Bielefeld. Wegen des Verdachts der Untreue ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld beim Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld. Wie Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann (59) gegenüber nw-news.de bestätigte, durchsuchten Mitarbeiter seiner Behörde am Freitagmorgen die Geschäftsräume des Vereins, um Unterlagen über den Bau der neuen Haupttribüne sicherzustellen. Der Verein sicherte der Staatsanwaltschaft vollste Unterstützung zu.
Anlass für die Ermittlungen sind laut Pollmann die Aussagen von DSC-Aufsichtsratsmitglied Friedrich Straetmanns während der jüngsten Jahreshauptversammlung des Klubs am 5. September. Er hatte bei seinem Prüfbericht zum Stadionausbau kritische Worte in Richtung des früheren Geschäftsführers Roland Kentsch und des Ex-Aufsichtsratschefs und Präsidenten Hans-Hermann Schwick gefunden. Straetmanns beklagte, dass Planung und Durchführung des Tribünenbaus nicht gründlich und nicht ordentlich genug gewesen seien. Vor Saisonbeginn war zudem eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Diese allein hatte laut Pollmann jedoch nicht genug Substanz für eine Durchsuchung geliefert.
Ermittler | FOTO: ANDREAS ZOBE
Die Baukosten der neuen Haupttribüne hatten sich von anfangs veranschlagten elf auf 19 Millionen Euro verteuert. Die Kostenexplosion gilt als wesentliche Ursache für die Finanzmisere, die den Zweitligisten an den Rand der Insolvenz getrieben hatte.
Aktuelle Führungsriege nicht betroffen
Zu Namen von Beschuldigten machte Staatsanwalt Pollmann am Samstag keine Angaben. "Die Beschuldigten wissen selber noch nichts davon, wir werden aber mit ihnen in Kontakt treten." Personen aus der aktuellen Führungsriege des Klubs sind jedoch nicht betroffen, auch gegen den Verein werde nicht ermittelt, so der Staatsanwalt.
Überprüft werde nun, ob frühere Mitglieder der Vereinsführung "Fehler gemacht haben, die den Verein Geld gekostet haben", erklärt Pollmann. Der Tatbestand der Untreue, könne erfüllt sein, wenn jemand den Klub "sehenden Auges in finanzielle Schwierigkeiten" führe. "Dabei geht es beispielsweise darum, ob man hätte erkennen müssen, dass man nur kleiner oder auch gar nicht hätte bauen dürfen, oder dass Aufträge an Unternehmen gegangen sind, deren Leistungen man auch günstiger hätte bekommen können."
Arminia-Sprecher Marcus Uhlig, erklärte gegenüber nw-news.de, dass sich der Verein wegen der Durchsuchungen keine Sorgen mache. Im Gegenteil: "Wir werden die Behörde vollständig unterstützen und zu jeder Zeit kooperieren. Der Verein ist genauso an einer vollumfänglichen Aufklärung interessiert." In einer Presseerklärung ließ sich Präsident Wolfgang Brinkman zitieren: "Arminia Bielefeld ist an einer kompletten Aufklärung des Sachverhaltes sehr interessiert." Aufsichtsratschef Dirk U. Hindrichs erklärte: "Die nun erfolgte Aufnahme der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen kann den Klärungsprozess nur beschleunigen. Die Geschäftsstelle wurde ausdrücklich ermächtigt, die Ermittlungen voll umfänglich zu unterstützen."
Wann diese abgeschlossen sind, ließ Oberstaatsanwalt Pollmann offen. "Die Ermittlungen werden uns über Monate beschäftigen."