 Jahre und weiß daher, was so abgeht.