Bielefeld. Auch nach dem Mitgliederabend am Mittwoch bleibt ungewiss, ob die Mitglieder am kommenden Dienstag der Gründung einer neuen Arminia-Stadiongesellschaft zustimmen oder nicht. Immer wieder schlugen den Arminia-Verantwortlichen kritische Einwände entgegen – und außerdem blieb manche Frage unbeantwortet.
Bekanntlich will die Vereinsspitze den Immobilienbesitz von Arminia (das hochverschuldete Stadion, das Trainingsgelände an der Friedrich-Hagemann-Straße und zwei Wohnhäuser an der Melanchthonstraße) in eine Arminia Bielefeld Arena GmbH & Co. KG ausgliedern.
Natürlich spielte der Wirbel um eine am Montagmorgen den Medien zugespielte interne Mail von Verwaltungsratsmitglied Olaf Köster mit Kritik an der Verpflichtung des neuen sportlichen Leiters Samir Arabi auch in der gestrigen Versammlung eine große Rolle. DSC-Geschäftsführer Ralf Schnitzmeier sprach davon, dass "das, was am Montag passiert ist, höchst gefährlich für Arminia" sei. Die ganze vertrauensbildende Arbeit werde durch solche Vorfälle zerstört. "Ich erwarte, dass diejenigen, die das gemacht haben, die Konsequenzen ziehen", sagte Schnitzmeier.
"Ich beteilige mich nicht an einer Hexenjagd"
Wie berichtet, hatten dann am Montagabend alle bei einer Sitzung anwesenden Gremiumsmitglieder eine eidesstattliche Versicherung unterschrieben, wonach sie die kritische E-Mail nicht weitergeleitet hätten, nur einer nicht, nämlich der Autor Olaf Köster selbst. Ihn verteidigte Verwaltungsratskollege Fred Straetmanns: "Auch ich werde die Versicherung nicht unterschreiben, weil ich mich nämlich an einer Hexenjagd nicht beteilige." Olaf Köster selbst sagte am Rande der Versammlung: "Ich habe die Mail definitiv nicht weitergeleitet. Punkt. Aus. Ende." Die katastrophale Wirkung, die das Hickhack um die Köster-Mail verursacht hatte, brachte Vize-Präsident Wilfried Lütkemeier auf den Punkt. "Wir machen doch noch außerdem den Eindruck, als wären wir der zerstrittenste Haufen in ganz Ostwestfalen."
Für Verärgerung bei vielen Anwesenden sorgte die Tatsache, dass sowohl Geschäftsführer Schnitzmeier als auch Vereinsschatzmeister Andreas Erdmann sich weigerten, den genauen Schuldenstand von Arminia zu nennen. "Wir stehen an der Spitze eines Unternehmens und haben aus Verantwortung dafür eine gewisse Geheimhaltungspflicht", versuchte Erdmann eine Erklärung, stieß damit aber auf wenig Verständnis bei den Mitgliedern. Beispielsweise bei Charly Schwede: "Wenn Ihr bis Dienstag nicht alle Zahlen nennt, dann gibt’s bei der Abstimmung eine Klatsche für Euch", sagte er unmissverständlich unter dem Beifall der meisten Anwesenden.
Auf Unverständnis stieß bei vielen Mitgliedern auch, dass die Anteile an der 2004 ausgegebenen Stadionanleihe "Bau auf Blau" (2.000 Zeichner, insgesamt 2,9 Millionen Euro) nach der bisherigen Konstruktion nicht in Anteile an der Stadiongesellschaft umgewandelt werden können. Und die neue Anleihe – so sie denn zustande kommt – soll nicht von der Stadiongesellschaft, sondern vom Verein ausgegeben werden. Die alte Anleihe läuft im September aus. Eine der größten Schwierigkeiten des in immer argere Finanznot geratenden Vereins ist, dass er möglichst viele der Zeichner dazu bringen muss, von der alten in die neue Anleihe zu wechseln.
10.000 Mitglieder werden diesen Verein doch wohl nicht verrecken lassen ! Wir sind nicht Düsseldorf und nicht 1860 München ! Wir stehen zu unserem Verein !